Kaisersbach

60 Jahre Wirt im Mönchhof: Was Kurt Hofmann vom Gasthaus Löwen erlebt hat

HofmannMoenchhof
So viele Gäste haben sie im Laufe der Jahre bewirtet: Gisela und Kurt Hofmann im Gasthaus Löwen. Auf unserem Foto liegt unter anderem das Buch „...oifach schwäbisch“ von 1993 vor ihnen, das heimelige Wirtschaften zwischen Rems und Murr vorstellte. © Gaby Schneider

Dass es solche Lokale noch gibt: eine heimelige Gaststube, dunkle Wandvertäfelung, Teppich auf dem Parkett, Stofftischdecken und passende Gardinen, ein Klavier und das Württemberger Wappen über dem Kachelofen. Mit einer Sitzbank vor diesem, die überaus beliebt ist: „Um den Platz streiten sie sich“, schmunzelt Kurt Hofmann, der Wirt. Gemessen schaut sein Urahn auf einem alten Schwarz-Weiß-Foto von der Wand gegenüber: Jakob Hofmann, der Ururgroßvater von Kurt Hofmann, kam 1828 zur Welt und war der erste Wirt des Gasthauses Löwen „von dem wir wissen“, sagt Kurt Hofmann. „Seitdem gibt es die Wirtschaft.“

Leise tickt eine Uhr an der Wand. Doch ein wenig scheint die Zeit hier stehengeblieben zu sein, scheint das Gasthaus unverändert durch die Generationen geblieben, fest verbunden mit Ort und Familie, würdig und gemütlich.

Über die Zeiten kann Kurt Hofmann einiges erzählen. Seit 60 Jahren schafft er nun schon im Gasthaus, mitgeholfen hat er freilich früher schon. Vor 78 Jahren kam er im Mönchhof zur Welt. „Da hat sich eigentlich ned viel verändert.“ Es wurde hergeheiratet, um- und neu gebaut, das schon. Und damals gab es natürlich nicht so viele Autos.

Die Mutter von Kurt Hofmann hatte das Gasthaus. Als Hauptgericht gab es Gemischten Braten mit Spätzle und Salat. „Das ist ein Hauptgericht für die Schwaben“, weiß der Hausherr. „Mit viel Soße. Seitdem machen wir das so.“ Es werden auch Kartoffelsalat und eine Tagessuppe serviert. Für die Soße werden schon am Tag vorher Knochen mit Gemüse angebraten. Und Wein kommt an die Soße. Württemberger. Natürlich. „Nix anderes.“ Die Leute, erzählt der 78-Jährige vergnügt, „essen die Soße mit dem Löffel“.

„Was sind da früher Leute vorbeigelaufen und haben Wanderungen gemacht“

Der Bruder des Wirts saß früher ebenfalls gern am Kachelofen. Er ging aufs Gymnasium und machte hier seine Hausaufgaben. Wenn Gäste kamen, hat er ihnen ein Vesper gebracht. „Was sind da früher Leute vorbeigelaufen und haben Wanderungen gemacht.“ Kaisersbacher Familien spazierten auch sonntagnachmittags zum Gasthaus und kehrten zum Kaffee ein.

Busse brachten Urlauber aus Berlin und nahmen sie auch wieder mit

Einst kamen sogar Busse von Berlin gefahren, brachten Urlauber und nahmen jene wieder mit, die schon eine Woche Ferien genossen hatten. „In Kaisersbach gab es in vielen Häusern Fremdenverkehr in den 60er und 70er Jahren. Wir waren ja früher hier schon arme Leute. Jeder hat gucken müssen, wo er Geld herkriegt.“

In der Hauptsaison wurden die Kurgäste in die Wirtschaften eingeladen. Es gab Tanzabende, einheimische Musiker haben aufgespielt. Auch zum Gästenachmittag wurden die Urlauber eingeladen, erinnert sich Kurt Hofmann, der von der Gründung an beim Gastgeberverein aktiv war, auch als Stellvertretender Vorsitzender. Er hält dem Verein immer noch die Treue.

