Kernen

Bürgermeister Paulowitsch kritisiert Gastronomie-Schließung - und berichtet, dass seine Mitarbeiter von Quarantäne-Betroffenen beschimpft werden

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Symbolfoto. © Gaby Schneider

Bürgermeister Benedikt Paulowitsch hat auf Facebook Kritik an der Schließung von Restaurants und anderen Lokalen geäußert, auf die sich Bund und Länder am Mittwoch zur Bekämpfung der Corona-Pandemie geeinigt haben. „Ich persönlich halte die Schließung von gastronomischen Betrieben für falsch“, so der Bürgermeister von Kernen auf der Internetplattform.

„Die Gastronomie hat in den vergangenen Wochen ganz überwiegend bewiesen, dass sie verantwortungsvoll mit der Situation umgeht und kluge Hygienekonzepte entwickelt hat“, argumentiert Paulowitsch. „Es hätte aus meiner Sicht genügt, Feiern in Gastronomiebetrieben zu untersagen. Die Finanzämter sollten aus meiner Sicht nun auf die Rückforderung von Hilfsgeldern verzichten.“

Verlagerung ins Private noch schlimmer?

Gegenüber unserer Redaktion äußert der Bürgermeister die Sorge, dass sich das Geschehen aus Kneipen und Lokalen verstärkt in Privatwohnungen verlagern könnte, die man noch weniger kontrollieren könne und die ein großer Faktor bei der Verbreitung des Virus seien.

Paulowitsch hält es daher auch für richtig, „dass wir private Feierlichkeiten unterlassen und persönliche Kontakte so weit wie möglich einschränken. Hier ist nun Eigenverantwortung gefragt!“ Er verweist auf schnell steigende Corona-Infektionen, auch in Kernen. „Wir haben nun eine Schwelle erreicht, ab der wir nicht mehr ohne Weiteres in der Lage sind, Kontakte schnell nachverfolgen zu können. Unsere gesamte Kraft konzentriert sich nun auf diese Aufgabe.“

Wie viele aktive Corona-Fälle gibt es in Kernen?

Alleine am Mittwoch habe die Gemeindeverwaltung in Kernen 15 positive Corona-Befunde erhalten, so Paulowitsch in seinem Facebook-Post. Am Mittwochnachmittag waren dem Ordnungsamt 27 Menschen bekannt, die positiv auf Corona getestet worden waren und sich in Quarantäne befanden: Am Donnerstag, Stand 15 Uhr, waren es dann bereits 38. Paulowitsch zufolge dürfen allerdings neun davon am Freitag die Quarantäne verlassen, so dass die Gesamtzahl der aktiven Fälle dann wieder bei 27 liege - wenn keine weiteren hinzukämen.

„Die Fälle erstrecken sich über verschiedene Familien in völlig verschiedenen Gegenden und stehen nach unseren Recherchen in keinem unmittelbaren Zusammenhang miteinander (ausgenommen Häufungen an Schulen)“, so Paulowitsch in seinem Facebook-Beitrag. Seine Einschränkung bezüglich Schulen bezieht sich vor allem auf die Rumold-Realschule: Neun ihrer Schüler mit Wohnsitz in Kernen sind positiv getestet worden und diese Woche noch in Quarantäne. Insgesamt waren am Mittwoch laut Ordnungsamt 75 Rumold-Realschüler in Quarantäne.

Dort gibt es nun einen weiteren Einschnitt: Die Rumold-Realschule bleibt nach den Herbstferien ab Montag, 2. November, vorsorglich geschlossen. Paulowitsch betont aber, es würden nicht alle Schüler der Rumold-Realschule in Quarantäne geschickt. Die Schließung sei eine vorsorgliche Maßnahme. Insgesamt passt die Entwicklung in Kernen für Paulowitsch „zum Bild, das wir bundesweit beobachten: Die Zahlen schnellen an vielen Orten sprunghaft nach oben.“

Mitarbeiter werden beschimpft

Angesichts der Arbeitsbelastung, die die steigenden Corona-Zahlen für die Verwaltung mit sich bringt, bittet der Bürgermeister die Kernener um Verständnis, wenn andere Aufgaben länger dauern als sonst: „Die Nachverfolgung hat absolute Priorität. Kleine Ärgernisse des Alltags, woran Sie sich stören (ein wenig falsch abgelegter Müll; schlecht geparkte Fahrzeuge; ein aus Ihrer Sicht nicht gut gepflegtes Blumenbeet) haben derzeit keinerlei Priorität und können daher kaum bis gar nicht bearbeitet werden“, so Paulowitsch auf Facebook.

Er appelliert an die Bürger: „Lassen Sie Ihren Frust bitte nicht an Ihren Mitmenschen und auch nicht an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rathauses aus, die Ihnen die Nachricht einer positiven Infektion oder einer Quarantäne überbringen.“

Unserer Redaktion berichtet Paulowitsch, dass die Mitarbeiter, die die schlechte Botschaft der Quarantäne-Anordnung übermitteln, am Telefon oder in Mails teils wüst beschimpft würden. „Das macht man einfach nicht“, so der Bürgermeister. Er verstehe, dass die Quarantäne für die Betroffenen schlimm sei. Aber: Die Gemeindeangestellten, die darüber informierten, seien nicht die Entscheider. Dafür ist das Kreis-Gesundheitsamt zuständig. Und auch dessen Mitarbeiter hätten natürlich keinesfalls Beleidigungen verdient.

Bürgermeister Benedikt Paulowitsch hat auf Facebook Kritik an der Schließung von Restaurants und anderen Lokalen geäußert, auf die sich Bund und Länder am Mittwoch zur Bekämpfung der Corona-Pandemie geeinigt haben. „Ich persönlich halte die Schließung von gastronomischen Betrieben für falsch“, so der Bürgermeister von Kernen auf der Internetplattform.

„Die Gastronomie hat in den vergangenen Wochen ganz überwiegend bewiesen, dass sie verantwortungsvoll mit der Situation umgeht und

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