Kaisersbach

Brief verunsichert Eltern: Polizei gibt Entwarnung

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Symbolfoto. © Gabriel Habermann

Kaisersbach/Kirchenkirnberg. Wieder kursierte eine Warnung, wonach ein Fremder sich gegenüber einem Kind höchst auffällig verhalten habe. Solche Meldungen schüren Ängste, und sie verbreiten sich rasend schnell über Facebook und andere Kanäle. Nun steht fest: Es war nichts.

Es geht um einen Vorfall vergangene Woche in Kirchenkirnberg. Die Grundschule Kaisersbach nimmt in einem Elternbrief Bezug darauf und hat den Brief mit dem Titel „Gefahrenhinweis“ versehen. Grundschulrektor Michael Hieber schreibt, ein Autofahrer habe sich „höchst auffällig“ verhalten: „Er folgte einer Mädchengruppe in Kirchenkirnberg, passte ab, bis sich die Gruppe trennte, verließ dann sein Fahrzeug und folgte einem der Mädchen, das sich glücklicherweise in Sicherheit bringen konnte“.

Alles andere als Panikmache hatte die Grundschule Kaisersbach mit ihrem Schreiben im Sinn. Es ging der Schule darum, für das Thema zu sensibilisieren – und das sei gelungen, sagt Katja Müller, Bürgermeisterin der Gemeinde Kaisersbach, die Schulträgerin ist. Aus Müllers Sicht „gehen die Eltern sehr besonnen damit um.“

Das ist gut, denn nun liegt das Ergebnis der Polizei-Ermittlungen vor: Einem 13-jährigen Mädchen sei abends eine grau/silberne Limousine begegnet. Der Fahrer hielt in der Nähe des Mädchens an und stieg aus. „Das Mädchen bekam es mit der Angst zu tun und rannte vorsichtshalber weg“, beschreibt die Polizei das Geschehen. Es handelte sich laut Polizei offensichtlich um eine rein zufällig Begegnung, und es bestand keinerlei Gefahr für das Mädchen. Der Autofahrer hatte keine Anstalten gemacht, Kontakt mit dem Mädchen aufzunehmen.

Ruhe bewahren

Am Dienstagmorgen, als das Ermittlungsergebnis noch nicht feststand, hatte die Polizei bereits mittels Pressemitteilung an die Eltern appelliert, „Ruhe zu bewahren“. Das Kind sei nicht angesprochen und „zu nichts animiert“ worden.

Die Polizei hat ihre Gründe, weshalb sie bei solchen Meldungen zu Besonnenheit rät. Allzu oft verselbstständigt sich eine Nachricht wie jene aus Kirchenkirnberg, und Hinweise auf noch einen Vorfall und noch einen folgen auf den Fuß. „Es zieht so richtige Wellen“, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Aalen. „Sehr sehr oft“ stelle sich heraus, eine solche Geschichte habe ausschließlich in der Phantasie eines Kindes existiert. Im Ostalbkreis hat kürzlich ein Junge seinen Eltern eine solche Story erzählt, weil er erreichen wollte, dass ihm die Eltern ein Pfefferspray kaufen.

Der richtige Ansprechpartner ist schwer zu finden

Die Polizei versucht in solchen Fällen zunächst, dasjenige Kind ausfindig zu machen, das tatsächlich Kontakt hatte mit zum Beispiel einem Autofahrer, der sich nahe einer Schule angeblich auffällig verhielt. Den richtigen Ansprechpartner zu finden, sei oft schon schwer, sagt der Polizeisprecher. Kinder sagen oftmals aus, „weiß nicht genau, ich hab das auch bloß gehört.“

Doch soll das Thema nicht verharmlost werden. Mag sein, es ist zig Mal an einer Sache nichts dran. In einem Fall liegt vielleicht doch eine akute Gefährdung vor – und dann? Am Dienstag traf beides aufeinander: Die Warnung vor unnötiger Panikmache – und der Bericht über einen konkreten schrecklichen Fall. Ein 28-Jähriger aus dem Rems-Murr-Kreis ist wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung von Kindern angeklagt. Er hat gestanden (siehe Bericht „Nachbarsbuben missbraucht“ auf Seite C1).

Teilen auf Facebook laut Polizei nicht sachdienlich

Kinder stets vor einem ominösen bösen Mann zu warnen, bewirkt trotz alledem wohl eher, dass das Kind fortan in jedem zweiten Fremden den Bösen zu erkennen glaubt. Auch das ist eine Erklärung dafür, weshalb nach einer Meldung wie jener aus Kirchenkirnberg oder aus dem Ostalbkreis sofort jede Menge weitere folgen. Veröffentlicht jemand dann die Meldung noch auf Facebook oder anderen Kanälen, entsteht eine Dynamik, die der Sache nicht dienlich ist.

Deshalb noch ein Appell der Polizei: „Verdächtige Begegnungen sollten umgehend der Polizei gemeldet und nicht im Internet verbreitet werden.“