Fellbach

Gewa-Tower: Investoren warten Gutachten ab

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Unverändert seit Oktober: Der Gewa-Tower. © Ramona Adolf

Fellbach. Stillstand herrscht beim Gewa-Tower – inzwischen schon seit mehr als sieben Monaten. Hinter den Kulissen wird zwar an einer Lösung für den Weiterbau gezimmert, doch bis der Turm tatsächlich verkauft und weitergebaut wird, werden aller Voraussicht nach etliche Wochen ins Land ziehen.

Nach wie vor bleibt es bei den beiden Investoren, die Absichtserklärungen abgegeben haben. Manchmal geistern noch andere Zahlen durch die Gegend, doch konkret sind eben diese beiden, deren Kaufangebote schon bei der Gläubigerversammlung im April vorgestellt wurden. „Es gab viele Interessenten“, sagt ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Ilkin Bananyarli, aber nur diese beiden, über deren Namen die Beteiligten vertraglich Geheimhaltung vereinbart haben, hätten konkrete Angebote formuliert. Auf ausdrücklichen Wunsch der Investoren und der Gläubiger wurde nun ein Gutachten auf den Weg gebracht, das auch eine Beweissicherung beinhalten soll, um im Fall von Mängeln Regressansprüche stellen zu können. Dem Augenschein nach befinde sich der Turm baulich in einem guten Zustand, heißt es. Für das genauere Gutachten müsste Stockwerk für Stockwerk untersucht werden, wofür ein Zeitraum von etwa vier bis fünf Wochen veranschlagt wird. Über die Wintermonate wurde das Gebäude auf Betreiben des vorläufigen Insolvenzverwalters gesichert. Nach wie vor schaut täglich ein Wachdienst nach dem Rechten.

Anleihegläubiger wollen neuen Vertreter wählen

Schon Ende 2016 kritisierten Anleiheinhaber fast einheitlich die Doppelfunktion der Rödl Treuhand Hamburg GmbH als gemeinsamer Vertreter und als Treuhänder als „nicht hinnehmbar“, da hierdurch eventuelle Pflichtverletzungen des Treuhänders verschleiert werden könnten. Zur Trennung dieser Funktionen soll es in absehbarer Zeit kommen. In einer weiteren Gläubigerversammlung könnte ein neuer gemeinsamer Vertreter gewählt werden. Im Gespräch ist Gustav Meyer zu Schwabedissen von den mzs-Rechtsanwälten in Düsseldorf. Die Kanzlei arbeitet mit der KFM Deutsche Mittelstand zusammen, die einen Großteil der Gläubiger unter ihrem Dach gebündelt hat. Im Jahr 2016 wurde die Kanzlei im Handelsblatt mit dem „Best Lawyer Award“ auf dem Gebiet des Bank- und Kapitalmarktrechts ausgezeichnet. Als sicher gilt, dass die nächste Gläubigerversammlung nicht erneut in der Fellbacher Schwabenlandhalle abgehalten wird, sondern im schriftlichen Verfahren erfolgt, um Zeit und Kosten zu sparen.

Isolvenzverwalter kann nicht weiterbauen lassen

Spekuliert wurde in der Vergangenheit mehrfach über die Frage, ob der Insolvenzverwalter selbst weiterbauen lassen könnte. Daraus wird sicher nichts, erklärt der Sprecher von Ilkin Bananyarli. Dafür fehlt schlicht und ergreifend das Geld. Anders bei Insolvenzen in der Industrie, bei denen die Maschinen weiterlaufen können, so dass Geld erwirtschaftet wird und Arbeiter weiter ihre Gehälter beziehen können. Die Zukunft des Gewa-Towers indes bleibt also eine Hängepartie. Die Konflikte um die juristische Vertretung der Anleihegläubiger sowie um die zu kurzfristige Einladung zur Gläubigerversammlung, die letztlich reinen Informationswert hatte, ohne dass Beschlüsse hätten gefasst werden können, haben die Suche nach einer Lösung nicht gerade beschleunigt.

Priorität haben für alle Beteiligten derzeit Verkauf und Weiterbau. Denn der 107 Meter hohe Turm ist zu groß und im Bau zu weit fortgeschritten, um als Bauruine zu enden. Derweil regen sich aber bereits Stimmen von Anleihegläubigern, die ein juristisches Nachspiel fordern und schwere Vorwürfe gegen die Bauherren erheben.