Fellbach

Gewa-Tower: Gläubiger haben Kauf-Favoriten

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Seit fast einem Jahr ruht die Gewa-Baustelle. © Gabriel Habermann / ZVW

Fellbach. So langsam tut sich doch was am Gewa-Tower: Der Anwalt der Anleihegläubiger hat einen der potenziellen Käufer des unfertigen Hochhauses zum Favoriten für den Verkauf auserkoren. Ein Plus des namentlich genannten Bieters dürfte sein, dass er Generalunternehmer Baresel, der den Turm gebaut hat, auf seiner Seite hat.

Auf der Suche nach einem Käufer des Towers der insolventen Gewa-Projektgesellschaft wurden die Bieterfristen offenbar mehrfach verlängert. Zwei ernsthafte Interessenten sind weiter im Rennen. Als Vertreter der Anleihegläubiger hat der Düsseldorfer Rechtsanwalt Gustav Meyer zu Schwabedissen jetzt öffentlich eine Einschätzung abgegeben. Beide Bieter hatten es freilich zur Bedingung gemacht, dass ihr Name im Vorfeld eines Verkaufs nicht veröffentlicht wird.

Anleger würde 13,5 Millionen für den Turm bezahlen

Bekommt der weiterhin anonyme, favorisierte Bieter den Zuschlag, ergibt sich für die Anleger eine Quote von 40 Prozent abzüglich der Verfahrenskosten. 13,5 Millionen würde er für den Turm bezahlen und eine im Grundbuch eingetragene Sicherungshypothek zugunsten des Generalunternehmers übernehmen.

Den Anlegern bleiben maximal 40 Prozent brutto

Ungeklärt scheint, ob die Eintragung der Sicherungshypothek nach dem Insolvenzrecht anfechtbar ist. Daher gibt es einen Vergleich zwischen der Baresel GmbH und dem Bieter, wonach die Baufirma 500 000 Euro zurückzahlt. Im Gegenzug verzichtet der Verwalter auf alle Anfechtungsansprüche gegen die Baresel GmbH. Der Vergleich gilt nur, wenn genau dieser Bieter zum Zuge kommt. Damit kämen die Anleihegläubiger auf 14 Millionen Euro, was die besagte Bruttoquote von 40 Prozent ergibt.

Zweiter Bieter würde die Sicherungshypothek nicht übernehmen

Zwar würde der zweite Bieter 16 Millionen zahlen, die Sicherungshypothek in Höhe von 3,6 Millionen jedoch nicht übernehmen. „Von den 16 Millionen Euro ist also ein unbekannter Betrag, schlimmstenfalls aber 3,6 Millionen, abzuziehen“, warnt Meyer zu Schwabedissen. Damit flössen den Anleihegläubigern 12,4 Millionen sicher zu – die Quote läge bei 35 Prozent plus X. Der unbekannte Faktor X wäre der Betrag, der aus der Anfechtung von Zahlungen an Baresel erlangt werden könnte. Mit Hinweis auf das laufende Verfahren möchte der Gläubigervertreter nicht bewerten, wie viel Geld zurückerlangt werden kann. Die theoretisch anfechtbaren Leistungen der Gewa an Baresel belaufen sich auf knapp 9,5 Millionen Euro.

„Längeres Zuwarten ist für die Anleger nicht zumutbar“

Nach Prüfung der Rechtslage und Beratung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli zeigt sich Meyer zu Schwabedissen überzeugt, dass das Angebot des ersten Bieters für die Anleihegläubiger zu einem besseren Ergebnis führt. Daher will er mit Bananyarli vereinbaren, dass dieser Investor zur weiteren Prüfung des Gebäudes bis 30. November Exklusivität genießt. Sollte die Prüfung günstig ausgehen, will er dem Verkauf zustimmen. Zur Veräußerung braucht der Insolvenzverwalter diese Zustimmung.

Verlängerung der Angebotsfristen nicht zumutbar

„In Ermangelung von Alternativen sehe ich zurzeit keine in diesem Sinne günstigere Verwertungsmöglichkeit“, stellt der Gläubigervertreter klar. Längeres Zuwarten und Verlängern der Angebotsfristen seien gegenüber den Anlegern nicht mehr vertretbar. Zudem müsste der Tower gegen die Witterung geschützt werden. „Die Winterhartmachung aber führt zu Kosten, für die eine Finanzierung bis heute nicht vorliegt und die letztlich vom Anleihegläubiger zu begleichen wären.“


Aufarbeitung folgt

Rechtsanwalt Gustav Meyer zu Schwabedissen äußert in einem Schreiben zur Anlegerversammlung im April die Annahme, dass „möglicherweise erhebliche Summen in dem Projekt ,versickert’ sind“.

Zum Zeitpunkt der Übernahme der vorläufigen Insolvenzverwaltung seien nach mündlicher Mitteilung des Mittelverwendungstreuhänders lediglich 200 000 Euro auf dem Treuhandkonto zu finden gewesen. „Nach Eröffnung der Insolvenz wird die Aufarbeitung der Vergangenheit beginnen. Der Mittelverwendungstreuhänder hat zugesagt, zur Vorbereitung weiterer Maßnahmen einen Bericht über die Verwendung der Gelder zu verfassen.“