Kaisersbach

Ebniseeverein zeigt, wie Inklusion gelingen kann

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Ebnisee
An der Klangschale. © Palmizi / ZVW
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Strahlendes Gesicht in der Baumschaukel.
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Ebnisee
Bunte Farben für bunte Bilder. © ALEXANDRA PALMIZI

Kaisersbach-Ebni. „Inklusion“ ist ein Schlagwort unserer Zeit. Es bedeutet, dass Menschen mit Handicaps sich bei Menschen ohne Einschränkungen wohlfühlen und integriert sind. Im Alltag lässt sich dieses jedoch nicht immer wirklich umsetzen. Ein gutes Beispiel ist bei diesem Thema die Aktion „Ebnisee für alle“.

Viele Hürden gilt es zu nehmen. Das beginnt bereits bei einer behindertengerechten Toilette bei Veranstaltungen. Dass vieles dennoch geht, wenn sich viele dafür einsetzen, beweist der Ebniseeverein zusammen mit dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald alljährlich bei seiner Veranstaltung „Ebnisee für alle“. Und da beginnt die Chance auf Inklusion bereits bei der Wahl des Datums für den Erlebnistag. Denn dieser findet nicht am Wochenende, sondern unter der Woche, an einem Werktag, statt.

Termin bewusst in die Sommerferien gelegt

Bewusst in die Sommerferien gelegt, können Schülerinnen und Schüler daran teilnehmen. Und bewusst an einem Tag unter der Woche platziert, können so auch Organisationen der Behindertenbetreuung mit ihrem Fachpersonal und den Menschen mit Einschränkungen an dem kostenfreien Angebot teilnehmen. Was auch sehr gern getan wird. Bereits am Vormittag, als die über 30 Stationen aufgebaut wurden, waren die Gruppen mit behinderten Menschen mit von der Partie. Dabei gab es bereits Begegnungen, die schöner nicht hätten sein können. So berichtet etwa Hanne Modes von der Ebniseeverein-Geschäftsstelle über ein Erlebnis. „Beim Aufstellen des Pavillons gab es immer wieder kleine Windböen. Eine Besuchergruppe kam gerade vorbei und half spontan beim Aufbau. Einer hielt sich rechts, einer links an einer Stange fest. Und im Nu stand der Pavillon“, schildert sie begeistert. Ohne Zweifel, das war eine Inklusion-Situation vom Feinsten. Denn die Menschen mit Einschränkungen merkten sogleich, dass sie gebraucht werden - und halfen.

30 Mitmachstationen waren aufgebaut worden

Hanne Modes betreute eine der über 30 Mitmachtstationen, die bereits von weitem gut zu sehen waren. Weiße Pavillons, rote Werbefahnen mit der Aufschrift „Ebnisee für alle“ und stets eine Besucherschar davor oder auch darin waren sicheres Indiz dafür, dass es da was zum Erleben gab. Oder auch zum Staunen, Mitmachen, Zuhören oder Miterleben. An den Stationen wurden alle Sinne angesprochen. Etwa bei Michaela Köhler. Die Naturparkführerin und Limes-Cicerona empfing ihre Besucher in einer weißen Toga. „So roch Kaiser Nero“, versicherte sie und sprühte eine Flüssigkeit an eine Stelle des Pavillons. „Er liebte Orangenblüten“, erklärte sie. Hingegen die einfachen Leute hätten ihr Parfüm aus Pflanzen gemacht, die sie eben vor der Haustür hatten. Dabei strich Michaela Köhler eine durchsichtige Salbe auf den Unterarm einer Besucherin. Diese roch nach Rosmarin. „Regt an“, bemerkte die Limes-Cicerona. Und erzählte Wissenswertes aus der Welt der Römer. Nur kurz unterbrach sie ihre Erzählungen. Wollte sie doch dem Vorsitzenden des Ebniseevereins, Konrad Jelden, kurz Hallo sagen. Dieser war mit einer Besuchergruppe unterwegs und erzählte Anekdoten über den See. „Das macht viel Spaß und ist sehr unterhaltsam“, berichtete eine Teilnehmerin und hielt dabei den Daumen hoch. „Ich bin sehr begeistert. So viel los“, strahlte Jelden aus allen Knopflöchern seines Hemdes. Keine Frage, die Organisation des „Ebnisee für alle“-Tages war ein Kraftakt. Doch der wurde mit einer großen Gästeresonanz belohnt.

