Fellbach

Von Belgien über Dortmund nach Fellbach: Der "Bienen-Automat" soll das Insektensterben bremsen

Bienenautomat
Der Bienen-Automat hängt am Vereinshaus des Nabu am Schmidener Feld. Petra Hübner zeigt eine mit Blumensamen gefüllte Kapsel – die dann leer zurückgegeben werden kann. © Benjamin Büttner

„Oh, wie nett ist das denn?“, war Petra Hübners erster Gedanke, als sie eine kleine Meldung über den sogenannten Bienen-Automaten aus Dortmund in der Zeitung gelesen hat. Etwas Altes, dem neues Leben eingehaucht wird, die Idee habe sie begeistert, sagt die 56-Jährige. Petra Hübner engagiert sich seit vergangenem Jahr im Fellbacher Naturschutzbund (Nabu). Im April hat sie die Dortmunder Idee nach Fellbach geholt, nun hängt der gelbe Kasten am Nabu-Vereinshaus am Schmidener Feld. Er spuckt nicht wie früher Kaugummis aus, sondern kleine Kapseln mit einer Blühsamenmischung. Das Ziel: mehr Blumen, damit Bienen und andere Insekten mehr Nahrung finden.

Petra Hübner kümmert sich um den Automaten, kontrolliert, befüllt und wartet ihn. Dabei wollte sie in diesem Frühjahr eigentlich etwas ganz anderes machen: Die kurze Zeitungsmeldung über den Dortmunder Automaten habe sie zwar ausgeschnitten und aufbewahrt, doch zu dem Zeitpunkt habe ein anderes Vorhaben ihre volle Aufmerksamkeit beansprucht und Vorrang gehabt. Und zwar sollte ein großes Blühfest der Fellbacher Nabu-Ortsgruppe in Zusammenarbeit mit einigen Sportvereinen stattfinden. „Wir haben alles fix und fertig durchgeplant“, sagt Hübner. Allerdings machte die Corona-Pandemie ihnen einen Strich durch die Planung. Da erinnerte sie sich an die Sache mit dem Automaten. „Ich hatte das noch in der Schublade liegen“, sagt sie.

Automaten kommen aus Belgien

So schlug die 56-Jährige die Idee dem Vorstand ihrer Ortsgruppe vor. Dort sei sie auf Begeisterung gestoßen. Den Automaten bestellte sie bei Sebastian Everding, dem Erfinder des Bienen-Automaten. Der Dortmunder kooperiert mit dem Bildungsprojekt „Bienenretter“ aus Frankfurt am Main und bietet größere und kleinere Versionen der Automaten an. Die Ortsgruppe Fellbach entschied sich für Letztere, mit nur einer Öffnung. „Das sind belgische Automaten, die sind deutlich robuster“, sagt Petra Hübner. Zwar werden sie von Sebastian Everding repariert, dennoch komme es vor, dass der Münzmechanismus streike. „Bei diesen Automaten sind zigtausend Münzen drübergegangen. Die sind nicht mehr fabrikneu“, sagt sie. Doch kein Grund zur Sorge: Bei Störungen unterstütze sie ihr Mann, nach wenigen Handgriffen funktioniere wieder alles. „Jetzt, toi toi toi, läuft der Automat seit vier Wochen problemlos“, berichtet Hübner.

Kindheitserinnerungen werden wach

Seit April sind etwa 500 Kugeln à 50 Cent rausgelassen worden. „Dass uns die Leute hier die Bude einrennen und einer nach dem anderen eine Kugel rauslässt, hätte ich nicht gedacht“, sagt Petra Hübner. Über die erfolgreiche Anschaffung freue sie sich bis heute. „Ich bin baff“, sagt sie. Täglich laufe sie am Automaten vorbei und kontrolliere das Gerät. Dabei komme sie sehr häufig mit den Menschen am Automaten ins Gespräch. „Das ist ganz nett. Da erfährt man viel“, sagt sie. „Ich habe auch angeboten, dass ich ihnen die Blühmischung direkt gebe.“ Doch ohne Erfolg. Den Leuten gehe es um das Automaten-Erlebnis: eine Münze in den Schlitz stecken, drehen, die Kapsel aus der Klappe holen. Da werden bei vielen Kindheitserinnerungen wach.

