Kaisersbach

Faszination Sommerrodelbahn

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Abwärts geht’s mit ganz schön Tempo auf der Sommerrodelbahn in Kaisersbach © Habermann / ZVW
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Wenn das Wetter mitmacht, klingelt in Kaisersbach auch die Kasse © Habermann / ZVW
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Stefan und Michaela Schildknecht samt Tochter Charlotte gefällt’s auf der Sommerrodelbahn © Habermann / ZVW
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Werbung muss sein © Habermann / ZVW

Kaisersbach. Auf flotten Rädern mit der Fliehkraft durch den Sommerwind: So fühlt sich eine Fahrt mit der Sommerrodelbahn an, die nach 38 Jahren noch nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Video: Eine Fahrt auf der Sommerrodelbahn in Kaisersbach

„Papa! Noch mal fahren!“ Die Ansage der sechsjährigen Charlotte ist eindeutig. Noch dazu, weil sie kindlich charmant die Beine des Vaters umklammert und bittend zu ihm hochschaut. Wer könnte diesen Wunsch ausschlagen? Zumal der Papa, Stefan Schildknecht, auch Gefallen findet am Flitzevergnügen. Schon stehen sie ein weiteres Mal in der kleinen Warteschlange am Kassenhäuschen.

Familie Schildknecht kommt aus dem hessischen Neu-Isenburg und verbringt zwei Ferienwochen in der Gegend, in einer Ferienwohnung auf einem Bauernhof. Nachdem sich Charlotte und ihre zweieinhalbjährige Schwester Pauline von den vielen Ziegen, Schafen, Pferden und Katzen losgeeist hatten, war die Rodelbahn für den sonnigen Urlaubstag ein „Muss“. „Ich bin ganz alleine runtergefahren“, erzählt Charlotte stolz. „Den Hebel nach vorne und dann bin ich den Berg runtergeheizt“, rast sie auch beim Erzählen vor Begeisterung. „Es wird richtig schnell auf der Bahn, das reicht auch für die Papas noch“, findet Stefan Schildknecht Spaß daran.

Angezogen werden bis heute Menschen aller Altersgruppen

„Über 60 Prozent der Kunden sind Erwachsene“, sagt Uwe Brennenstuhl, der Inhaber der Bahn. Unzählige Kinder und Jugendliche haben sich seit dem Bau der Bahn 1978 schon in die Kurven gelegt. Viele machen das sommerliche Schlittenvergnügen inzwischen dem Nachwuchs schmackhaft. Auch am ersten Ferienwochenende wagen sich Große auf die 650 Meter lange Edelstahlrinne, die nur wirkt wie ein großes Spielzeug. „Man kann hier bis zu 40 Stundenkilometer erreichen“, so Werner Brennenstuhl.

Die Faszination Fliehkraft zieht bis heute Menschen aller Altersgruppen an. „Beim ersten Mal laufen viele Kinder noch zum Schlitten, nach einer Runde steigen sie glücklich aus und rennen zur nächsten Abfahrt“, beschreibt Brennenstuhl seine fast tägliche Beobachtung. So auch Charlotte, die es kaum erwarten kann, bis die Ampel vor ihr auf „Grün“ umschaltet. Ihre Plastikwanne sitzt auf der Metallrinne, zwischen ihr und dem Metall vier Vollgummireifen. Los geht’s. Mit dem Bremshebel zwischen den Knien und leicht vornübergebeugt verschwindet sie hinter der ersten Rechtskurve aus dem Blickfeld und nimmt unterwegs drei Kurven, in denen die Rutschabdrücke der Vorgänger weit oben an der Rinne zu sehen sind. Die Fliehkraft ist hautnah zu erleben, sie treibt das Gefährt manchmal auch ganz adrenalinankurbelnd in eine schräge Position. Jeder, der einsteigt, spürt den Zug, bei dem der Fahrer stets die Kontrolle über die Geschwindigkeit hat. „Der Wagen reagiert auf den Fahrer, ist mit purer Körperverlagerung lenkbar“, erklärt Brennenstuhl.

Die Fliehkraft bewegt und beflügelt

Unten angekommen wartet ein Bonbon auf die Abwärtsfahrer: Ein Lift zieht die Wanne samt Fahrer komfortabel den Hang hinauf, so dass man ein weiteres Mal den Fahrtwind im Gesicht spürt. Oben angelangt weht einem dann die familiäre Atmosphäre entgegen, es ist alles nett und persönlich im Wartebereich. Die Brennenstuhls können’s gut mit den Kindern: Sie motivieren, machen ihnen Mut und zwischendurch ein Späßchen, so wie sie auch für jeden erwachsenen Fahrgast einen lockeren Spruch auf Lager haben. „Dass sie etwas kleiner ist und alles so gemütlich, ist für das Alter ideal“, nennen Charlottes Eltern ein Kriterium, herzukommen. So hat auch Charlottes zweieinhalbjährige Schwester Pauline zwischen den schützenden Beinen der Mama beim Abwärtsflitzen ihre Freude.

„Alle Kinder gehen glücklich wieder raus“, weiß Werner Brennenstuhl aus jahrelanger Erfahrung. Sogar manch Erwachsener, der skeptisch zu Werke geht, steigt hinterher mit zwar etwas weichen Knien, aber mit einem breiten Grinsen aus. Die Fliehkraft bewegt und beflügelt eben auch das Gemüt. Und natürlich strahlt auch Charlotte nach ihrer Abschluss-Rase-Runde wieder bis über beide Ohren: „Das macht Spaß, Tempo draufhaben ist immer cool.“

„Kreuzliadrig“

Ein „kreuzliadriges Jahr“ sei die Saison bisher, bilanziert Werner Brennenstuhl auf gut schwäbisch. Viele Regentage, an denen die Bahn geschlossen bleibt. Gespürt hätten sie auch die für die Unterbringung von Flüchtlingen reservierten Schullandheime in der Umgebung. „Schülerklassen und Freizeitgruppen fehlen dieses Jahr sehr“, sagt er.