Kaisersbach

Wandergruppe des SV Kaisersbach baut XXL-Insektenhotel

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In der Werkstatt von Otto Dreher wird seit Dezember viel gebohrt, um ein großes Insektenhotel bauen zu können. © Habermann / ZVW
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Otto Dreher zeigt den Plan fürs Insektenhotel. © Habermann / ZVW
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Eine Scheibe von vielen. Das ergibt viele Löcher. © Habermann / ZVW

Kaisersbach. Wie durch Butter frisst sich der Bohrer durch den Baumstamm. Slobodan Filipovic zieht das Werkzeug wieder hoch und setzt wenige Millimeter versetzt erneut die Spitze an. Das nächste Loch ist fertig. So geht das seit Wochen. In der Werkstatt von Otto Dreher bohren Männer um die Wette. Sie arbeiten an einem Insektenhotel: 15,3 Meter in der Länge, 2,75 Meter hoch. Das könnte Europas größte Insekten-WG werden, unken die Männer von der Wandergruppe des SV Kaisersbach.

Im Video: Die Wandergruppe des SV Kaisersbach baut für die Insekten ein Hotel.

Ein Blick auf die Internetseite der Guinness-Rekord-Sammlung zeigt beim Suchwort „Insektenhotel“ keinen Eintrag. Auch das deutsche Rekord-Institut zeigt nichts an. Schaut man ins Internet, gibt es einige Vereine und Gruppen, die sich mit einem Rekord schmücken.

"Bei uns steht der Spaß im Vordergrund“

Die Wander-Truppe vom SV Kaisersbach, früher haben die ehemaligen Alt-Herren-Spieler gekickt, verweist auf einen Versuch in Alberschwende, Österreich. Kurz nachgeschaut. Ja. Die haben fleißig gebaut. Allerdings ist der Einwand der Kaisersbacher korrekt: Das Insektenhotel wurde in Modulbauweise hergestellt und nur für den Rekordversuch aneinandergesetzt, ihres sei am Stück! Die Länge ist beeindruckend.

Die Vorarlberger Nachrichten berichten über ein 640 Meter langes begehbares Insektenhotel. Das schaffen die Kaisersbacher nicht. „Wir wollen auch nicht ins Guinnes-Buch. Bei uns steht der Spaß im Vordergrund“, sagt Günther Eisenmann, der mit viel Freude durch die Werkstatt führt. Bohren statt Wandern.

Ein XXL-Insektenhotel

Im Winter ist das mit dem Wandern nicht immer möglich. Warum also nicht ein gemeinsames Projekt starten, überlegte sich Otto Dreher. Er hat bereits ein kleines Hotel bei sich im Hof stehen. Warum nicht ein größeres bauen? Er machte den Vorschlag, gemeinsam bei ihm in der Werkstatt ein XXL-Insektenhotel anzufertigen. Am Anfang war er skeptisch, wie das ankommt. „Doch sie ziehen voll mit“, freut er sich.

Im Dezember haben sie angefangen. Und die Sache lief richtig rund – wie die Bohrer. Rund zehn Leute kamen Mittwochvormittag zu Otto Dreher, um zu arbeiten, zu schwätzen und gemeinsam zu essen. „Jeder sollte mitmachen, auch jene“, Otto Dreher kreuzt beide Arme, „mit zwei linken Händen.“ Draußen steht an diesem Mittwoch ein großer Grill. Drinnen drehen sich die Bohrer, draußen dreht sich das Fleisch.

Es ist laut, man atmet Holz, man riecht Holz, man schmeckt Holz!

Mindestens 500 Arbeitsstunden stecken in ihrem Projekt. Noch steht nichts. Unzählige Holzscheiben, Halme, Äste und Schilfrohre lagern bei Otto Dreher in Kaisersbach. Überall hätten sie in den vergangenen Monaten Holz gesammelt: Wo muss ein Baum gefällt werden? Wie kommen wir an Holz ran? Das musste dann noch getrocknet werden.

Dann wurde gesägt, geschliffen und gebohrt. In der Werkstatt bietet sich ein kurioser Anblick. Zehn Männer stehen dort mit Bohrmaschinen bewaffnet und bohren mit einer Engelsgeduld Loch um Loch. Es ist laut. Holzspäne liegen überall herum, man atmet Holz, man riecht Holz, man schmeckt Holz! Da hilft auch mal ein Schluck Most. Zum Wohl!

„Es hilft der Natur“

Ist das denn ein reines Spaßprojekt? Nein, nein, sagt Otto Dreher. „Wir bieten einen Unterschlupf für Bienen und Insekten“, sagt er und verweist auf den kleinen Bau im Hof. „Es hilft der Natur“, betont Herbert Escher. Man dürfe keine Hölzer nehmen, die harzen. Das Hotel soll vor Drehers Scheunenwand gebaut werden.

Günther Eisenmann zeigt eine große Holzschreibe. Die habe schon 400 Löcher. „Rechnen Sie das mal hoch“, sagt er. „Man braucht Unmengen von kleinen Hölzern für die Zwischenräume“, sagt er. Scheiben, Stäbe, Äste, Schilf und Stämme werden später nebeneinander in einen Holzrahmen gelegt, siehe Bild rechts. „Das ist sehr aufwendig“, berichtet der Wanderer mit der Bohrmaschine. „Das geht nur in einer Gruppe!“

Weitere Projekte sind geplant

Hier bohren Konstrukteure, EDVler, Mechaniker und Angestellte. Den Plan hat Otto Dreher gemacht. Bis zu 13 Männer waren gleichzeitig im Einsatz. Günther Eisenmann und Slobodan Filipovic überlegen kurz, was ihre Truppe alles bauen könnte. „Wir sind überrascht, wie schnell wir die Teile gebohrt haben“, sagt er. Entdecke die Möglichkeiten! Weitere Projekte sind geplant, deuten sie an.

Wohl im Herbst wollen sie das Hotel in Kaisersbach aufbauen und „den Insekten auf Wohnungssuche“ eine neue Bleibe bieten. Er selbst habe „ja keine Ahnung vom Bohren“, sagt Günther Eisenmann augenzwinkernd, „aber irgendwann kriegt man Routine“. Die Wanderer haben den Dreh raus. Bienen und Insekten können dann bald in Kaisersbach landen.