Fellbach

Gewa-Tower: Gläubiger prüfen Verstöße

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107 Meter misst der Gewa-Tower in Fellbach. © Sarah Utz

Fellbach. Die enttäuschten Anleihegläubiger, die sich von ihren Investitionen in den Bau des Gewa-Towers einen Geldsegen erhofft haben, glauben offenbar nicht, dass beim gescheiterten Großprojekt alles mit rechten Dingen zuging. Ein Vorwurf, der im Raum steht: Die Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG habe die Gläubiger nicht rechtzeitig über Verluste informiert. Ein neuer Anwalt soll mögliche Regelverstöße prüfen.

Von Mittwoch bis Freitag hatten sich die Anleihegläubiger im schriftlichen Verfahren versammelt, um einen neuen gemeinsamen Vertreter – Gustav Meyer zu Schwabedissen von den MZS-Rechtsanwälten in Düsseldorf – zu wählen (wir berichteten). Das ist zur Freude der Anteilseigner, die unter anderem in der KFM Deutsche Mittelstand AG und der Schutzgemeinschaft Deutscher Kapitalanleger (SDK) organisiert sind, mit deutlicher Mehrheit gelungen. In einer Pressemitteilung vom Dienstagnachmittag verkündet Meyer zu Schwabedissen, er sei mit 96,99 Prozent der Stimmen gewählt worden. Beteiligt hatten sich rund 59 Prozent der Anleihegläubiger.

Anwalt soll mögliche Regelverstöße prüfen

Der neue Anwalt soll für die Gläubiger prüfen, inwieweit die am Tower-Bau beteiligten Verantwortlichen gegen Regeln – zum Beispiel die Bedingungen im Prospekt, Machtmissbrauchsrichtlinien oder das Wertpapierhandelsgesetz – verstoßen haben. So steht von Seiten der KFM Deutsche Mittelstand AG der Vorwurf gegen die Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG im Raum, die Gläubiger nicht rechtzeitig über die Schieflage des Projekts informiert zu haben. Je nachdem, ob den Gewa-Geschäftsführern Verstöße nachgewiesen werden können und wie gravierend diese sind, könnte auch deren Privatvermögen angetastet werden, um die Gläubiger zu bedienen – so schätzt Hans-Jürgen Friedrich von der KFM die Lage ein. Alle möglichen Wege für die Gläubiger zu prüfen, doch noch mehr Geld herauszubekommen als die momentan kalkulierten 40 Prozent ihrer Investitionen, das ist die Aufgabe des neuen Anwalts.

Gläubiger wollen Interessenskonflikten vorbeugen

Denn bisher waren die Anleihegläubiger von der Rödl Treuhand Steuerberatungsgesellschaft vertreten worden – die auch die Wohnungseigentümer betreut. Die Gläubiger wollen durch die Wahl des neuen Vertreters Interessenskonflikten vorbeugen. Schließlich könnte der neue Anwalt auch prüfen, ob dem Treuhänder selbst Verfehlungen vorzuwerfen sind.

Wertgutachten soll bis Mitte August vorliegen

Meyer von Schwabedissen werde sich jedenfalls nun erst einmal um sämtliche Unterlagen bemühen, so Hans-Jürgen Friedrich von der Mittelstand-AG, dafür wird er sich mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter in Verbindung setzen. Bis dieser wiederum das Insolvenzverfahren offiziell eröffnen kann, wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen. Denn noch stehen die Ergebnisse eines Gutachtens aus, die zeigen sollen, was der Turm mit allem Drum und Dran überhaupt wert ist. Der Gewa-Tower soll an einen Investoren verkauft werden, der auch das geplante Hotel übernimmt. Das Wertgutachten soll bis Mitte August vorliegen.

Ursprünglicher Plan: Gewa vor der Insolvenz retten

Vier Interessenten soll es mittlerweile geben, die wohl rund 14, 15 Millionen Euro bieten werden. Ursprünglich sei nach dem Baustopp im Herbst vergangenen Jahres geplant gewesen, die Gewa vor der Insolvenz zu retten, sagt Hans-Jürgen Friedrich. Doch die Forderungen des Bauunternehmens, der Baresel GmbH, seien zu groß gewesen. In der Folge habe es aufgrund der dramatischen Lage mehrere unseriöse Angebote an den Insolvenzverwalter gegeben: Angeblich wollte ein Investor den Turm für zwei Millionen Euro kaufen.

Mammutaufgab

Nicht einfach wird die Verwertung des Turms mit fünf prominenten Vertragsparteien: einem Investor, den Wohnungseigentümern, Finanzmittelgebern, dem Gläubigervertreter und den Unternehmen, die für die Fertigstellung des Wohnturms zuständig sein werden.


Mammutaufgabe

Nicht einfach wird die Verwertung des Turms mit fünf prominenten Vertragsparteien: einem Investor, den Wohnungseigentümern, Finanzmittelgebern, dem Gläubigervertreter und den Unternehmen, die für die Fertigstellung des Wohnturms zuständig sein werden.