Seele Baumeln lassen in der Seil-Schaukel

Nicht nur die Beine, sondern auch die Seele baumeln lassen konnten die Besucher bei Martin Kreh. Er hatte am Wegesrand die Bäume als Halterung für seine Baum-Seil-Schaukel genutzt. Gern nahmen die Besucher allen Alters, und egal, ob mit oder ohne Einschränkung, in der bequemen Schaukel Platz. „Das ist auch geeignet für Rollstuhlfahrer“, erklärte Martin Kreh. Wandte sich dann gleich wieder an die Frau mit Kind auf dem Schoß in der Schaukel und erkundigte sich, ob er „noch mal anschucken“ sollte? Ein bekräftigendes Kopfnicken war die Antwort.

Für viele ein ganz toller Tag

Ganz in Gedanken versunken fand man die fünfjährige Feli aus Althütte am Stand von Andreas Deutschle. Er sorgte mit unterschiedlichsten Instrumenten für ganz besondere Klangerlebnisse. „Für uns ist das einfach ein toller Tag“, strahlte Ilse Weidler. Sie war mit ihren Enkeln Mia (7), Hannes (9) und eben der gerade durch ein Naturtoninstrument der Welt entrückten Feli zum Ebnisee gekommen und beschrieb sich als „Wiederholungstäterin. „Hier gibt es für jeden etwas“, befand sie. Und blickte zu Andreas Deutschle, der spontan mit einem Didgeridoo die Klänge einer indischen Shruti-Box begleitete, die von einem Jungen betätigt wurde. Diese Töne lockten andere Besucher an den Stand. Gern wurden die ausgestellten Instrumente ausprobiert. Hemmschwelle gab es keine.

Basteleien mit Mustern aus der Natur

Andere betätigten sich gern als Künstler. Bei Hanne Moder ging niemand mit leeren Händen vom Stand weg. Von ihr gesammelte Blätter, mal Efeu, mal Eiche oder auch Weinlaub, wurden emsig mit Wasserfarben bemalt und auf Papier gedruckt. So entstanden hübsche Geschenktüten und Co. Mit floralem Muster. Dort fand man auch Tanja Kammerer aus Lehrensteinsfeld bei Weinsberg. Sie war eigens für diesen Tag mit Sohn Felix an den Ebnisee gekommen. „Es ist hier die Kombination, die die Veranstaltung so klasse macht“, beschrieb sie den Badespaß und die Mitmachaktionen. „Da lohnt sich auch eine weitere Anfahrt“, versicherte sie. „Und die Liebe zur Natur hat uns hergeführt“, schiebt sie nach. Und schaut auf ihren Sohnemann, der gerade ein blau bemaltes Eichenblatt aufs Papier gedruckt hat und sich ganz begeistert das Ergebnis ansieht. Viele schöne Szenen wie diese spielten sich beim „Ebnisee für alle“- Tag ab. Egal, ob nun bei Petra Klinger, die zum Bau eines Amphibien- und Reptilienbiotops aufforderte. Bei Edith Noak, die die Gäste zum Gestalten mit Tonerde animierte, oder beispielsweise bei Gerda Drexler-Stich, die die Besucher selbst die Butter fürs Brot herstellen ließ.

Weit über 30 Aktionen sorgten mit den engagierten Standbetreibern dafür, dass der Tag am Ebnisee für alle unvergesslich wurde. Und einfach nur ganz viel Spaß machte. „Gerne nächstes Jahr wieder“, versicherte so etwa Tanja Kammerer. Und war mit dieser Meinung gewiss nicht allein.


Zum Mitmachen

Bereits traditionell ist der Aktionstag „Ebnisee für alle“. In diesem Jahr luden weit über 30 Stationen zum Mitmachen ein. Diese Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Naturpark und dem Ebniseeverein zu verdanken und spricht Menschen mit und ohne Einschränkungen an.