Fellbach

Gericht verurteilt 21-Jährigen aus Fellbach nach Verfolgungsfahrt mit der Polizei

Polizei
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Weil ein zum Tatzeitpunkt 20-jähriger Autofahrer sich in Fellbach nachts eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hat, ist er vom Amtsgericht Waiblingen zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt worden. Sein Führerschein wird eingezogen, erst nach zehn Monaten darf ein neuer ausgestellt werden.

Neben der Geldbuße, die er an die Kreisverkehrswacht zahlen muss, muss der junge Mann auch eine Drogenberatung besuchen. Außerdem trägt er die Verfahrenskosten.

Der 21-Jährige hat sich nach Überzeugung des Gerichts strafbar gemacht, indem er an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen (strafbar nach Paragraf 315d des Strafgesetzbuchs) beteiligt war. Richter Armin Blattner sagte, der junge Mann habe noch großes Glück gehabt, dass bei diesem Rennen durch Fellbach keine Menschen zu Schaden gekommen seien. Bei Gefährdung von Leib und Leben sind neben Geldstrafen auch Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren möglich.

Er hing mit einem Kumpel rum und rauchte einen Joint

Der Angeklagte und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Horst Gabel, erklärten noch im Gerichtssaal, dass sie das Urteil annehmen. Und nachdem auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft auf das Einlegen von Rechtsmitteln verzichtete, konnte es sofort rechtskräftig werden.

Der junge Fellbacher war im vergangenen Frühjahr an einer Hochschule eingeschrieben. Da es damals coronabedingt keine Präsenz-, sondern nur noch Onlinevorlesungen gab, hatte sein Interesse am Studium immer mehr nachgelassen. An einem Donnerstag im März habe er den Nachmittag über bei einem Kumpel in Fellbach herumgehangen. Dabei habe er wohl auch einen Joint geraucht, den ihm dieser Kumpel angeboten habe, den ersten und einzigen seines Lebens, versicherte er treuherzig dem Richter gegenüber. Als Hobbysportler konsumiere er keinen Alkohol und auch keine Drogen.

Mit dem Smart der Mutter düst er durch Wohngebiete

Als er sich gegen 22.45 Uhr in der Nacht mit dem Smart seiner Mutter auf den Heimweg machte, habe sich in der Kappelbergstraße ein Streifenwagen der Polizei hinter ihn gesetzt. Da die Beamten ihn nicht zum Anhalten aufforderten und auch sonst kein Zeichen gaben, habe er das Verfolgerfahrzeug nicht groß beachtet, sondern geschaut, dass er zügig heimkommt, so die Version des Angeklagten.

Die beiden Polizisten führten an diesem Abend Verkehrskontrollen durch. Sie hatten gerade ein anderes Fahrzeug kontrolliert und waren auf dem Rückweg in ihren Streifenwagen, als der Angeklagte in der Kappelbergstraße an ihnen vorbeifuhr, berichtete einer von ihnen im Zeugenstand. Nach einem Blick in die Fahrerkabine entschlossen sie sich, den Smart ebenfalls zu kontrollieren. Sie orientierten sich an dessen Rücklichtern und versuchten zu ihm aufzuschließen, was aber zunächst misslang, obwohl sie selbst auf 60, streckenweise 70 Stundenkilometer beschleunigten. Daraus schlossen sie, dass der Verfolgte mit mindestens derselben Geschwindigkeit unterwegs sein müsse.

Von der Kappelbergstraße ging es in die Rommelshausener Straße, die Kleinfeldstraße, von dort aus mit Blaulicht in die 30er-Zone des Drosselwegs und weiter in den verkehrsberuhigten Rotkehlchenweg. Erst nachdem der Smart auf ein Privatgrundstück eingebogen und der Fahrer ihn schon abgestellt hatte, sei es ihnen gelungen, ihn zu stellen. Noch bevor sie den jungen Mann angesprochen hatten, sei ihnen der intensive Geruch nach Marihuana aufgefallen, der von ihm ausgegangen sei, so der Beamte weiter.

Erst mal patzig gegenüber den Beamten

Nachdem er sich zunächst alles andere als kooperativ verhalten, einen Rechtsanwalt verlangt und sie aufgefordert habe, das Privatgrundstück sofort zu verlassen, sei der Fahrer nach etwas Überzeugungsarbeit schließlich bereit gewesen, sich einem Drogentest zu unterziehen. Bereits auf der Fahrt ins Krankenhaus habe er eingeräumt, einen Joint geraucht zu haben.

Der junge Mann gab zu, „um einiges deutlich zu schnell“ - so Richter Blattner - unterwegs gewesen zu sein. Auf die Frage, warum er auch noch unter Drogeneinfluss gefahren sei, antwortete er, dass er sich „richtig gut“ gefühlt habe. Dies, fasste Blattner nach, komme nach einem Joint wohl öfters vor. Dennoch sei man unter Drogen nicht so klar im Kopf wie ohne. Die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen, zu lenken, zu bremsen und auszuweichen, sei deutlich eingeschränkt, auch wenn es einem selbst nicht bewusst sei. „Das war nicht gut! Glücklicherweise ist nichts passiert“, so der Richter. Es sei ein gewaltiger Unterschied, ob man 20 oder 30 Stundenkilometer in einem Wohngebiet unterwegs sei, oder auf der B 14 - wobei das Zweite natürlich auch nicht in Ordnung sei.

Jugendgerichtshilfe empfiehlt Anwendung des Jugendstrafrechts

Der Angeklagte, der mittlerweile sein Studium abgebrochen hat und eine gewerbliche Berufsausbildung absolviert, sei zwar zum Tatzeitpunkt nur ein halbes Jahr von seinem 21. Geburtstag entfernt gewesen, erklärte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, dennoch empfahl sie, auf ihn das Jugendrecht anzuwenden. Er lebe nach wie vor bei seinen Eltern, die ihn unterhielten und von denen er sich noch nicht abnabelte. Eine Ansicht, die auch von der Vertreterin der Staatsanwaltschaft geteilt wurde; sie hielt dem Angeklagten auch zugute, dass er sich geständig gezeigt und Corona ihn auf seinem Lebensweg zurückgeworfen habe.

Allerdings bezweifelte sie, dass es sich bei dem gerichtsrelevanten um den einzigen gerauchten Joint gehandelt hatte. Schließlich habe der Angeklagte der Jugendgerichtshelferin gegenüber erklärt, nach diesem Vorfall seit zwei Monaten keine Drogen mehr zu konsumieren.

Der Joint des Tattags, gab Rechtsanwalt Gabel zu bedenken, werde seinen Mandanten allerdings noch weiter verfolgen und ihm große Probleme bereiten, wenn er die Fahrerlaubnis wieder erwerben möchte. „Dann werden Psychologen ganz genau hinschauen, was Drogen anbelangt.“

Weil ein zum Tatzeitpunkt 20-jähriger Autofahrer sich in Fellbach nachts eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hat, ist er vom Amtsgericht Waiblingen zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt worden. Sein Führerschein wird eingezogen, erst nach zehn Monaten darf ein neuer ausgestellt werden.

Neben der Geldbuße, die er an die Kreisverkehrswacht zahlen muss, muss der junge Mann auch eine Drogenberatung besuchen. Außerdem trägt er die Verfahrenskosten.

Der 21-Jährige

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