Kernen

Ärger über Schleichwege durch die Weinberge

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Am Dienstagabend herrschte reger Autoverkehr an dem Feldweg beim Trachtenvereinsheim Almrausch. © Schechinger / ZVW

Kernen-Rommelshausen. Obwohl asphaltiert, ist die durch Weinberge führende Strecke zwischen Stetten und Fellbach ein Feldweg. Hier kann der Kernener Gemeindevollzugsdienst in eigener Zuständigkeit kontrollieren. Und das ist dringend nötig. Denn gerade der morgendliche Schleichverkehr in Richtung Fellbach ist für Fahrradfahrer zum Problem geworden. Es werde immer schlimmer, beschwerte sich ein Kernener bei OGL-Fraktionschef Matthias Kramer.

Verkehrsrechtlich gilt auf der Schleichroute zwischen Stetten und Fellbach die Regelung Anliegerverkehr frei. Ausgenommen vom Fahrverbot sind demnach Weingärtner, Landwirte und Eigentümer eines Gartengrundstücks im Römer Außenbereich. Wer die Strecke mit seinem Fahrzeug im morgendlichen Berufsverkehr nutzt, um abzukürzen und zügiger nach Fellbach zu kommen, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Sollte er in flagranti erwischt werden, ist zunächst mal ein Verwarnungsgeld in Höhe von 20 Euro fällig. Bei wiederholtem Verstoß gegen das Durchfahrtsverbot könne man den erschwerenden Tatbestand des Vorsatzes prüfen, sagte gestern Ordnungsamtsleiterin Marianne Rapp. Das Problem sei im Rathaus bekannt. OGL-Gemeinderat Matthias Kramer hatte jüngst die Beschwerde eins Bürgers an die Verwaltung weitergeleitet. Auch das überhöhte Tempo der Autos sei ein Problem, so Kramer.

Altenberger: Die Strecke ist nicht schneller als die Ortsdurchfahrt

Offenbar glauben Insider, der Weg durch die Weinberge und Gartengrundstücke sei schneller als der via Kreisstraße und die Römer Ortsdurchfahrt. Ein Irrtum, sagt Bürgermeister Altenberger, der die Fahrzeiten für beide Varianten mit seiner Frau gestoppt hat. In der Karlstraße gibt es zwei Bedarfs-Ampelübergänge, beim Café Reimann und beim Edeka-Markt. Derzeit bremst zusätzlich die Baustelle in der Karlstraße beim Abzweig Lortzingstraße mit ampelgeregelter Engführung auf einer Fahrspur. Ende dieser Woche wird diese halbseitige Sperrung wieder aufgehoben.

„Das ist Insiderwissen.“

Es sind offensichtlich Berufspendler, die den verbotenen Pfad nutzen. Und dabei mit überhöhtem Tempo morgens auch radelnde Schüler gefährden. CDU-Gemeinderat Helmut Heissenberger sagte gestern: „Zwischen halb sechs, sechs und acht, halb neun Uhr herrscht dort reger Verkehr. Da muss man aufpassen. Und abends wieder das gleiche retour. Die umgehen die Ortsdurchfahrt.“ Kürzere Fahrstrecken auf dem Navi sind nicht zwangsläufig die schnelleren. Er frage sich, warum keiner aus Fellbach die B 29 bis Endersbach fährt, um via Landhauskreuzung in Stetten anzukommen. Wobei morgens im Berufsverkehr aus Stetten auch Esslinger den verbotenen Schleichweg nutzten. „Das ist Insiderwissen.“

Erste Verwarnung kostet 20 Euro

Ordnungsamtschefin Marianne Rapp will verstärkt die zwei gemeindlichen Vollzugsbeamten zur Kontrolle einsetzen. „Anhaltekontrollen kann der Dienst durchführen auf Feldwegen. Und das ist ein Feldweg.“ Die Leute seien es nicht gewohnt, dass da jemand steht und sie nach ihrem Fahrziel fragt. Seit das Ordnungsamt mit zwei Vollzugsbeamten auf 100-Prozent-Stellen ausgerüstet ist, sei das möglich. „Wir fragen nach, wir wollen wissen, ob die Betreffenden dort ein Grundstück besitzen. Wir schauen, wer fährt dort? Wir versuchen zu sensibilisieren.“ Die erste Verwarnung schlägt mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 20 Euro zu Buche.

Für Radfahrer wird es eng

Biker nutzen die ausgeschilderte Remstalradstrecke auf dem Weg zum Arbeitsplatz und zu Rundfahrten in der Gruppe. Wenn Autos morgens zügig hintereinander unterwegs sind, kann es für sie, vor allem für Schüler eng werden. Wer dort frühmorgens von einem Vollzugsbeamten nach dem Fahrziel befragt werden sollte, wird sich sicherlich nicht herausreden können, er wolle beim Italiener der Römer Gartenfreunde einkehren. „Morgens ist keine Gartenwirtschaft offen“, so Heissenberger.


Ordnungswidrigkeit

Eine Ordnungswidrigkeit ist in Deutschland eine geringfügige Verletzung der Rechtsregeln. Nach deutschem Recht ist eine Ordnungswidrigkeit eine Gesetzesübertretung, sprich eine rechtswidrige und vorwerfbare Handlung, für die das Gesetz als Ahndung eine Geldbuße vorsieht. Sie ist noch keine Strafe.

Bei manchen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung kann neben der Geldbuße auch ein Fahrverbot von maximal drei Monaten verhängt werden.