Fellbach

Rentner mit Plastikpistole: Zwei Polizeieinsätze

Rentner mit Plastikpistole: Zwei Polizeieinsätze_0
Zur Sicherheit in Habachtstellung. © Büttner / ZVW

Fellbach. Ein Rentner spaziert mit einer Pistole unterm Arm durch den Edeka. Die Mitarbeiter: „Kreidebleich“, wie der Chef sagt. Mit fünf Wagen rückt die Polizei an. Entwarnung: Es war nur eine Spielzeugpistole. Tags drauf taucht der Rentner wieder auf, diesmal mit einem Fotografen an seiner Seite – und wieder mit Pistole. Die Polizei rückt erneut aus, und jetzt liegt der Rentner mit Handschellen am Boden. Vielleicht muss er nun für die Einsätze zahlen.

„Es passiert genug auf den Straßen und überall“: Björn Hansen, Chef des betreffenden Edeka-Marktes in Fellbach, hat viel Verständnis für die Reaktion seiner Mitarbeiter. „Sichtbar für jeden“, habe der Mann im Edeka die Pistole bei sich getragen. Kein Mensch konnte erkennen, ob das eine echte Waffe ist oder nicht.

Angst und Schrecken bei den Bürgern

Also Anruf bei der Polizei. In solchen Fällen müsse zunächst von einer scharfen Schusswaffe ausgegangen werden, heißt es dort. Entsprechend rückten die Beamten mit mehreren Wagen an – und nahmen dem Rentner die Spielzeugpistole ab.

Dasselbe mussten sie tags drauf noch einmal tun: Diesmal war der Rentner vor dem Edeka zusammen mit einem Pressefotografen erschienen. Wieder gerieten Bürger beim Anblick der Pistole in Angst und Schrecken. Polizisten rückten an und forderten die beiden Männer auf, sich „umgehend niederzulegen“. Handschellen klickten. Widerstand gab’s nicht, und auch die zweite Plastikpistole liegt jetzt bei der Polizei.

Was den 72-Jährigen zu solch einer Aktion trieb, bleibt vorerst sein Geheimnis. Der Mann war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Muss der 72-Jährige den Polizeieinsatz bezahlen?

Björn Hansen drückt es diplomatisch aus: Der 72-Jährige habe „ein falsches Signal gesetzt“, was „schade“ sei. Berichte über Tankstellenüberfälle oder Raub in Lebensmittelläden im Rems-Murr-Kreis oder andernorts bleiben Beschäftigten im Einzelhandel vermutlich besonders deutlich im Gedächtnis. Und dann spaziert plötzlich einer seelenruhig mit einer Knarre unterm Arm durch den Markt ...

Noch ist offen, ob die Polizei dem Rentner eine Rechnung schicken wird. „Unsere Verwaltung prüft solche Fälle“, erklärt Polizeipressesprecher Rudolf Biehlmaier. Der Gebührenkatalog sieht einen Satz von 24 Euro je angefangene halbe Stunde und je Polizist vor.

Dass die Polizei für ihre Einsätze Gebühren erhebt, ist gar nicht so selten: Beispielsweise müssen Betrunkene, die zwecks Ausnüchterung über Nacht in einer Zelle landen, zahlen. Für die Übernachtung fallen 45 Euro an, für die Anfahrt 48. Noch ein Beispiel: Provoziert jemand aus Spaß eine Suchaktion und steigt deshalb ein Polizeihubschrauber auf – dann geht das hernach richtig ins Geld.

Die Spielzeugpistole wurde eingezogen 

Einer Straftat hat sich der Mann in Fellbach den bisherigen Erkenntnissen zufolge nicht schuldig gemacht, bestätigt Heiner Römhild, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Eventuell liegt eine Ordnungswidrigkeit vor – das gilt es noch zu prüfen.

Nicht umsonst hat die Polizei die Spielzeugpistole eingezogen: Es geht nun darum, ob sie als „Anscheinswaffe“ anzusehen ist oder nicht. Anscheinswaffen sind Attrappen oder Spielzeugpistolen, die einer echten Waffe täuschend ähnlich sehen. Es ist verboten, solche Waffen in der Öffentlichkeit zu tragen – außer zum Beispiel bei Theateraufführungen oder Brauchtumsveranstaltungen.


Zeugen gesucht

Der erste Vorfall in der Bahnhofstraße in Fellbach wurde der Polizei am Montag kurz vor 13 Uhr gemeldet. Am Dienstagnachmittag gegen 14.30 Uhr löste der Mann dann den zweiten Einsatz aus. Zeugen sollten sich bei der Polizei melden, Telefon 07 11/5 77 20.