Fellbach

Gewa-Tower: Mission Geld retten

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Seit einem Dreivierteljahr tut sich auf der Baustelle des Gewa-Towers gar nichts mehr. © Gabriel Habermann / ZVW

Fellbach. Die Zukunft des Gewa-Towers ist weiter ungewiss, die Anleihegläubiger müssen mit großen Verlusten rechnen. Von Mittwoch bis zum späten Freitagabend haben sie sich im schriftlichen Verfahren ausgetauscht. Ziel ist vermutlich die Wahl eines neuen, gemeinsamen Vertreters. Sollten sich die Gläubiger nicht einig geworden sein, tagen sie am kommenden Freitag im Foyer der Fellbacher Bauruine.

Bis zu 60 Prozent Verlust drohen den Anlegern, die im Bau des Gewa-Towers in Fellbach einst eine Chance gewittert haben, gutes Geld zu verdienen. Seit dem Baustopp am Millionenprojekt im Oktober vergangenen Jahres sind die Prognosen – zu Beginn war noch von einem 25-Prozent-Schuldenschnitt die Rede – für die Anleihegläubiger immer düsterer geworden. Umso wichtiger scheint es ihnen nun zu sein, ihre Ansprüche mit einer starken gemeinsamen Stimme zu formulieren.

Gemeinsamen Vertreter wählen

Zu diesem Zweck soll der Rechtsanwalt Gustav Meyer zu Schwabedissen zum gemeinsamen Vertreter gewählt werden. Dafür plädierten im Rahmen der Versammlung sowohl die größte Anteilseignerin, die KFM Deutsche Mittelstand AG (wir berichteten), als nun auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Kapitalanleger (SDK) in einem Rundschreiben. Bisher werden die Anleihegläubiger von der Rödl Treuhand Steuerberatungsgesellschaft vertreten – die auch die Wohnungseigentümer betreut. Die Gläubiger wollen durch die Wahl des neuen Vertreters möglichen Interessenskonflikten vorbeugen.

Auf der Tagesordnung der Versammlung stand auch die Verwertungsvereinbarung zwischen der Rödl Treuhand Hamburg GmbH und dem vorläufigen Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli. Zum grundsätzlichen Vorgehen scheint Einigkeit zu herrschen: Am Verkauf an einen Investor – es gibt derzeit zwei Kandidaten –, der sowohl Turm als auch das geplante Hotel erwirbt, führt wohl kein Weg vorbei. Das sieht auch die SDK so, die auf diesem Weg die größte Chance für ihre Gläubiger sieht, die Verluste doch geringer zu halten als befürchtet. Der Verkauf des Turms ist für Ende des Jahres geplant. Allerdings ist er erst möglich, wenn das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Gewa eröffnet ist. Derzeit prüft noch ein Gutachter den Wert des in Verzug geratenen Projekts. Mit Ergebnissen rechnen die Beteiligten in diesen Tagen.

Was bei der dreitägigen schriftlichen Versammlung herausgekommen ist, wird voraussichtlich am kommenden Montag öffentlich: Dann steht fest, ob sich eine Mehrheit für den Wechsel des Gläubiger-Vertreters ausgesprochen hat und ob die „reale“ Versammlung im unfertigen Turm stattfinden muss oder nicht.


Im vergangenen Vierteljahr hat die Gewa – wenig verwunderlich – keine Wohnungen im Turm verkauft. Der Stand: 44 von 66 Wohnungen sind verkauft, die 22 teuersten, in den oberen Stockwerken, noch nicht.