Fellbach

Waffenhandel, Falschgeld und Drogengeschäfte in Fellbach - Angeklagter hat „keine Ahnung von der Mafia“

Landgericht
Der "Mafia"-Prozess um Waffenhandel, Falschgeld und Drogenhandel in Fellbach läuft vor dem Stuttgarter Landgericht © ALEXANDRA PALMIZI

Das „weitgehende Geständnis“, welches der wegen Kokain-, Falschgeld- und Waffengeschäften angeklagte Bietigheimer vor dem Stuttgarter Landgericht angekündigt hatte, sah am zweiten Verhandlungstag so aus: Bei den Waffengeschäften in Fellbach war er nur Vermittler und hat vergeblich auf das unbekannte Mitglied der Mafia-Organisation ‘Ndrangheta gewartet. Das in Neapel gekaufte Falschgeld will der gebürtige Neapolitaner nicht persönlich weiterverkauft haben und beim Kokain machte er beispielsweise aus sieben Gramm 0,7 Gramm.

Der Angeklagte soll dazu in Fellbach jene angeblich unbekannte „ältere Respektsperson“ kontaktiert haben, die der ‘Ndrangheta angehört. Mit einem Bekannten nach Fellbach gefahren sei er schon, sagte der Bietigheimer. In einer Seitenstraße hätten sie eine Stunde lang gewartet, aber die „Respektsperson“ sei nicht gekommen. Nicht er, sondern der Bekannte habe eine 765er geholt, allerdings ohne Patronen, weil diese dem potenziellen Käufer zu teuer gewesen seien. Laut Anklage sollten „sieben Schokoladen“ (Patronen) bei der Pistole dabei gewesen sein und weitere 100 kommen. „Nein“, sagte der Beschuldigte. „Die Waffe kam ohne Munition.“ Er sei auch bei den übrigen fünf angeklagten Pistolenkäufen nur der Vermittler gewesen.

Der vorsitzende Richter der neunten Großen Strafkammer, Rainer Gless, wollte den Namen des ‘Ndrangheta-Mitglieds wissen. „Ich kenne diese Person nicht“, beteuerte der Angeklagte. „Wie heißt der?“, stellte Richter Gless dem Bietigheimer eine Strafmilderung in Aussicht, wenn er den Namen des Fellbachers nennt. „Weiß ich nicht“, lautete die Antwort. Er habe nicht gewusst, dass sein Bekannter mit dem Fellbacher Waffen- und Drogengeschäfte macht, fuhr der Angeklagte fort. Er habe nur gewusst, „dass da was Illegales laufen soll“.

In der Wohnung einer „Respektsperson“

In Passagen aus der Telefonüberwachung hatte er hingegen geäußert, es sei eine Ehre, den Fellbacher zu kennen. Seiner Ehefrau teilte der Bietigheimer aus Fellbach am Telefon mit, er gehe jetzt in die Wohnung der Fellbacher „Respektsperson“ hinein. Vor Gericht sagte er dann, es sei nur so geplant gewesen, dass er in die Wohnung geht, um „Puma-Schuhe mit Chrom-Schnürsenkeln“ (scharfe Schusswaffen) zu kaufen. „Haben Sie die „Respektsperson“ nicht angerufen und gesagt, dass Sie noch was ganz Großes, nämlich eine Kriegswaffe, wollen?“, fragte der Richter weiter und bekam wieder ein Nein.

Falschgeld-Geschäfte würden zu Fellbach passen

Auch die Falschgeld-Geschäfte würden zu Fellbach passen, wo sich bei einem 47-Jährigen, der bereits zu acht Jahren Haft verurteilt worden ist und zur ‘Ndrangheta gehört, ein Lagerraum für gefälschte Euro-Noten befand. Zum Tatkomplex Falschgeld, welches der Bietigheimer Ende 2019 für 22 500 Euro gekauft und in Bietigheim, Stuttgart, Böblingen sowie Weissach im Tal gewinnbringend unters Volk gebracht haben soll, erklärte der Beschuldigte: „Den Verkäufer hab’ ich auf dem Großmarkt in Neapel gegenüber dem Hauptbahnhof kennengelernt. Da kriegen Sie alles, was sie wollen.“ Verkauft habe er die Blüten schon, aber von den Endabnehmern in Clubs und auf Märkten habe er keine Ahnung.

Drogengeschäfte im Raum Bietigheim, Ludwigsburg und Stuttgart

Drogengeschäfte im Raum Bietigheim, Ludwigsburg und Stuttgart gestand der Bietigheimer am weitgehendsten von allem. Allerdings unter Maßgabe, dass die angeklagten Mengen zu hoch seien.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung am 19. November hatte seine 38-jährige Frau Kokain im Gefrierfach versteckt. Sie ist wegen Beihilfe zum Drogenhandel mitangeklagt und gab vor Gericht zu, „aus Liebe und Loyalität“ zu ihrem Mann beim Portionieren und Verpacken der Ware geholfen zu haben.

Als Tatmotiv gaben die beiden anhaltende Geldnot an, nachdem der Angeklagte eine Pizzeria verkauft hatte und mit einer zweiten nicht mehr auf die Beine gekommen war.

Das „weitgehende Geständnis“, welches der wegen Kokain-, Falschgeld- und Waffengeschäften angeklagte Bietigheimer vor dem Stuttgarter Landgericht angekündigt hatte, sah am zweiten Verhandlungstag so aus: Bei den Waffengeschäften in Fellbach war er nur Vermittler und hat vergeblich auf das unbekannte Mitglied der Mafia-Organisation ‘Ndrangheta gewartet. Das in Neapel gekaufte Falschgeld will der gebürtige Neapolitaner nicht persönlich weiterverkauft haben und beim Kokain machte er

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