Kernen

Betriebe für schnelles Internet gesucht

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Viele Kernener Geschäftsleute waren es nicht, die am Donnerstag zu einem Infogespräch ins Bürgerhaus kamen. Auch Remstalwerk-Geschäftsführerin Gabriele Laxander diskutierte mit. © Schechinger / ZVW

Kernen. Eine Million Euro würde die Breitbanderschließung dreier Gewerbegebiete in Rom und Stetten kosten. Bund und Land beteiligten sich mit Zuschüssen in Höhe von 800 000 Euro. So blieben 200 000 Euro, von denen die Gemeinde Kernen 100 000 Euro übernehmen will. Je mehr von den rund 50 betroffenen Unternehmen mitziehen, desto preiswerter wird der superschnelle Internetanchluss via Glasfaser. Schultes Altenberger rechnet mit abzugsfähigen 5000 Euro pro Betrieb.

Zu einer Werbe- und Infoveranstaltung am Donnerstagmorgen im Kernener Bürgerhaus hatten sich 20 Betriebe angemeldet. Jedoch „ungefähr 50 müssten dasitzen“, bemerkte Gastgeber Stefan Altenberger enttäuscht. „Wenn am Schluss nur drei übrig bleiben, stellt sich die Frage, wie sinnvoll das ist. Wir machen das ja für die Gewerbebetriebe.“ Das Thema Digitalisierung und zukunftsfähiges schnelles Internet ist in aller Munde. Weshalb auch die Bereitschaft der öffentlichen Hand, den Bau teurer Glasfaserinfrastruktur finanziell zu fördern, wächst. In Rommelshausen steht der Ausbau der Gewerbegebiete Lange Furchäcker plus Lange Äcker einschließlich der Gärtnereien, in Stetten die Frauenländerstraße und die Baustoffwerke E. Bayer auf der Tagesordnung. Nutznießer wären alles in allem einschließlich des Baustoffwerks, das von Esslingen her erschlossen werden würde, 51 Kernener Unternehmen. Das Rathaus strebt als Versorgungsniveau symmetrische Bandbreiten mit mindestens einem Gigabit pro Sekunde auf FTTB/H-Basis an. Teilweise können die Glasfaserkabel in vorhandenen Leerrohrtrassen verlegt werden.

Das sind professionelle Übertragungsraten auf Hochleistungsniveau. Die privaten Anschlüsse der Deutschen Telekom, deren Breitbandnetz in Kernen bis zu den grauen Verteilerkästen reicht und von dort mit herkömmlichen Kupferleitungen in die Grundstücke verlängert wird, leistet im VDSL-Turbo Vectoring in der Regel deutlich weniger: 100 Megabit pro Sekunde. Für Gewerbebetriebe ist das eigentlich zu langsam.

5000 Euro: 3000 Euro als Umlage, 2000 Euro für den Hausanschluss

Damit die Rechnung einschließlich der 800 000 Euro an Zuschüssen und der 100 000 Euro aus der Gemeindekasse aufgeht, erwartet das Rathaus, dass sich möglichst alle 51 Betriebsinhaber mit einem Eigenanteil pro Anschluss in Höhe von 5000 Euro beteiligen. Der Betrag entspricht 3000 Euro für die Umlagebeteiligung plus 2000 Euro pro Hausanschluss. Von diesen 5000 Euro abzugsfähiger Investitionskosten verblieben je Betrieb am Ende noch 2000 Euro. So wirbt jedenfalls der Bürgermeister. Einigen scheint das gleichwohl noch zu teuer zu sein. „Wenn ich die Autos sehe, die in Gewerbegebieten stehen, verstehe ich das nicht“, sagte Altenberger. „Das sind alles Nutzfahrzeuge“, rief Geschäftsmann Rainer Müller dazwischen und grinste. Sollten sich nur 50 Prozent der Betriebe beteiligen, könnten die Kosten je Anschluss nach dem Umlageprinzip auf 7000 Euro steigen.

Auf die Frage des Stettener Geschäftsmanns Rainer Müller, ob eine Mindestzahl an Betrieben oder der Gesamtbetrag 200 000 Euro für Gemeinde und Unternehmen Voraussetzung zur Realisierung sei, sagte Altenberger: „Wir brauchen nur die Summe. Von den Betrieben sind das 100 000 Euro. Wir benötigen nicht eine bestimmte Zahl an Anschlüssen. Aber es wäre unsolidarisch, wenn nur wenige Unternehmen das tragen müssten.“ Die Gesetzeslage habe sich zudem seit einem Jahr komplett geändert: Bis dahin habe es geheißen, 80 Prozent müssten mitmachen. Heute gelte: Wir können ausbauen, auch wenn nur einer mitmacht. Bei den Kosten gibt es freilich „einige Unsicherheiten“, sprich einen Spielraum nach unten: Könnte zum Beispiel auf WLAN verzichtet werden, reduzierte das den Preis um etwa ein Drittel.

Alle machten Druck, dass es in Deutschland mit der Digitalisierung weitergehe

„Jetzt sind wir so weit wie nie. Es ist eine einmalige Chance, dass wir die 800 000 Euro kriegen“, so Altenberger. Alle machten Druck, dass es in Deutschland mit der Digitalisierung weitergehe, doch spreche man mit den Gewerbetreibenden, sagten die: „Lassen Sie mich in Ruhe.“ Bundes- und Landesmittel fließen beim Breitnetzausbau für Gewerbegebiete dann, wenn die angestrebte flächendeckende Versorgung mit einem NGA-Netz eine Downloadrate von mindestens 30 mbit/s sicherstellt.

Altenberger setzt darauf und appelliert eindringlich, dass 90 Prozent der Betriebe in Kernen mitziehen. Sie könnten zwar auch noch nachträglich auf den Zug aufspringen, aber das Risiko steige dann, dass die Breitbandanschlüsse teurer würden, als es der jetzige Richtpreis bei der großen Ausschreibung vorsieht.

Scharf kalkulierende Firmenchefs fragen sich: Wie hoch liegen die Folgekosten, sprich die Betriebskosten für das superschnelle Internet? Hier können Fachleute Entwarnung geben: Wer bei seinem Provider weiterhin das langsamere Standard-Business-Produkt bucht, muss mit keinen Mehrkosten rechnen. Die Betriebskosten liegen dann nicht höher als die für einen langsamen Kupfer-Anschluss.

Die Kernener Gewerbetreibenden, die rasch aufrüsten möchten und darüber nachdenken, eventuell privat zu höheren Kosten auszubauen, interessiert das Zeitfenster für die Gemeinschaftserschließung. Bis 2019 wird es dauern, bis die Glasfaser in den drei Gewerbegebieten liegt, denn es gilt, einen Zeitplan einzuhalten. Das Projekt müsse ausgeschrieben werden, sagt Stefan Altenberger. „2019 wäre eine Hausnummer, mit der wir leben können.“

Die Gemeinde wird ihren Beitrag nicht aufstocken

Die Gemeinde Kernen ist jedenfalls nicht bereit, ihren Beitrag aufzustocken. Stefan Altenberger sagt das unmissverständlich. Ein Geschäftsmann bekräftigte aber, dass Glasfaser mit der gewünschten hohen Datenübertragungsrate, wollte man sie privat ins Firmengebäude verlegen, viel teurer komme als das Gemeinschaftsprojekt.