Fellbach

Weine, die international mithalten

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55 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich beim 21. Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach. © Sarah Utz
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Kommentierte Weinprobe mit (von links) Natalie Lumpp, Weinkönigin Andrea Ritz und Stefan Altenberger, Vorsitzender der Remstalroute. © Habermann / ZVW
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55 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich beim 21. Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach. © Sarah Utz
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55 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich beim 21. Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach. © Sarah Utz
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55 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich beim 21. Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach. © Sarah Utz
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55 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich beim 21. Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach. © Sarah Utz
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55 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich beim 21. Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach. © Sarah Utz
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55 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich beim 21. Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach. © Sarah Utz
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55 Weingüter und Genossenschaften präsentierten sich beim 21. Weintreff in der Alten Kelter in Fellbach. © Sarah Utz

Fellbach. Schlendern, probieren, schwätzen. Der Weintreff der Remstal-Route in der Alten Kelter in Fellbach war wiederum gut gesucht. 55 Weingüter und Genossenschaften aus dem Rems- und Neckartal präsentierten ihre Besten.

An den meisten Ständen der Weingüter fällt die Wahl schon schwer. In Anbetracht des auf 25 Euro erhöhten Eintritts ist die Versuchung für einen Schwaben groß, nur von den teuersten Weinen zu kosten und sich so für den Eintritt schadlos zu halten. Und es gibt wirklich Schlimmeres, als sich den Nachmittag mit fantastischen Proben der Edelweine und Großen Gewächse für 20 Euro und mehr die Flasche zu vergnügen.

Vor 20 Jahren galt auch im Remstal der Spruch: Der Prophet im eigenen Land ist nichts wert. Dem wirkte die Remstalroute entgegen. Der Weintreff der Remstal-Route war für die Erzeuger ein Schaufenster, indem sie ihre unterschätzten Weine dem heimischen Publikum schmackhaft machen konnten und beweisen, dass Remstal mehr als Trollinger ist.

Inzwischen haben die Wengerter ihr Publikum überzeugt – und wollen nicht nur ihre Besten ausschenken, sondern lieber mehr davon verkaufen. Der Weintreff wird zur Messe. Wer bei der 21. Auflage des Weintreffs nicht nur probierte, sondern auch Weine kaufte, konnte bei den Ausstellern erstmals einen Fünf-Euro-Gutschein einlösen. Gemecker? Gar Proteste wegen des erhöhten Eintritts? Remstalrouten-Geschäftsführer Falkenberger verneint. Nur vereinzelt habe es Bemerkungen gegeben – aber die gut ge-, jedoch keineswegs überfüllte Alte Kelter zeige, dass sich das Publikum den höheren Eintritt leisten könne und wolle und offenbar nicht abgeschreckt worden sei. Falkenberger rechnete wiederum mit rund 2000 Besuchern an beiden Tagen.

„Pink Emily“, „Philosophie“ und "Hennßllin VII“

Das „Sträußle“ fiel zunächst nur wegen des netten Namens ins Auge, den das Weinstädter Weingut Strauß für ihre Weißwein-Cuvée gewählt hat. Weine werden im Remstal heute gerne „Pink Emily“, „Philosophie“, "Hennßllin VII“ oder „Oaklover’s Dark Velvet“ genannt. Doch das bieder daherkommende Sträußle überraschte nicht nur vom Preis – 4,10 Euro –, sondern auch im Geschmack. Wobei, zugegeben, im Laufe eines Nachmittags in der Alten Kelter die Geschmacksknospen abzustumpfen drohen. In diesem Fall kommen die kommentierten Weinproben gerade recht. Erstens wird dem weniger geübten Weinkenner gesagt, was er gerade zu schmecken hat; zweitens kann er sich bei seinen meist gesprächigen Nachbarn an den Stehtischen versichern, dass dieser Spätburgunder nun wirklich deutlich gegenüber dem vorigen abfällt oder umgekehrt durchaus den happigen Preis wert ist. Und drittens hatte die Remstal-Route mit Natalie Lumpp heuer eine Weinexpertin auf dem kleinen Podium, die gleichermaßen unterhaltsam wie kenntnisreich ist. Sie verzichtet zudem auf Weinchinesisch, wenn sie die Weine und vor allem deren Macher vorstellt. Auffällig war auch in diesem Jahr. Beim Wein sind Frauen auf dem Vormarsch, und nicht nur beim „Oaklover’s Dark Velvet“ von Silvia Häffner aus Remshalden durchaus zum Vorteil.

Lob dem Remstal - Natalie Lumpp im Interview

Frau Lumpp, wann hatten Sie zum ersten Mal Kontakt mit Remstäler Weinen. War das noch zu Zeiten, als denen der Ruf des „Semsakräbslers“ anhaftete?

