Kaisersbach

Muss erst eine Straftat in Kaisersbach passieren?

OrtswiesenwegA
Polizeinsatz in Kaisersbach im Ortswiesenweg. © Ralph Steinemann

Im Ortswiesenweg 9, einem alten Backsteingebäude der Gemeinde Kaisersbach, und als Flüchtlingsunterkunft bekannt, kam es in der vergangenen Woche zu einem Polizeieinsatz am Spätnachmittag. Der Grund, ein tunesischer Bewohner, namentlich M., der seit Monaten der Kaisersbacher Verwaltung um Bürgermeisterin Katja Müller bekannt ist und immer wieder für Ärger sorgt, soll die fünf anderen Iraker nach einer Diskussion ganz plötzlich mit einem Küchenmesser bedroht haben.

Die fünf Iraker retteten sich in die unmittelbare Nachbarschaft, ein Ehrenamtlicher aus dem Freundeskreis für Flüchtlinge und Integration in Kaisersbach wurde dazugerufen. Die Lage stellte sich vor Eintreffen der Polizei als sehr bedrohlich dar, weil der Ehrenamtliche und die Iraker übereinstimmend von einer Bedrohungslage des Tunesiers mit „Messern“ berichteten.

Im offiziellen Polizeibericht der Polizei Welzheim heißt es jedoch: „So wie es uns geschildert wurde, handelte es sich um eine verbale Auseinandersetzung der Beteiligten. Um den abendlichen Frieden zu bewahren, zogen die Iraker freiwillig für eine Nacht zu einem Bekannten.“

Es fehlen Messer und es gibt immer wieder Ärger

In der Küche fehlten die Messer seit Tagen, so dass die Iraker davon ausgingen, der Tunesier gehe nun zur Attacke über. Hauptamtsleiter Sebastian Bauer wurde umgehend kontaktiert, und auch der Integrationsbeauftragte Giovanni Deriu, an diesem Tag im Home-Office, war sofort im Bilde des Geschehens. Die Polizei konnte ein wenig deeskalieren, mit dem Ergebnis, dass die Iraker für die nächsten Tage getrennt und anderweitig verteilt und privat untergebracht wurden. Der psychisch auffällige Tunesier dagegen wohnt weiterhin im Ortswiesenweg.

Fakt ist, dass die Personalie und die Umstände des Tunesiers, der erst vor gut einem Jahr wieder nach Kaisersbach zurückgekehrt ist und dazwischen in der JVA und Psychiatrie Ravensburg verweilte und als austherapiert entlassen worden sein soll, von dem Integrationsbeauftragten Deriu sowie einer Bewährungshelferin aus Stuttgart, die sich monatlich des Tunesiers M. annahm, bestens betreut war – obwohl dies, so war aus der Kommune zu vernehmen, eigentlich nicht Derius Aufgabe war, doch aufgrund von Mangel an Betreuung und als Ansprechpartner auch mit italienischen Sprachkenntnissen wurde Deriu bereits in Ravensburg genannt – die Gemeinde wollte ja vorbereitet sein. Der Tunesier M. lebte lang in Italien und verbrachte auch dort Monate im Gefängnis.

Jedenfalls merkten Giovanni Deriu, ausgebildeter Sozialpädagoge mit Schwerpunkt in der Krisenpädagogik, sowie die Bewährungshelferin schon sehr früh, dass vom Tunesier eine diffuse Gefahr gegenüber sich selbst, aber auch für andere ausgehen würde.

Es gehe wohl in Richtung Verfolgungswahn und Schizophrenie. Auch in der Gemeindeverwaltung trat er manchmal recht fordernd und auch aggressiv auf, dann aber auch wieder zuvorkommend und überhöflich, wie eine Mitarbeiterin sagt, die aber anonym bleiben möchte.

Zwei Gesichter strahlen eine gewisse Gefahr aus

Auch Sebastian Bauer wurde stets und quasi mit der Ankunft des Tunesiers von Deriu und der Bewährungshelferin in Kenntnis gesetzt.