Trotz des bisherigen Erfolgs gibt es schon bald die erste Änderung: Bisher kostete eine Kugel 50 Cent, künftig sind es nur noch 20 Cent. Warum der Rabatt? Die Samenmischung ändert sich: Bislang waren mehrjährige Blumensamen für Wild- und Honigbienen in den Kapseln. Nun kommt eine einjährige Samenmischung hinein. Da man in den Automaten aber weiterhin nur eine 50-Cent-Münze einwerfen kann und er kein Wechselgeld ausgibt, kann man im Vereinshäusle nach der Differenz von 30 Cent fragen. Doch die ehrenamtliche Naturschützerin geht davon aus, dass viele bereit sind, diesen Restbetrag dem Nabu zu spenden.

Erste Blumen wachsen schon

„Ich habe mittlerweile Fotos von Leuten bekommen, die ausgesät haben“, erzählt Petra Hübner. „Das ist ein tolles Ergebnis.“ Sie hat noch einen Tipp für diejenigen, die keinen Garten haben: „Man kann natürlich auch Blühkugeln basteln.“ Dazu benötige man etwas Blumenerde oder gegebenenfalls lehmige Erde und ein wenig Pflanzensamen. Das alles zu einer Kugel formen, etwas andrücken und auf eine geeignete Flächen werfen. Besonders bei Spaziergängen mit Kindern eigne sich diese Aktion, so Hübner.

Es geht darum, dass Wildbienen und Hummeln mehr Futterflächen finden, für sie eine „Schlemmerweide angerichtet“ wird, wie Hübner sagt. Ziel sei aber auch, mit dieser Aktion das Bewusstsein in der Bevölkerung zu stärken. „Manchmal brauchen die Menschen einen Impuls.“ Genau zur richtigen Zeit blühen dann die Saaten aus, die Insekten kämen gut durch den Sommer.

Ein mögliches Problem mit dem Automaten: Die Kapseln, die er ausspuckt, sind aus Plastik. Damit die Umwelt durch die leeren Kapseln nicht belastet wird, bittet Petra Hübner, diese nicht wegzuwerfen. Nach der Nutzung sollen sie in den Behälter neben dem Automaten hineingeworfen werden. Dann werden sie wieder mit Blühmischungen befüllt. Von den bisher rund 500 verkauften Kapseln seien etwa 180 zurückgekommen. „Die Rücklaufquote ist verhältnismäßig hoch“, findet Petra Hübner.

Kapseln aus Plastik

Das mit den Plastik-Kapseln stört Frieder Bayer. Ansonsten findet der Vorsitzende des BUND Waiblingen die Automaten-Idee aber gut. Nicht vergessen werden dürften neben Wildbienen und Co. auch die Schmetterlinge. „Bedroht sind auf jeden Fall die ganzen Schmetterlinge, vor allem die Edelfalter“, sagt Bayer. Wie auch Wildbienen und Hummeln brauchen sie Futterpflanzen, doch nach Ansicht vieler Experten tragen Flächenverbrauch, Klimaveränderungen, Lichtverschmutzung und Landwirtschaft dazu bei, dass es nicht genug davon gibt.

Die Idee des Bienen-Automaten begrüßt deshalb auch Ulrich Thudium, Zweiter Vorsitzender des Bezirksimkervereins. Einen Automaten könne er sich auch in Waiblingen vorstellen, beispielsweise am Alvarium, dem Bieneninformationshaus in der Talaue. „Generell finde ich es eine witzige Sache“, sagt er. Alles, was blühe, befürworte er. „Kleine Wildbienen fliegen nur 400 Meter, deshalb ist eine breite Palette an Blumen, enorm wichtig“, sagt Thudium.

„Oh, wie nett ist das denn?“, war Petra Hübners erster Gedanke, als sie eine kleine Meldung über den sogenannten Bienen-Automaten aus Dortmund in der Zeitung gelesen hat. Etwas Altes, dem neues Leben eingehaucht wird, die Idee habe sie begeistert, sagt die 56-Jährige. Petra Hübner engagiert sich seit vergangenem Jahr im Fellbacher Naturschutzbund (Nabu). Im April hat sie die Dortmunder Idee nach Fellbach geholt, nun hängt der gelbe Kasten am Nabu-Vereinshaus am Schmidener Feld. Er spuckt

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