Kaisersbach

Warnwesten fürs Gesehenwerden

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Die Polizei hat am Samstag Warnwesten an Motorradfahrer verschenkt. © ZVW
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An Wochenenden ist der Ebnisee ein beliebter Treffpunkt von Motorradfahrern. © ZVW

Kaisersbach. Auffällige Schutzkleidung macht Motorradfahrer sichtbarer. „Sehen und gesehen werden“ lautete darum das Motto beim Informationstag des Polizeipräsidiums Aalen am Ebnisee. Über 100 Motorradfahrer interessierten sich für das Thema Sicherheit. 50 von ihnen setzten ihre Fahrt mit einer Gratis-Warnweste fort.

Motorradfahrer Gerald Flaig aus Schwäbisch Gmünd steht neben seiner BMW und nickt. „Ich hatte vor drei Jahren einen schweren Unfall, weil mich ein Lkw-Fahrer übersehen hat“, erzählt er von der eigenen Erfahrung. „Vermutlich hätte ich eine größere Chance gehabt, wenn ich geleuchtet hätte.“ Auffallend viele reagieren so. „Fast jeder hat so etwas schon mal erlebt“, fasst Hans-Joachim Seibold von der Präventionsstelle der Polizei die Reaktionen am Informationsstand zusammen.

Gerald Flaig und Dietmar Hummel sind froh um die neuen Warnwesten, die sich dank Reißverschluss nicht aufblasen wie Airbags. Für die beiden Motorradkumpels ist es eh geschickt, dass sie „zufällig bei einer Raucherpause“ auf den Stand aufmerksam wurden. In einer Woche geht es zweirädrig über die Seealpen nach Genua, von dort nach Sardinien in die Motorradferien. „In Frankreich ist die Warnweste Pflicht, wir hätten uns nächste Woche eh eine kaufen müssen.“

Ihre Tour am Samstag führt sie nach Backnang, wo sie die Maschinen nochmals durchchecken lassen. Und auch in Sachen Sicherheit sind sie mit dem Leucht-Überwurf jetzt startklar, den Hans-Joachim Seibold, Gabor Sipos, Dieter Saffrich und Michaela Kreß von der Präventionsstelle für Verkehrserziehung in Fellbach an den Mann und die Frau bringen. „Das ist Sicherheit, die du gratis bekommst“, meinen die Motorradfahrer. „Wir müssen besser gesehen werden“, sind sie sich einig. Denn sie seien zwar „keine hirnlosen Raser, aber den Verkehr aufhalten tun wir auch nicht.“

„Und, tun Sie genug für Ihre Sichtbarkeit?“

Die Fahrweise sei nicht immer Schuld, auch die mangelnde Erkennbarkeit sei eine häufige Unfallursache, so Hans-Joachim Seibold, der mit Zweiradfahrern über Situationen aus dem täglichen Leben spricht. Ein Video am Infostand zeigt, wie fatal es ist, nicht von weitem sichtbar zu sein. Da tauchen unvermittelt Radfahrer oder Fußgänger erst in etwa 50 Meter Entfernung jäh aus der Dunkelheit auf.

Ein Schockmoment für jeden Motorradfahrer, denen der Film mit der direkten Frage an den Karren fährt: „Und, tun Sie genug für Ihre Sichtbarkeit?“ Was die zwei aus Gmünd bisher nicht ruhigen Gewissens mit einem „Ja“ beantwortet hätten, denn mit ihrem Outfit passen sie ins von der Polizei häufig registrierte Bild: Die vorherrschende Farbgebung vieler Motorradkombis ist schwarz und dunkelgrau.

In letzter Zeit verzeichnete die Polizei drei Motorradunfälle im Schwäbisch-Fränkischen Wald. Gerade im ländlichen Raum ereignen sich Verkehrsunfälle, bei denen Zweiräder teilweise am helllichten Tag übersehen werden: So kreuzte ein Traktor im Raum Mainhardt Ende Juli beim Einbiegen aus einem Waldweg auf die Landstraße den Weg eines Motorradfahrers. „Er hatte keine Chance mehr, auszuweichen“, so Seibold. Die Folgen sind gerade für die Zweiradfahrer gravierend. Das habe den Ausschlag für den Informationstag gegeben. Der Fokus lag auf dem „Sehen und Gesehen werden“, was vordergründig Früchte zu tragen scheint. Viele legen am Parkplatz am Ebnisee nach einer Fahrt über kurvenreiche Landstraßen am Kiosk einen Stopp ein.

Über 100 Fahrer registriert die Polizei, die sich am Stand umschauen. Die Polizisten gehen ihrerseits auch aktiv auf die Fahrer zu. Die meisten sind bereit für ein Gespräch und nehmen etwas mit - auch wenn es nicht die Warnweste ist.

Zumindest der freundliche Fahrer einer Harley Davidson schlägt das Angebot aus Stilgründen aus, wie er offen und lächelnd zugibt. Er hilft aber bereits seit drei Jahren auf eigene Weise nach, besser gesehen zu werden: „Ich habe zwei LED-Scheinwerfer, die für die Harley zugelassen sind“, erklärt er die zusätzlichen Lichtquellen. „Damit fühle ich mich sicherer.“ Und die bei Harleyfahrern so wichtige Optik und Ästhetik bleibt damit auch gewahrt - die Scheinwerfer sind im Original-Harley-Stil.

Weniger Motorradunfälle, mehr Getötete

Die Polizei verzeichnet trotz Rückgang der Unfallzahlen mit Motorrädern mehr getötete Motorradfahrer. Die Anzahl der Verkehrsunfälle, bei denen Motorradfahrer beteiligt waren, sank im Jahr 2015 im Polizeipräsidium Aalen entgegen dem landesweiten Trend (+ 1,8 %) um 6,9 Prozent auf 418 Verkehrsunfälle. 213 Verkehrsunfälle wurden von den Motorradfahrern verursacht. Dies entspricht einem Rückgang von 13,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (245 Verkehrsunfälle).

Noch stärker nahm die Zahl der Motorradunfälle mit Personenschaden mit 344 um 8,3 Prozent ab. Die Anzahl der von Motorradfahrern verursachten Unfälle ging deutlich um 14,9 Prozent auf 189 zurück.

Leider erwies es sich einmal mehr, dass es insbesondere bei Motorradunfällen oft vom Zufall abhängt, ob ein Verkehrsteilnehmer schwer verletzt wird oder gar stirbt. Trotz der Abnahme der Unfälle mit Personenschaden war im Jahr 2015 eine Zunahme der Getöteten auf 14 um 133,3 Prozent zu verzeichnen, wodurch auch beinahe wieder der Stand aus dem Jahr 2013 erreicht wurde, als 15 Unfalltote zu beklagen waren. Von den 14 tödlichen Motorradunfällen ereigneten sich zehn im Ostalbkreis, zwei im Landkreis Schwäbisch Hall und zwei im Rems-Murr-Kreis.

Bei 10 (5) Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang war die Hauptunfallursache dem Motorradfahrer zuzurechnen. Die Hauptunfallursache bei von Motorradfahrern verursachten Unfällen ist mit weitem Abstand (78 Prozent) die Unfallursache „Geschwindigkeit“. An zweiter Stelle folgt mit 15 Prozent die Ursache „Abstand“ vor der Ursache „Überholen“ mit 10 Prozent.