„Als Burschen haben wir den Wanderführer gemacht“

Was haben sie damals so gemacht, die Urlauber? Sie sind spazierengelaufen, haben im Ebnisee gebadet, die Hägelesklinge besucht, zählt Hofmann auf. „Als Burschen haben wir den Wanderführer gemacht.“

Auch im Gasthaus Löwen gab es oben Zimmer für die Urlauber. Sie bekamen Frühstück, Mittag- und Abendessen im Haus. Es kamen freilich nicht nur Berliner, sondern auch Feriengäste aus der näheren Region. Sie sprachen viel mit den Wirtsleuten. Gern unterhielten sie sich auch mit anderen Urlaubern. Einen Fernseher hatte man nicht.

„Reinhold Maier saß hier“

Wer alles im Laufe der Jahre im Gasthaus Löwen eingekehrt ist, ist ebenso bemerkenswert. Kurt Hofmann weist auf einen Platz in der Gaststube. „Reinhold Maier saß hier.“ Der erste Ministerpräsident von Baden-Württemberg sei allein im Wald gewandert. „Er hat sich mit unserem Bürgermeister sehr gut verstanden.“ Reinhold Maier sei normal, bescheiden aufgetreten. Und kam damals noch ohne Personenschutz.

Auch Lothar Späth ist im Gasthaus eingekehrt

Ein weiterer Ministerpräsident ist im Gasthaus Löwen eingekehrt: Lothar Späth. Er hatte einen guten Freund oder Bekannten in der Gegend, und so kamen sie gemeinsam. Vier, fünf Polizisten begleiteten den Politiker.

Seit rund 20 Jahren öffnet das Gasthaus Löwen nur noch sonntags. „Wir haben hauptsächlich Stammgäste.“ Sie kommen nicht nur wegen des Essens: „Sie wartet scho’, bis der Wirt fünf Minuten Zeit hat zum Schwätzle“, sagt Hofmann. Er weiß, worüber sich der jeweilige Gast gern unterhält. Klar ist auch: „Da brauch’ i’ gar ned frage’, was der trinkt. Des weiß i’.“

Seinen Beruf hat Kurt Hofmann bei der Mutter gelernt. Er verfügt aber auch über eine landwirtschaftliche Ausbildung. Denn zum Gasthaus und zur Familie gehört viel Landwirtschaft: ein Milchviehbetrieb, Wald, Felder, eine Schnapsbrennerei, Hühner. Früher gab es auch noch Gänse, die für Weihnachten geschlachtet wurden. Eigene Eier und Kartoffeln etwa gehören immer noch dazu. „Früher hatten wir auch noch eigenes Mehl. Aber unser Müller hat aufgehört“, erzählt Gisela Hofmann, die Frau des Hauses. Auch sie kann die Arbeit im Gasthaus und in der Landwirtschaft tun, kann Schlepper fahren, Stroh heimführen, Mist führen.

„Da legen die Leute schon Wert darauf, dass es bei uns Rehbraten gibt“

Seit 60 Jahren geht Kurt Hofmann außerdem auf die Jagd. Ebenso lange ist er bei den Jagdhornbläsern dabei und fährt jedes Mal eigens nach Waiblingen. Vor dem Pressebesuch hatte er ein Reh geschossen. Das gibt einen Rehbraten. „Da legen die Leute schon Wert darauf, dass es bei uns Rehbraten gibt.“

So sind die Jahre vergangen. Viel Arbeit ist es geblieben. Wie mag es weitergehen? Mit 78 Jahren dürfte man ja durchaus an die Rente denken. „Jetzt machen wir halt noch. Und wenn es nicht mehr geht, hören wir auf“, sagt Kurt Hofmann schmunzelnd.

Dass es solche Lokale noch gibt: eine heimelige Gaststube, dunkle Wandvertäfelung, Teppich auf dem Parkett, Stofftischdecken und passende Gardinen, ein Klavier und das Württemberger Wappen über dem Kachelofen. Mit einer Sitzbank vor diesem, die überaus beliebt ist: „Um den Platz streiten sie sich“, schmunzelt Kurt Hofmann, der Wirt. Gemessen schaut sein Urahn auf einem alten Schwarz-Weiß-Foto von der Wand gegenüber: Jakob Hofmann, der Ururgroßvater von Kurt Hofmann, kam 1828 zur Welt und war

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