Fellbach

Streit eskaliert: Bauarbeiter durch Flex verletzt

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Waiblingen/Fellbach. Eine harmlose Parkstreitigkeit zwischen Straßenarbeitern und einem Anwohner ist in Fellbach eskaliert. Dabei kam es zu einer gefährlichen Rangelei um einen Trennschleifer, bei dem einer der Bauarbeiter am Bein verletzt wurde. Das Waiblinger Amtsgericht verurteilte die Verursacher nun wegen Körperverletzung zu Geldstrafen.

Es hätte schlimm ausgehen können: Bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen drei Angreifern und zwei Bauarbeitern im Fellbacher Bodelschwinghweg setzte es nicht nur Schläge. Ein Trennschleifer geriet gefährlich nah an das linke Bein eines Straßenarbeiters. Es blieb bei einer zerrissenen Hose, einer oberflächlichen Wunde und schmerzenden Wangen. Nichtsdestoweniger mussten sich zwei der Angreifer nun wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten: Der 49-jährige Nikita M. (alle Namen von der Redaktion geändert) wurde zu einer Geldstrafe von 3600 Euro, zahlbar in 120 Tagessätzen à 30 Euro, verurteilt. Die Summe entspricht einer viermonatigen Haftstrafe. Der 71-jährige Milo K. wurde zu 90 Sätzen à zehn Euro verurteilt.

Nichtiger Anlass, mächtiger Ärger

„Ich sag’s Ihnen ganz klar: Der Anlass war nichtig“, konstatierte Staatsanwältin Judith Abele in der Hauptverhandlung. Zwei Bauarbeiter waren in den Bodelschwinghweg gekommen, um einen Leitungsschaden zu beheben. Weil es keine Parkplätze gab, stellten sie ihren Betriebssprinter vor der Einfahrt von Familie M. ab.

Daraufhin kam es zum Streit mit der Hausherrin, der schnell beigelegt schien: Der Sprinter wurde umgestellt und die Arbeiter begannen, die Straße am Bürgersteig mit einem Trennschleifer aufzuflexen. Doch inzwischen war Nikita M. telefonisch herbeigerufen worden – vor Gericht gab seine Ehefrau an, sie sei von den Männern massiv beleidigt geworden. Von Zeugen bestätigt wurde das nicht.

Schläge ins Gesicht

Nikita M. rückte mit zwei Mitarbeitern der Familienfirma an, dem 71-jährigen Minijobber Milo K. und dem 37-jährigen Demir L. Sie stellten ihr Auto mitten auf der Straße ab, sprangen heraus und gingen von hinten auf die Bauarbeiter los.

Dann ging alles sehr schnell – so schnell, dass es in der Verhandlung nicht vollständig rekonstruiert werden konnte. Plausibel erschien die Version: Einer der Bauarbeiter, Michael R., wurde von Milo K. gepackt, an den Zaun gedrückt und ins Gesicht geschlagen. Sein Kollege Thomas G. richtete sich mit der laufenden Flex auf, erschrak und wich vor Nikita M. und Demir L. zurück –den Trennschleifer immer vor dem Körper. Demir L. übernahm es, Michael R. passiv in Schach zu halten, während Milo K. und Nikita M. weiter auf Thomas G. zugingen. Zwei bis drei Autolängen weit sei er zurückgetrieben worden, berichtet Thomas G. Nikita M. rief ihm zu, er solle das Gerät ausschalten. Der Bauarbeiter leistete der Aufforderung nicht Folge. Da griff Nikita M. an den Maschinenhebel – möglicherweise, um die Flex auszuschalten. Das Gegenteil war der Fall: Das Blatt beschleunigte sich und wurde zum linken Bein des Straßenarbeiters hingedrückt.

Thomas G. konnte den Notknopf betätigen und den Trennschleifer abstellen. Das Blatt lief noch einige Sekunden nach, schnitt in seine Hose und verletzte ihn oberflächlich am Knie. Dann landete die Flex auf dem Boden und Milo K. schlug Thomas G. ins Gesicht. Schließlich traf die Polizei mit vier Einsatzwagen ein. Eine Nachbarin hatte die Behörden verständigt.

Die Aussagen der Geschädigten und der unabhängigen Zeugen unterschieden sich in Einzelheiten, bestätigten jedoch das aggressive Vorgehen der Gruppe um Nikita M.

Die beiden Angeklagten präsentierten sich als Unschuldslämmer: Beide ließen ihre Anwälte auf psychische Erkrankungen hinweisen. Milo K., bereits wegen Körperverletzung vorbestraft, verwies auf einen Rippenbruch sowie einen Schnitt in seiner Jacke, der von der Flex stamme.

Nikita M. beharrte mit vehementen Zwischenrufen darauf, die Flex nicht angefasst zu haben. Den Bauarbeitern warf er vor, zu lügen und seine Frau beleidigt zu haben. Staatsanwältin Abele hielt die Aussagen für wenig glaubwürdig: „Ich nehme es verwundert zur Kenntnis, dass hier fünf Zeugen was anderes gesagt haben.“

„Das Bein hätte ab sein können“

So unterschiedlich die Zeugen die Situation darstellten, so unterschiedlich bewerteten die Juristen das Geschehen. Der Verteidiger von Milo K. räumte die Körperverletzung ein. Der Verteidiger von Nikita M. wiederum forderte Freispruch: im Zweifel für den Angeklagten. Sein Mandant habe an die Flex nicht Hand angelegt.

Staatsanwältin Abele verwies darauf, was hätte passieren können: „Das ist ein objektiv gefährliches Werkzeug. Eine Millisekunde später hätte das Bein ab sein können!“ Sie plädierte für mehrmonatige Haftstrafen mit hohen Bewährungsauflagen.

Richterin Dotzauer befand die Angeklagten für schuldig. Dass es nicht zum Äußersten kam, war ausschlaggebend für ihr vergleichsweise mildes Urteil: „Es hätte viel mehr passieren können. Aber es ist zum Glück nur passiert, was passiert ist.“