Kaisersbach

Geplagte Anwohner: Was Kaisersbach gegen Motorradlärm tut

motorradlaerm
Bei schönem Wetter zieht es viele Motorradfahrer auf die landschaftlich reizvollen, kurvigen Strecken. Anwohner klagen über Lärm. © Habermann

Anwohner können ein Lied davon singen: Bei schönem Wetter zieht’s nicht nur Wanderer und Ausflügler, sondern auch Motorradfahrer hinauf auf den Welzheimer Wald und auf landschaftlich reizvolle Routen und kurvige Abschnitte. „Die Strecken von Remstal und Murrtal auf die Höhen des Welzheimer Waldes waren in den vergangenen 15 Monaten beliebte Rundkurse für die ‘kleine Spritztour’, als Ersatz für Motorradausflüge ins benachbarte Ausland“, vermerkt eine Vorlage des Kaisersbacher Gemeinderats, der sich in seiner jüngsten Sitzung des Themas Motorradlärm angenommen hat.

Konflikt zwischen Erholung und Motorradlärm

Denn nicht jeder Fahrer denkt beim Gasgeben an die Nachbarn, die an jenen reizvollen Strecken wohnen. „Auch in Kaisersbach besteht ein Nutzungskonflikt zwischen Erholung und Motorradlärm“, heißt es in der Sitzungsvorlage weiter. „Insbesondere von Anwohnern der Lindenstraße, aber auch von Betroffenen im Bereich Ebni und der Straße nach Cronhütte gibt es immer wieder Beschwerden“, vermerkt das Papier. Und: „Insbesondere die K1892 von Kaisersbach nach Hellershof, aber auch die Landesstraße L1120 von Althütte über den Ebnisee nach Murrhardt wird stark befahren.

Nicht zuletzt, weil sich der Kiosk am Parkplatz am Ebnisee zu einem regelrechten ‘Biker-Treff’ entwickelt hat.“

Lärm auch von „Sportwagen mit entsprechenden Auspuffanlagen“

Bürgermeisterin Katja Müller berichtete darüber hinaus, dass die Lärmprobleme in Kaisersbach nicht nur auf Motorradfahrer zurückgingen, sondern immer mehr auch auf „Sportwagen mit entsprechenden Auspuffanlagen“. Dies sei ihr insbesondere am Ebnisee aufgefallen.

Um den Interessen der Lärmgeplagten besser Gehör zu verschaffen, tritt die Gemeinde Kaisersbach nun einer „Initiative gegen Motorradlärm“ bei. Das haben die Gemeinderäte einstimmig beschlossen. Diese Initiative wurde vor zwei Jahren von damals 29 Kommunen und dem Lärmschutzbeauftragten des Landes Baden-Württemberg ins Leben gerufen.

Handlungsmöglichkeiten ergreifen, um Motorradlärm zu reduzieren

Derzeit gehören dem Verbund 144 Städte und Gemeinden sowie zwölf Landkreise an, darunter auch der Rems-Murr-Kreis und die Gemeinden Berglen, Rudersberg, Althütte, Sulzbach/ Murr und Spiegelberg.

Warum? „Die Mitglieder fordern, dass alle bestehenden Handlungsmöglichkeiten ergriffen werden, um Motorradlärm wirkungsvoll zu reduzieren“, informiert die Sitzungsvorlage der Räte. Die rechtlichen Möglichkeiten des Landes und der Kommunen, den Motorradlärm wirksam einzudämmen, seien jedoch „durch ungenügende europäische Genehmigungs- beziehungsweise Zulassungsregelungen und unzureichende bundesgesetzliche Regelungen begrenzt.“ Eine Anpassung sei nötig.

Rücksichtsloses Fahren soll Konsequenzen haben

Für die macht sich der Interessenverbund stark. „Die Initiative setzt sich dafür ein, dass Fahrzeuge leiser werden“, sagte die Bürgermeisterin, sie trete dafür auch an Hersteller heran. Motorräder sollen auch leiser gefahren werden. Und es sollen „entsprechende Konsequenzen erfolgen, wenn man rücksichtslos fährt“, ergänzte Katja Müller im Gemeinderat. Im Gremium seien schon öfter Klagen von Anwohnern thematisiert worden.

Die Initiative gegen Motorradlärm macht sich ferner dafür stark, dass die Gesetzgeber die Zulassungsregelungen überarbeiten, Hersteller sowie Händler leisere Motorräder herstellen und anbieten, ein Umstieg auf nachhaltige und lärmarme Mobilität vorangebracht wird, Motorradfahrer aufgefordert werden, rücksichtsvoll und leise zu fahren, die Verkehrsüberwachung verstärkt und Kontrollmöglichkeiten ausgeweitet werden, Beschränkungen und Verkehrsverbote, etwa an Sonn- und Feiertagen, möglich sind, eine vorsätzlich lärmerzeugende Fahrweise mit höheren Bußgeldern geahndet wird und der Bund eine Lösung finden soll, damit Raser einer Strafe nicht entgehen können, informiert die Sitzungsvorlage der Gemeinderäte weiter.

„Man kann politischen Druck ausüben in der Gruppe“

Die Mitgliedschaft in der Initiative kostet die Gemeinde nichts, „was den Schwaben freut“, merkte Katja Müller an.

Unmittelbare Verbesserungen der Situation vor Ort sind durch den Beitritt natürlich nicht zu erwarten. Aber „Man kann politischen Druck ausüben in der Gruppe“, stellte die Bürgermeisterin in Aussicht.

Katja Müller bekannte zudem freimütig, selbst auch Motorradfahrerin zu sein und räumte zum Thema ein: „Es gibt auch Autofahrer, die sich rücksichtslos verhalten.“

Anwohner können ein Lied davon singen: Bei schönem Wetter zieht’s nicht nur Wanderer und Ausflügler, sondern auch Motorradfahrer hinauf auf den Welzheimer Wald und auf landschaftlich reizvolle Routen und kurvige Abschnitte. „Die Strecken von Remstal und Murrtal auf die Höhen des Welzheimer Waldes waren in den vergangenen 15 Monaten beliebte Rundkurse für die ‘kleine Spritztour’, als Ersatz für Motorradausflüge ins benachbarte Ausland“, vermerkt eine Vorlage des Kaisersbacher Gemeinderats,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper