Kaisersbach

Zu Gast in Kaisersbach-Gebenweiler: Besen „uff em Wald“ als Attraktion

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Beliebt sind die Plätze am runden Tisch, der gedreht werden kann. © Ralph Steinemann Pressefoto

Ein Jubiläum, das nicht gefeiert wurde und erst durch die Nachforschungen unseres Mitarbeiters ans Tageslicht kam. In Kaisersbach-Gebenweiler gibt es seit 25 Jahren eine Besenwirtschaft, die mit großem Erfolg jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst geöffnet ist. Am Sonntag, 27. November 2022, war der letzte Öffnungstag in dieser Saison. Im neuen Jahr ist am 2. März 2023 Wiedereröffnung.

Drei Jahre lang um die Genehmigung einer Besenwirtschaft gerungen

Der Besen „Zur alten Webstube“ hat eine Vorgeschichte. Denn „uff em Wald“ werden keine Reben zur Weinherstellung angebaut, das wäre vermutlich ein recht trockener Tropfen. Und die Klimaerwärmung ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass sich ein Wengerter beziehungsweise Winzer hier niederlässt. Das Ringen um die Genehmigung eines Besens in Gebenweiler hat rund drei Jahre gedauert. Sonja Fink, geborene Deeß, ist auf dem Hof in Gebenweiler aufgewachsen. Doch ihr Mann Rainer Fink betreibt am Wohnort Kleiningersheim bei Bietigheim einen Weinberg, der inzwischen eineinhalb Hektar groß ist. Ohne hier näher auf die Paragrafen einzugehen, ist es wohl so, dass ein Besen nicht nur in der Nähe des Weinbergs eröffnet werden darf, sondern auch dort, wo der Rebensaft gekeltert wird, also zum Wein heranreift. Und genau diesen Fall haben wir in Gebenweiler. In Kleiningersheim hatten die Finks keine Räume für einen Besen, in Gebenweiler schon, wo die alte Scheune mit Keller nicht mehr benötigt wurde und ausgebaut werden konnte.

Hinab ins Kellerreich, wo einst der Webstuhl stand

Die Treppe führt den Gast hinab ins Kellerreich, wo einst der Webstuhl stand. Es gibt selbst gekelterten Wein und einfaches schwäbisches Essen. Die Menschen hocken dicht auf dicht. Es ist die besondere Atmosphäre und die Nähe zum Mitmenschen, welche die Menschen aus nah und fern anziehen. Nicht nur die Sitzplätze sind Mangelware, bei den Parkplätzen sieht es nicht anders aus. Von der Küche im Erdgeschoss werden die hungrigen Menschen im Untergeschoss über einen Telleraufzug versorgt. Der drehbare „Karusselltisch“ ist ständig belegt. Für den neuen Kaisersbacher Bürgermeister Michael Clauss ist der Besen ein Pfund für die Gemeinde, für das er gerne die Werbetrommel rührt, obwohl es die Finks gar nicht nötig haben.

Im April 1997 war die erste Eröffnung und es lief laut Sonja Fink von Anfang an bombig. „Manche haben am Anfang gemeint, der Besen im Welzheimer Wald sei ein Aprilscherz.“ War er aber nicht, sondern eine Marktlücke, die geschlossen wurde und bis zum heutigen Tag boomt. Nur die Corona-Zeit hat den Betrieb des Besens mächtig gestört. Die Hauptöffnungszeiten sind im Frühjahr und im Herbst und deshalb war Lockdown angesagt.

Doch die Finks haben sich auf diese neue Situation eingestellt. Der 24-jährige Sohn Martin Fink, der in den nächsten Jahren sowohl beim Weinbau als auch beim Besen in die Fußstapfen seiner Eltern treten will, berichtet von einer Umstellung bei der Vermarktung. „Wir haben mehr Flaschen abgefüllt und in den Verkauf gebracht.“ Jetzt laufen beide Bereiche bestens und der Keller leert sich. „Wir mussten in diesem Jahr schon den Wein ausschenken, den wir 2022 gekeltert haben.“

Martin Fink hat bereits in jungen Jahren eine vielseitige Berufslaufbahn hinter sich, wobei ihm die Liebe zum Weinbau offenbar in die Wiege gelegt wurde. Zunächst absolvierte er eine Lehre als Weintechnologe, bevor er ein Studium im IT-Bereich mit Schwerpunkt Games/Spiele startete. Momentan arbeitet der junge Mann als Software-Entwickler bei einer IT-Firma in Stuttgart. Der tägliche Wechsel vom Bürostuhl tagsüber zum Weinberg am Feierabend hat für ihn seinen besonderen Reiz. Er kann sein IT-Wissen im Weinbau einsetzen, indem er zum Beispiel spezielle Apps entwickelt und den Internetauftritt von Weinbau-Fink und dem Besen „Zur alten Webstube“ betreut und ausbaut. Momentan werden bei der Familie Fink Weinbau und Besen im Nebenerwerb geschultert, wobei die ganze Verwandtschaft mithilft. Wenn die weitere Entwicklung gut ist, kann sich Martin Fink gut vorstellen, seine ganze Arbeitskraft diesen Projekten zu widmen. „Da will ich einfach die weitere Entwicklung abwarten.“

Auf jeden Fall können sich Sonja (56) und Rainer Fink (55) freuen, dass es einen Nachfolger gibt, der den Weinbau und die Besenwirtschaft in ihrem Sinne weiterführen wird. Derzeit ist der Besen im Frühjahr und Herbst für jeweils vier Wochen geöffnet. Erlaubt wären bis zu zweimal acht Wochen im Jahr. Aber die ganze Arbeit muss bewältigt werden. Ein Besen darf maximal 40 Sitzplätze haben und einfaches Essen anbieten. Davon hat der Kaisersbacher Gemeinderat profitiert. Während eine Klausurtagung im Feuerwehrgerätehaus wurde die Mittagspause im Besen verbracht, bei dem die Oma am Wochenende den Kartoffelsalat immer noch selbst macht. Der Gemeinderat saß natürlich am runden Tisch. Inwieweit sich die Drehbewegungen förderlich auf den Verlauf der Besprechung ausgewirkt haben, ist nicht überliefert.

Auf jeden Fall hat es gut geschmeckt und dem Bürgermeister ist der Besuch in guter Erinnerung geblieben.

Ein Jubiläum, das nicht gefeiert wurde und erst durch die Nachforschungen unseres Mitarbeiters ans Tageslicht kam. In Kaisersbach-Gebenweiler gibt es seit 25 Jahren eine Besenwirtschaft, die mit großem Erfolg jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst geöffnet ist. Am Sonntag, 27. November 2022, war der letzte Öffnungstag in dieser Saison. Im neuen Jahr ist am 2. März 2023 Wiedereröffnung.

Drei Jahre lang um die Genehmigung einer Besenwirtschaft gerungen

Der Besen „Zur alten

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