Fellbach

Sonnenbühlhof baut Aprikosen an: Warum die Früchte in Fellbach wachsen

Sonnenbuehlhof
Heute oder doch noch einen Tag warten? Jochen Heß prüft, welche Aprikosen bereits erntereif sind. © Gaby Schneider

Mit fachkundigem Blick läuft Jochen Heß an einer Baumreihe entlang. Zwischen grünen Blättern lugen dort rotbackige, kugelrunde Früchte hervor – „das sind unsere Aprikosen“, sagt der 39-Jährige. Die ersten Früchte seien bereits erntereif. „Oben im Baum werden die Früchte schneller reif als unten“, erklärt der Obstbaumeister. Mit einer Hebebühne werde er später hochfahren und die ersten Aprikosen des Jahres pflücken. Aber nicht alle auf einmal, denn schließlich haben die Früchte je nach Lage am Baum einen unterschiedlichen Reifegrad. „Man geht mehrmals an einen Baum, bevor alles geerntet ist“, sagt Jochen Heß.

 20 verschiedene Aprikosen-Sorten gibt es bereits

Seit rund 15 Jahren pflanzt der Landwirt Aprikosen auf dem Sonnenbühlhof in Fellbach an. Hier lebt und arbeitet Jochen Heß gemeinsam mit Ehefrau Lena Heß (30). Mittlerweile haben sie 20 verschiedene Sorten – welche auch die verschiedenen Geschmäcker der Kunden bedienen. „Manche mögen ihre Aprikosen bissfest, weich oder so saftig, dass der Saft beim Hineinbeißen die Hände runterläuft“, sagt Jochen Heß.

Über die Jahre sind weitere Sonderkulturen – so nennt der Obstbauer den Anbau der Südfrüchte – auf den Ländereien des Sonnenbühlhofs dazugekommen. „Wir haben auch drei verschiedene Sorten an Nektarinen, zehn Sorten Pfirsiche, Melonen und Indianerbananen.“ Bei Letzteren handelt es sich um Dreilappige Papau aus Nordamerika. Nicht gerade typische Obstsorten für die Region. Doch Jochen Heß zeigt sich experimentierfreudig.

Jedes Jahr probiere er neben dem Anbau von Äpfeln, Birnen und Tafeltrauben neue Sorten aus. Welche Faktoren letztendlich für einen Erfolg beim Anbau der Südfrüchte sorgen, könne nicht genau bestimmt werden. „Es kann passieren, dass eine Aprikosensorte zehn Jahre schlechten Ertrag bringt, aber ein Jahr plötzlich gut ist, während alle anderen Aprikosenbäume kaum Früchte tragen“, sagt der 39-Jährige. Sein Vater sage immer: Die einen würden ins Casino gehen, sein Sohn baue stattdessen neue Pflanzen an.

Hitze, Frost und Bewässerung: Was Sonderkulturen brauchen

Warum aber wachsen Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen im Remstal? „In Fellbach herrscht ein Weinbauklima“, sagt Jochen Heß. In den letzten Jahren habe er viele Sorten von Früchten angepflanzt. Dabei achte er darauf, die Bäume mit Hilfe einiger Tipps und Tricks aus der Landwirtschaft an die Bodenverhältnisse anzupassen. Der Zeitablauf eines Aprikosenbaum-Jahres sei in Deutschland natürlich anders als in Spanien. Hier müsse etwa früher geschnitten werden. „Das hängt vom Wetter ab“, sagt der Obstbauer. Den richtigen Zeitpunkt erwischen: Das sei das A und O bei Anbau und Pflege der Bäume. Kritisch werde es für die Bäume im Winter: „Wenn der Winter warm ist, blüht der Baum. Die frühe Blüte ist dann aber frostgefährdet.“ Zum Glück habe es kaum Frostnächte in diesem Winter gegeben. Das sah die vergangenen zwei Jahre noch anders aus: Da habe sich der Frost auf die Ernte ausgewirkt.

Warme Temperaturen seien optimal für die Bäume, so Heß. Er achte stets darauf, dass das Blatt-Frucht-Verhältnis am Baum stimme, damit die Frucht groß und schmackhaft werde. „Wir dünnen immer wieder aus“, sagt er. Damit ist gemeint, dass überschüssige Aprikosen entfernt werden. Durch das üppige Blattwerk seien die Früchte außerdem nicht sonnenbrandgefährdet. Bewässert werden die Bäume und Sträucher mittels eines Schlauchsystems, welches nur das Wurzelwerk der Pflanzen befeuchte. „Das ist ressourcenschonend“, sagt der Obstbauer. Die diesjährige Ernte sehe vielversprechend aus, so Heß.

Sonnenbühlhof verkauft Ware im eigenen Hofladen

Die Familie pflanzt nicht nur in Fellbach an, sondern hat etwa auch ein Grundstück in Rommelshausen, wo Aprikosen wachsen. „Wir haben unsere Bäume in der Region verteilt, um für den Fall geschützt zu sein, dass Unwetter oder Hagel die Ernte zerstören“, sagt der 39-Jährige. Das Obst und Gemüse, welches der Sonnenbühlhof anpflanzt, werde nicht durch Großhändler verkauft. „Wir produzieren direkt für den Endkunden“, sagt Jochen Heß.

Ihre Ware verkaufen sie immer donnerstags im eigenen Hofladen und samstags im eigenen Laden in der Wilhelmstraße in Fellbach. „Wir haben kurze Wege vom Baum bis zum Laden“, sagt Lena Heß. Gehen zum Beispiel die Himbeeren aus, könne man geschwind zu den Sträuchern laufen und nachpflücken. Mit anderen Erzeugern aus der Region tauscht der Sonnenbühlhof Lebensmittel, weshalb sie neben Obst und Gemüse auch Milchprodukte, Brot und Wein anbieten. Ihr Motto: „Saisonal, regional und unverpackt“, so die Familie Heß.

Öffnungszeiten

Der Hofladen in der Wilhelmstraße 41 hat immer samstags, von 6  bis 13 Uhr geöffnet, der Hofladen am Sonnenbühlhof in Sonnenbühl 14 donnerstags von 11 bis 19 Uhr.

Mit fachkundigem Blick läuft Jochen Heß an einer Baumreihe entlang. Zwischen grünen Blättern lugen dort rotbackige, kugelrunde Früchte hervor – „das sind unsere Aprikosen“, sagt der 39-Jährige. Die ersten Früchte seien bereits erntereif. „Oben im Baum werden die Früchte schneller reif als unten“, erklärt der Obstbaumeister. Mit einer Hebebühne werde er später hochfahren und die ersten Aprikosen des Jahres pflücken. Aber nicht alle auf einmal, denn schließlich haben die Früchte je nach Lage

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