Fellbach

Kuss auf Fellbacher Herbst endet vor Gericht

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Amtsgericht Waiblingen. © Mathias Ellwanger

Waiblingen/Fellbach. Wohl vom Wein angesäuselt drückte ein 69-Jähriger einer jungen Frau beim Fellbacher Herbst im vergangenen Jahr einen Kuss auf die Lippen. Weil sie das nicht gewollt hatte, musste der Mann sich nun wegen sexueller Belästigung vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten. Am Ende ging es dabei vor allem um die Frage: Was ist so ein ungewollter Kuss wert?

Es geschah am letzten Tag des Fellbacher Herbstes im vergangenen Jahr: Eine Gruppe von Erntehelfern und Helfern im Ausschank verabschiedete sich voneinander. Dabei drückte ein heute 69-Jähriger plötzlich einer damals noch 17-Jährigen einen Kuss auf den Mund, dabei soll er ihr Gesicht mit den Händen festgehalten haben. Die junge Frau reagierte schockiert und rannte ins Zelt. Der Mann versuchte noch, sich zu entschuldigen, aber die Frau wollte ihn nicht mehr sehen. Der Fall landete nun vor dem Waiblinger Amtsgericht, die Geschädigte trat als Nebenklägerin auf. Die Anklage lautete auf sexuelle Belästigung.

Angeheitert nach zwei Viertele

Grundsätzlich gab der Angeklagte das Geschehene zu. Allerdings bestritt er, dass es sich bei dem Kuss um eine bewusste Handlung gehandelt hatte. „Ich wollte mich bei der Bedienung bedanken und dann kam es dazu“, sagte er aus. Die junge Frau sei auf ihn zugekommen, er habe sich umgedreht, und plötzlich sei da ihr Gesicht gewesen. Zur Erklärung ergänzte sein Verteidiger, der 69-Jährige habe kurz vor dem Vorfall eine Prostata-Operation gehabt. Die zwei Viertele Wein, die er an besagtem Abend getrunken habe, hätten „voll reingehauen“. Dies bestätigte auch der Angeklagte selbst. So etwas mache er normalerweise nicht, nicht bei fremden Frauen jedenfalls.

"Es hat mich einfach angeekelt"

Für kurzzeitige Verwirrung sorgte er mit seiner Aussage, es gebe aber durchaus Frauen in seinem Bekanntenkreis, die das wollten. Das Küssen auf den Mund meine er. Aber: „Es tut mir wirklich leid“, sagte er an die Nebenklägerin gewandt. Die junge Frau sagte als Zeugin aus, für sie sei die Sache einfach nur furchtbar gewesen. „Es hat mich einfach angeekelt, von einem so viel älteren Mann geküsst zu werden“, berichtete sie. Außerdem habe sie Schuldgefühle ihrem damaligen Freund gegenüber gehabt. „Auch wenn es komisch klingt, ich habe mich gefühlt, als hätte ich ihn betrogen“, sagte die heute 19-Jährige. Die Sache habe ihr jedenfalls nachhaltig zu schaffen gemacht.

Angeklagter muss 750 Euro an Geschädigte zahlen

Die Staatsanwältin äußert, als Frau könne sie sehr gut verstehen, wie die Geschädigte sich gefühlt habe. Deshalb sei es wichtig, dass die Sache vor Gericht gelandet ist: „Der Angeklagte soll merken, dass er das nicht machen darf.“ Dennoch stimmt sie einer Einstellung des Verfahrens zu – mit einer Geldauflage. „Es geht nun also darum, was so ein Kuss wert ist“, so die Staatsanwältin. „So ein Kuss als Schaden ist dem Gericht ja eher unbekannt“, gibt der Vorsitzende Richter zu. Am Ende einigen sich die Beteiligten auf 750 Euro, die der Angeklagte an die Geschädigte zahlen muss. Erfüllt er die Auflage, ist das Verfahren rechtskräftig eingestellt. Zahlt er das Geld nicht innerhalb einer Frist von drei Monaten, muss der Fall erneut verhandelt werden.