Das ist schon lange her, 20 Jahre. Es gab damals schon bekannte Top-Winzer, wie Aldinger oder Haidle. Aber insgesamt hat die Branche gedacht: Hoffentlich verlieren die den Anschluss nicht mit ihren Trollinger. Witzigerweise, ich wohnte damals in Baiersbronn, sagte einmal meine Wohnungsvermieterin: „Ach Nadja, dieses Jahr schmeckt der Wein mal wieder gut“. Sie hat immer Trollinger getrunken. Das war für mich ein prägendes Erlebnis. Ich wusste gar nicht, dass es diese Treue gibt. Dass die Frau ihren Trollinger trank, ob er nun gut war oder nicht gut. Der jüngere Kunde, der hat nicht mehr diese Treue. Der trinkt auch mal einen aus der Toskana oder einen Südafrikaner. Ich muss sagen. Wenn einer die Hausaufgaben gemacht hat, dann das Remstal. Die haben das richtig zu nehmen gewusst. Und haben eine Qualitätsoffensive gestartet. Weg von der Quantität, hin zur Qualität. Und das Einzige, was ich vermisse, ist, dass man dies außerhalb der Grenzen noch nicht so zu würdigen weiß. Weil halt immer viel vor Ort getrunken wird.

Wo hört es auf, dass die Leute nicht mehr wissen, dass im Remstal gute Weine gemacht werden und auch den Preis wert sind? Wenn ich auf die Preisschilder sehe, 18 Euro, 25, 27. . . dann denke ich manchmal „Hoppla“!

Aber sie sind es wert! Das Wichtige ist aber: Man kriegt im Remstal Wein für jeden Tag, aber auch sehr hochwertige Weine. Für mich ist das Remstal eine der wichtigsten Weinregionen in Deutschland für Rotweine. Damit können wir international zeigen, dass wir gleichziehen können. Früher hat man bei Rotwein gesagt, da trinke ich doch lieber einen Spanier, einen Italiener oder Franzosen. Das ist heute nicht mehr reell. Das können wir genauso gut. In Hamburg oder Berlin werden die Remstäler noch stark unterschätzt, da sind die Pfälzer attraktiver oder Weine von der Ahr, die sich einen guten Namen bei den Rotweinen gemacht haben, und die Badener kennt man auch eher. Die Remstäler haben noch den Charakter eines Geheimtipps. Hier wäre marketingtechnisch etwas zu machen. Wir können uns rühmen mit den sensationellen Lembergern!

Das Weingut Karl Haidle in Stetten hat eine Diskussion um den Lemberger angestoßen. Moritz Haidle nennt sie jetzt zum Teil Blaufränkisch, wie die Rebsorte in Österreich heißt. Was halten Sie davon?

Ich finde es unglücklich. Aber ich verstehe es. Denn der Begriff Lemberger ist ein bisschen verbrannt. Selbst in Württemberg! Wenn ich vorschwärme: Lemberger, das ist die Rebe der Zukunft, das sind Weine zum Niederknien. Dann gucken mich die Leute selbst in Württemberg so kritisch an. Dann sage ich: Sie denken jetzt an TL, an Trollinger-Lemberger. Von daher verstehe ich es. In Österreich verlangen sie für den Blaufränkisch locker 35 bis 60 Euro. Das ist kein Thema. Keiner, der da ein bisschen zuckt. Ich finde aber, wir sollten Selbstbewusstsein zeigen und sagen: Lemberger.

Die Unterländer sind ja mittlerweile ein bisschen beleidigt und schauen neidisch aufs Remstal. Früher blickte man aus dem Remstal mit Hochachtung über den Neckar auf Weingüter wie Drautz und andere. Holt das Unterland wieder auf?

Ich glaube noch nicht. Das ist ja der große Vorteil im Remstal, diese Konkurrenz. Das hat mir der Gert Aldinger vor vielen Jahren erzählt. Hier herrscht einfach eine Dynamik, Konkurrenz: Jetzt müssen wir etwas tun! Wir können nicht schlafen! In anderen Regionen ist man noch etwas verwöhnt. Es gibt Einzelkämpfer, aber nicht diese ganze Dynamik wie im Remstal.

Zur Person

Natalie Lumpp, 45, ist Sommeliere, Weinberaterin und Weinautorin. 1997 wurde sie zum „Besten Sommelier Deutschlands“ gewählt. Heute ist Natalie Lumpp als freiberufliche Weinberaterin tätig.

Sie schreibt regelmäßig Kolumnen und war beispielsweise Jury-Mitglied bei „Grill den Henssler“ auf VOX und einer von drei Experten bei „Die Quiz-Helden – Wer kennt den Südwesten?“ auf SWR.