Fellbach

Hongkong-Reportage mit Fellbacher Hansel-Mieth-Preis ausgezeichnet

218-2021-09-28 Hansel-Mieth-Preis
Barbara Stoll liest bei der Verleihung des Hansel-Mieth-Preises Teile der Gewinner-Reportage vor, während im Hintergrund die eindrücklichen Fotos dazu an die Wand projiziert werden. © Spahlinger

Der 23. Hansel-Mieth-Preis der Reportergemeinschaft Zeitenspiegel ist in Fellbach für eine Reportage über die Protestbewegung in Hongkong an einen Journalisten vergeben worden: „J.J., der zu seinem eigenen Schutz und dem der Handelnden seiner Reportage nur mit seinen Initialen genannt wird“, wie die Stadtverwaltung in ihrer Pressemitteilung schreibt. 116 Bewerbungen seien eingereicht worden, ausgewählt für den mit 6000 Euro dotierten Preis wurde die Reportage „Die Kolonie der Kämpfer“, die im Magazin „Geo“ erschienen ist. Sie beleuchtet Chinas Einfluss auf die Metropole Hongkong.

"Zeuge der Radikalisierung"

Der Journalist begleitete dafür laut der Mitteilung im Jahr 2019 „über mehrere Monate hinweg Hongkonger Aktivisten und wurde Zeuge ihrer Radikalisierung“. Durch den Abend führte SWR-Moderator Jochen Stöckle. Er betonte laut der Pressemitteilung, wie schön es sei, dass es auch heute noch Medien gebe, die Platz hätten für gut erzählte Geschichten, und Journalisten, die diesen Platz bekämen.

Oberbürgermeisterin Gabriele Zull bekräftigte, wie wichtig freier Journalismus als eine wesentliche Stütze der freien Demokratie sei. Über die Gewinnerreportage sagte sie: „Die Lektüre fesselt und erschüttert gleichermaßen. Die Bedrohung der Demokratie in Hongkong durch Festlandchina ist real. Die Restriktionen geschehen vor den Augen der Welt. Eine äußerst beeindruckende Reportage.“

Moderatorin, Schauspielerin und Sprecherin Barbara Stoll las Teile der Gewinner-Reportage vor, während im Hintergrund die eindrücklichen Fotos dazu an die Wand projiziert wurden.

Autor ist in Hongkong geboren

In seiner Laudatio hob Jurymitglied Jonas Wresch hervor, wie J.J. die Leser seiner Reportage dazu zwinge, darüber nachzudenken, ob man selbst genauso handeln würde wie sein Protagonist. Der Leser erlebe anhand des Textes, aber auch durch die Fotografien, hautnah mit, wie sich der gewaltlose Widerstand schnell ändere und der Protagonist zum Gewalttäter werde. Bei der Reportage „Die Kolonie der Kämpfer“ handle es sich um ein zeitgeschichtliches Dokument aus Sicht des Antihelden.

Der Autor, der in Hongkong geboren wurde, erzählte laut der Mitteilung, wie er nach den ersten Protesten von Europa nach Hongkong geflogen war. Dort erlebte er mit, wie innerhalb von wenigen Tagen die Gewalt überhandgenommen habe. Moralisch schwierig sei es für ihn gewesen, die ansteigende Gewalt von beiden Seiten und die damit verbundene unbequeme Wahrheit in einer Reportage zu beschreiben. Er betonte, alle Seiten hätten schlimme Fehler gemacht und es gebe nicht immer nur Schwarz und Weiß - was er mit seiner Reportage zeigen wolle.

Wer war Hansel Mieth?

Die Reportergemeinschaft Zeitenspiegel Reportagen erinnert mit dem Preis an ihr 1998 verstorbenes Ehrenmitglied Johanna „Hansel“ Mieth, die in Fellbach aufgewachsen ist. Als Fotoreporterin widmete sie sich für das amerikanische Magazin „Life“ sozialen Themen.

Der 23. Hansel-Mieth-Preis der Reportergemeinschaft Zeitenspiegel ist in Fellbach für eine Reportage über die Protestbewegung in Hongkong an einen Journalisten vergeben worden: „J.J., der zu seinem eigenen Schutz und dem der Handelnden seiner Reportage nur mit seinen Initialen genannt wird“, wie die Stadtverwaltung in ihrer Pressemitteilung schreibt. 116 Bewerbungen seien eingereicht worden, ausgewählt für den mit 6000 Euro dotierten Preis wurde die Reportage „Die Kolonie der Kämpfer“, die

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