Fellbach

Warum die Stadt Fellbach den Schwabenlandtower nicht kaufen wird

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Außen herrscht Stillstand, doch zumindest im Innern des Schwabenlandtowers in Fellbach wird gearbeitet. © Büttner

Gerade zehn Tage war die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull im Amt, als die Bauherren Insolvenz anmeldeten und das Hochhaus-Projekt zum Stillstand kam. Das ist fünfeinhalb Jahre her – und noch immer befindet sich der Turm mehr oder weniger im Rohbau. Der Absturz der Adler Group und ständig neue Negativ-Schlagzeilen über den verschuldeten Immobilienkonzern nähren die Sorge, dass es noch lange beim Status der Bauruine bleibt.

Warum unternimmt die Stadt nichts? Warum kauft sie nicht den Tower auf und baut ihn selber fertig? Fragen wie diese hören OB Zull und Baubürgermeisterin Beatrice Soltys des Öfteren. Dennoch halten sie an ihrer Strategie fest und setzen darauf, dass die Adler Group weiterbaut. „Bis heute besteht immer noch die Zusage, dass der Tower zu den Objekten gehört, die fertiggestellt werden sollen“, sagt Gabriele Zull mit Bezug auf die Eigentümer, die jüngst in Berlin wieder ein Paket von mehr als 1200 Wohn- und Gewerbeeinheiten veräußerten, um ihre Liquidität zu verbessern.

Das Luxus-Konzept der Warbanoffs erwies sich als Luftschloss

Die Verantwortlichen der Stadt Fellbach stehen in regelmäßigem Austausch mit den Geschäftsführern der Adler Group, wobei erst kürzlich wieder ein neuer Ansprechpartner präsentiert wurde. Alle 14 Tage sind die Baukontrolleure zum Jour fixe vor Ort auf der Baustelle. Demnach wird im Innern des Turms tatsächlich gearbeitet. Theoretisch könnten die Bauarbeiten schneller fortschreiten. Das hänge davon ab, wie viele Bautrupps eingesetzt würden – nicht zuletzt also eine Frage der Kapazitäten.

Stockwerk für Stockwerk ist eine Statikprüfung nötig

Der Umbau vom Konzept der Familie Warbanoff, das sich mit seinen Luxus-Wohnungen als Luftschloss erwies, auf den schon weit eher marktgerechten Ansatz mit 194 kleinen und mittleren Appartements ist aufwendig, wie die Baubürgermeisterin bestätigt. „Jede Türöffnung muss neu berechnet werden.“ Dazu müssen die Leitungen neu verlegt und die Anforderungen des Brandschutzes erfüllt werden. Stockwerk für Stockwerk muss der öffentliche Prüfstatiker nachrechnen und freigeben.

Baukran im August

Für August wird endlich der Baukran erwartet. Die nötigen Verankerungen seien vorhanden, in der Tiefgarage seien aber noch vorbereitende Maßnahmen zu treffen. Unlängst berichteten Vertreter auf Bitten der Stadt auch im Gemeinderat über den Stand der Dinge. Im Gespräch bleiben, am besten von Angesicht zu Angesicht, und auf die Fertigstellung zu drängen – mehr könne die Stadt sinnvollerweise nicht tun, meint die Oberbürgermeisterin. „Ich sehe zu diesem Weg keine Alternative.“

Ein anderer Käufer wäre wohl kaum zu finden

Denn: Zum einen befindet sich der Tower in Privatbesitz und steht nicht zum Verkauf. Zum anderen müsste die Stadt, um den Turm zu erwerben, Pflichtaufgaben wie Kitas, Schulen und sozialen Wohnungsbau verschieben. Handlungsfelder, die sich zu beackern lohnen und die nach Investitionen verlangen, hat die Kommunalpolitik auch ohne den Schwabenlandtower genug – das zeigte auch kürzlich eine Klausurtagung des Gemeinderats.

Als Christoph Gröners CG-Gruppe den damaligen Gewa-Tower mit einem realistischen Ansatz aus der Insolvenz rettete, wäre wenige Tage später die Baugenehmigung abgelaufen. Diese kann in der jetzigen Situation kein Hebel für die Stadt sein, um auf das Projekt einzuwirken. Denn dafür müssten die Bauarbeiten ein Jahr ruhen. Das trifft nicht zu – und das wäre auch nicht im öffentlichen Interesse.

Eine weitere Frage schließt sich an – und erklärt, inwiefern es zur Adler Group als Partner keine Alternative zu geben scheint. Wer sollte den Schwabenlandtower in der gegenwärtigen Situation mit gestörten Lieferketten, Fachkräftemangel sowie steigenden Preisen für Baumaterial und Energie denn kaufen? Schon der Insolvenzverwalter hatte seinerzeit seine liebe Mühe, finanzkräftige Investoren zu finden. Dass Christoph Gröner mit seiner Umbau-Idee kam, war ein Glücksfall. „Und heute leben wir in einer ganz anderen Welt“, verweist Gabriele Zull auf die ungleich schwereren Rahmenbedingungen im Vergleich zu 2018. Folglich ergibt es aus ihrer Sicht wenig Sinn, die Adler Group infrage zu stellen. Das öffentliche Interesse ist, dass der begonnene Tower fertiggestellt wird – durch Adler.

Mit dem ungeliebten Erbe ihres Vorgängers Christoph Palm offen zu hadern, verkneift sich die OB. Doch so viel lässt sie durchblicken: „Ich hätte auch ohne den Turm leben können.“ Der Bedarf für die Wohnungen sei aber zweifellos gegeben.

Gerade zehn Tage war die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull im Amt, als die Bauherren Insolvenz anmeldeten und das Hochhaus-Projekt zum Stillstand kam. Das ist fünfeinhalb Jahre her – und noch immer befindet sich der Turm mehr oder weniger im Rohbau. Der Absturz der Adler Group und ständig neue Negativ-Schlagzeilen über den verschuldeten Immobilienkonzern nähren die Sorge, dass es noch lange beim Status der Bauruine bleibt.

Warum unternimmt die Stadt nichts? Warum kauft sie

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