Auch das Regierungspräsidium und die Ausländerbehörde waren bereits alarmiert. Unabhängig voneinander wollten sich Integrationsbeauftragter Giovanni Deriu sowie Amtsleiter Sebastian Bauer zum momentanen Sachstand und zum weiteren Verfahren nicht äußern.

Die wichtigsten Behörden und Mitarbeiter wurden schon früh und im vergangenen Jahr informiert und über alle Entwicklungen in Kenntnis gesetzt. Kaisersbachs Bürgermeisterin Katja Müller ist nun diejenige, die Entscheidungen treffen und kommunizieren muss, so geben es auch die Verwaltungsvorschriften wieder. Auf die Gefährlichkeit des Mannes wurde mehrmals hingewiesen und auch die Bürgermeisterin wurde unterrichtet. Bislang wurde die Gefahr jedoch nicht konsequent verfolgt.

Nachbarn und Schulkinder werden fotografiert

Aus dem Umfeld des Ortswiesenwegs, wo einige Bewohner und Leute den Polizeieinsatz mitbekamen, heißt es aus mehreren übereinstimmenden Meinungen, der knapp über 30-jährige Tunesier fotografiere permanent Menschen aus der Nachbarschaft und genauso Schulkinder. Selbst die Mitarbeiter des Kaisersbacher Bauhofs haben seit der Rückkehr des Tunesiers M. ein ungutes Gefühl, weil der Mann aus Nordafrika auch sie mehrmals vage bedrohte, bereits vor seiner Zeit in der JVA Ravensburg.

Die Bauhofmitarbeiter bekamen die Anweisung, nicht ins Haus zu gehen, solange der Nordafrikaner noch dort wohne. Zumindest hier meinte der Integrationsbeauftragte Deriu zum Kaisersbacher Bauhofleiter Beißwenger, der habe sein vollstes Verständnis, und es sei momentan „absolut nachvollziehbar“.

Der Bauhofleiter erwähnte gegenüber Deriu noch, dass der Integrationsbeauftragte bisher der Einzige gewesen sei, der regelmäßig beim Tunesier und den Irakern gewesen sei, und auf den psychisch anfälligen M. hätte einwirken können. Der Bauhof liegt gleich hinter der Flüchtlingsunterkunft.

Nun erwarten die Bürger natürlich in erster Linie eine ruhige Sicherheitslage, und die Iraker wollen schnell wieder in die Wohnung nach Kaisersbach zurück. Doch solange der Tunesier dort sei, wird das wohl nicht möglich sein, die Angst sei zu groß.

Auf dem Weg ins Gesundheitsamt zur Untersuchung

Am Donnerstagvormittag machte sich die Polizei Welzheim auf den Weg nach Kaisersbach in den Ortswiesenweg 9. Der Tunesier M. ließ sich problemlos mitnehmen auf den Weg ins Gesundheitsamt. Hier wird geprüft, in welchem Zustand sich M. befindet und wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht. Klar ist, niemand möchte eine eskalierende oder gefährliche Situation in Kaisersbach erleben.

Der Tunesier M. durfte wieder zurück nach Kaisersbach, das Gesundheitsamt konnte erst mal nichts feststellen. In Kaisersbach ist man sicher nicht abgeneigt, den Tunesier M. im Ort wohnen zu lassen, solange er sich an die Regeln hält und nicht mehr irgendwelche Fotos von Fremden macht oder gar in psychischen Ausnahmezuständen gewaltbereit auftritt. Fakt ist, noch ist keine Straftat passiert, aber muss erst eine folgen?

Im Ortswiesenweg 9, einem alten Backsteingebäude der Gemeinde Kaisersbach, und als Flüchtlingsunterkunft bekannt, kam es in der vergangenen Woche zu einem Polizeieinsatz am Spätnachmittag. Der Grund, ein tunesischer Bewohner, namentlich M., der seit Monaten der Kaisersbacher Verwaltung um Bürgermeisterin Katja Müller bekannt ist und immer wieder für Ärger sorgt, soll die fünf anderen Iraker nach einer Diskussion ganz plötzlich mit einem Küchenmesser bedroht haben.

Die fünf Iraker

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