Kernen

Ab jetzt keine Post mehr in Stetten

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Irmgard Möhlmann hat am Freitag die letzten Päckchen angenommen und ausgegeben – jetzt ist die Poststelle in Stetten geschlossen. © ZVW/Laura Steinke

Kernen-Stetten. In Stetten gibt es von diesem Samstag an keine Möglichkeit mehr, Pakete zu verschicken. Irmgard Möhlmann hat in ihrem Gardinengeschäft viereinhalb Jahre lang Postdienstleistungen angeboten – jetzt ist damit Schluss. Die Post ist verpflichtet, in Stetten Dienstleistungen anzubieten, hat bis jetzt aber kein freies Lokal gefunden.

„Irgendwann ist Schluss“, sagt Irmgard Möhlmann. Sie steht hinter der gelben Theke in der Ecke ihres Gardinenladens in der Hindenburgstraße. Zum letzten Mal gibt sie Briefmarken aus, nimmt Retouren an und sucht Päckchen aus dem Lager. Lange habe sie versucht, mit der Deutschen Post zu verhandeln, damit es weiterhin eine Poststelle in Stetten geben wird. Jedoch ohne Erfolg: Nach viereinhalb Jahren beendet Möhlmann die Zusammenarbeit. „Mir tut’s sehr leid für die Stettener Bürger“, sagt sie. Doch: „Fast alle haben mich verstanden.“ In den vergangenen Tagen seien viele Kunden in das Gardinengeschäft gekommen, haben ihr die Hand gegeben und sich bei ihr bedankt. Diese müssen sich nun auf den Weg nach Endersbach oder Rommelshausen machen, um Pakete abzugeben.

Die Post hatte ein halbes Jahr Zeit, um einen neuen Standort zu finden

„Die Post hatte jetzt ein halbes Jahr Zeit“, sagt Möhlmann. Sie wundert sich, dass in dieser Zeit keine Möglichkeit für eine neue Poststelle in Stetten gefunden wurde. „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht von der Post.“ Ende November letzten Jahres hat Möhlmann gekündigt. Danach stand sie bis vor kurzem in Verhandlungen. Ihre Idee: Die Post könne in ein Ladenlokal in der Langen Straße einziehen, das ihres Wissens nach von August an freistehen wird. Bis dahin hätte sie die Postdienstleistungen weiter in ihrem Geschäft angeboten. Hugo Gimber, Pressesprecher der Post Stuttgart, sagt: „Es wäre schön gewesen, wenn sie gesagt hätte, sie macht das jetzt noch weiter für zwei bis drei Monate, so dass wir einen nahtlosen Übergang hinbekommen hätten.“

In den Verhandlungen habe die Post aber durchblicken lassen, dass sie nicht an dem Lokal in der Langen Straße interessiert sei, berichtet Möhlmann. Es sei wohl zu groß oder zu teuer. Dadurch habe die Post ihr auch nicht sagen können, wie lange sie die Filiale übergangsweise hätte weiterführen müssen. Die 67-Jährige lehnte ab.

Post ist verpflichtet, eine stationäre Poststelle zu betreiben

Da die Suche nach einem neuen Filial-Betreiber laut Post erfolglos verlief, sucht diese nun nach Räumen, in denen Postdienstleistungen von eigenem Personal angeboten werden. Möhlmann will die Post weiterhin bei der Suche nach Räumen unterstützen. Sie sagt: „Mir ist das wichtig.“

In selbstständigen Gemeinden und in Ortsteilen mit mehr als 2000 Einwohnern hat die Post die Verpflichtung, eine stationäre Poststelle zu betreiben. Von Pressesprecher Gimber heißt es: Idealerweise werde diese aber von einem externen Betreiber, wie Irmgard Möhlmann, betrieben und nicht von Mitarbeitern der Deutschen Post selbst. Gimber: „Solche Interimsfilialen sind für die Kunden und auch für uns keine ideale Lösung.“ Diese seien nicht wirtschaftlich und können nicht die Öffnungszeiten bieten, die eine von einem Einzelhändler betriebene Filiale bieten kann.

Möhlmann: Vergütung hat nie gestimmt

Für Irmgard Möhlmann, die beruflich kürzertritt, waren die Arbeit an der Posttheke und das Handwerk nicht vereinbar. Ständig wurde sie in ihrer Arbeit an der Nähmaschine unterbrochen. Deshalb fing sie an, am Wochenende zu arbeiten. Das sei ihr nun zu viel geworden.

Auch habe die Vergütung nie gestimmt und sei mit der Zeit sogar weniger geworden. Möhlmann versuchte, mit der Post zu verhandeln. Zunächst sei sie auf taube Ohren gestoßen. Als sie bereits beschlossen hatte, die Poststelle zu schließen, sei ihr die Post entgegengekommen. Zu spät, findet Möhlmann. Die kommenden zwei Wochen nutzt die 67-Jährige zum Umbau ihres Geschäfts. Am Montag wird die gelbe Theke abgebaut. Die Ecke, die frei wird, will sie gemütlich umgestalten.


Post in der Pflicht

Im März machte Bürgermeister Stefan Altenberger den Vorschlag, Zuschüsse für die Finanzierung einer Postfiliale zu zahlen. Durch die Subventionierung mit einem monatlichen niedrigen dreistelligen Betrag könne die Post „einigermaßen wirtschaftlich betrieben werden“ und dem ständigen Betreiberwechsel ein Ende gesetzt werden. Allein in Altenbergers Amtszeit hat die Post sechsmal den Standort gewechselt.

Für Irmgard Möhlmann steht fest: „Das ist Aufgabe der Post. Das seh’ ich gar nicht ein, dass die Gemeinde da was zahlt.“