Kaisersbach

Skilift am Rodelzentrum in Kaisersbach steht bereit: Der Schnee kann kommen

Skilift
Der Skilift in Betrieb – auf einer Aufnahme von 2017. © Rainer Stütz

Vor gut 50 Jahren, als der Skilift in Kaisersbach in Betrieb ging, da gab es noch Winter mit dauerhaft 60 oder 70 Zentimetern Schnee. „Am 17. oder 18. Dezember ging es meistens los“, erinnert sich Werner Brennenstuhl. „Aber von Wintern wie einst können wir heute nur noch träumen.“

„Das Skifahren wird langsam sterben – aber wir halten die Fahne hoch“

Während er früher wochenlang in Betrieb war, lief der Lift am Nordhang südlich von Kaisersbach bereits seit mehreren Jahren nicht mehr. Der Klimawandel hat die Lage der Betreiber dramatisch verschlechtert. Schnee fiel in den letzten Wintern immer seltener. Deshalb habe im Welzheimer Wald heute auch kaum jemand mehr eigene Skier. „Die Leute leihen sich das im Skigebiet“, sagt Brennenstuhl. Einen Skiverleih gibt es am Lift in Kaisersbach aber nicht.

„Das Skifahren wird langsam sterben“, sagt der 82-Jährige nüchtern, „aber wir halten die Fahne noch hoch. Auch weil es für die Kinder einfach eine schöne Sache ist, wenn sie sich im Schnee austoben können.“ Ob auf Skiern oder mit dem Schlitten, sei im Grunde auch nicht so wichtig. Zumal für den Betrieb des Schlittenlifts die Schneedecke nicht allzu hoch sein müsse.

Zu den Corona-Regeln: „Wir müssen es nehmen, wie es ist“

Für den Skilift sind zwischen zehn und 15 Zentimeter notwendig. Sollte das der Fall sein, steht das Rodelzentrum bereits in den Startlöchern. Der TÜV habe die Lifte in Kaisersbach für diesen Winter abgenommen. „Wenn es Schnee gibt, können wir morgen starten“, sagt Werner Brennenstuhl, „sofern die Regeln das zulassen.“

Aktuell wäre nämlich ein Betrieb nur unter 2G-plus-Bedingungen möglich. Zu den strengen Corona-Regeln sagt der 82-Jährige nur: „Wir müssen es nehmen, wie es ist.“ Grundsätzlich kann er die Vorgaben aber nicht so ganz verstehen, lässt er durchblicken. Schließlich seien die Abstände zwischen den einzelnen Liften mit 12 Metern groß – und außerdem fände ja alles im Freien statt. Der 82-Jährige hat den Eindruck, dass die Entscheidungsträger bisweilen gar keine Ahnung von der Materie hätten.

Trotz Schnee letzten Winter kein Liftbetrieb

Und letzten Winter, als ausnahmsweise mal für längere Zeit ausreichend Schnee gelegen ist, „da durften wir den Lift nicht starten“. Dabei hätte sich diese Saison, nach vielen sehr mageren Wintersportjahren zuvor, endlich wieder einmal rentiert. Der Hang war bekanntlich auch so gut besucht – nur dass die zwei Schlittenlifte und der Skilift stillstanden. TÜV und Versicherung hätten aber trotzdem bezahlt werden müssen.

Zum Glück ist der Betrieb des Rodelzentrums für die Familie Brennenstuhl - mittlerweile hat Sohn Uwe die Leitung übernommen - „nur ein Hobby“, so der Senior. „Wir machen es aus Tradition und aus Spaß.“ Und weil er immer noch jeden Tag telefonische Anfragen bekomme: „Hat’s bei euch oben Schnee?“

Seit 1969 gibt es den Skilift in Kaisersbach, seit 2006 auch einen Schlittenlift, der vor drei Jahren sogar um einen zweiten erweitert wurde. „Aber der war bisher nur einmal in Betrieb – und das auch nur an einem Tag“, sagt Brennenstuhl.

Rodelbahn-Betrieb: „Das war kein normaler Sommer“

Seit 1978 gibt es zusätzlich auch noch die Sommerrodelbahn, die sich lange Zeit großer Beliebtheit erfreut hat. Aber auch hier gab es in den vergangenen beiden Jahren coronabedingte Einschränkungen. Nur von Mitte Juni bis Ende Oktober war die Bahn offen, zudem deutlich weniger nachgefragt als einst. „Das war kein normaler Sommer“, sagt Brennenstuhl, der auch den Gaststättenschwund im Welzheimer Wald und die ausbleibenden Schülergruppen vom Mönchhof als Gründe nennt. Das idyllisch gelegene Freizeitheim wurde nach einer Zwischennutzung als Unterkunft für junge Flüchtlinge zuletzt umfangreich saniert – und wird jetzt zu einer „Waldakademie“ umgestaltet. Vielleicht könnte dadurch die Nachfrage künftig wieder etwas steigen.

Hoffen auf Schnee noch in diesem Winter

Das Rodelzentrum ist aber natürlich vor allem von den Maßnahmen gegen die Pandemie getroffen. „Die Corona-Krise hat uns gebeutelt“, sagt Werner Brennenstuhl.

Umso schöner wäre es, wenn dieser Winter doch noch ein paar Tage mit ausreichend Schnee brächte. Laut der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes soll es in den kommenden Tagen etwas kälter werden. Vielleicht ist dann ja auch der Betrieb des Rodelzentrums möglich.

Werner Brennenstuhl hält beide Daumen gedrückt, dass dies dann auch klappt.

Vor gut 50 Jahren, als der Skilift in Kaisersbach in Betrieb ging, da gab es noch Winter mit dauerhaft 60 oder 70 Zentimetern Schnee. „Am 17. oder 18. Dezember ging es meistens los“, erinnert sich Werner Brennenstuhl. „Aber von Wintern wie einst können wir heute nur noch träumen.“

„Das Skifahren wird langsam sterben – aber wir halten die Fahne hoch“

Während er früher wochenlang in Betrieb war, lief der Lift am Nordhang südlich von Kaisersbach bereits seit mehreren Jahren

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