Kernen

Der Expressbus übertrifft die Erwartungen

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Der Relexbus am Römer Haltepunkt Karlstraße. Mit den zwei Haltepunkten in Kernen ist er erste Wahl für die Stettener Fahrgäste. © Schechinger/ZVW

Kernen. Die Strecke Waiblingen/Stetten ist der am besten ausgelastete Routenabschnitt der Relexbus-Linie X 20. Der Grund: Der schicke Expressbus lässt Haltestellen aus und ist schneller unterwegs als die Comfort-Linie 211 mit ihren zahlreichen Stopps. Überhaupt bestätigen die Zahlen, die im Verkehrsausschuss der Region präsentiert wurden, die Attraktivität des X 20. Taktverdichtung und Zusammenlegung der Tarifzonen 31 und 32 sollen der Nachfrage noch einen weiteren Schub geben.

Wie steht es um die Fahrgastzahlen der drei neuen Expressbuslinien im VVS-Streckennetz? Im Verkehrsausschuss der Region hat der zuständige Geschäftsbereich Wirtschaft und Infrastruktur den ersten kompletten Jahresbericht für 2017 vorgestellt. Dr. Jürgen Wurmthaler, leitender Direktor des Dezernats, gibt sich vorsichtig optimistisch: „Wir sind noch nicht zufrieden. Zwar hat die Linie X 20 die Prognose für den VVS überholt, aber wir sind von viel höheren Zahlen ausgegangen, davon sind wir noch weit weg.“

 

Die jetzt vorgelegten Ergebnisse der Fahrgasterhebung vom Herbst 2017 bestätigen mit 635 Kunden pro Tag die Spitzenstellung des Relexbusses, der Waiblingen mit Esslingen verbindet. Der Verkehrsverbund war in seiner Prognose 2014 von 200 Nutzern täglich ausgegangen. Die Expressbuslinie X 10 von Wendlingen zum Flughafen und der X 60, der Leonberg mit Messe und Flughafen verbindet, liegen deutlich unter den Prognosewerten.

Optimierung durch bessere Anbindung an den 211er

Der Relexbus X 20 habe sich zur stärksten Linie entwickelt, sagte Jürgen Wurmthaler gestern, wobei die neuesten Zahlen zur Auslastung im Jahr 2018 erst nach der geplanten Zählung im Oktober/November vorliegen werden. Das Jahresergebnis 2017 wurde im Herbst an zwei Tagen mit einer sogenannten „Vollerhebung“ ermittelt, bei der jede Fahrt auf jedem Fahrtabschnitt gezählt wurde. Unangefochten belegt der Streckenabschnitt Bahnhof Waiblingen/Stetten beim X 20 den Spitzenplatz, denn der Bus hält hier weniger oft als die Parallellinie 211.

Die Reststrecke über den Schurwald zum Essliner Bahnhof ist etwas schwächer nachgefragt und liegt damit in etwa auf dem Niveau der stärkeren Abschnitte des Schnellbusses X 10 von Wendlingen zum Flughafen. Die mittlere Reichweite pro Fahrgast auf allen drei Linien beträgt laut Erhebung des VVS über zwölf Kilometer und bestätigt damit die Funktion des Relex als S-Bahn-Ersatz. Aber der schnelle Relex ist auch in Kernen innerorts attraktiv, weil für den Abschnitt Rommelshausen/Stetten nur der Kurzstreckentarif anfällt. Das sind aktuell 1,40 Euro.

Günstigere Preise, bessere Abstimmung

Der VVS plant nun Optimierungen, um den Relexbus für ÖPNV-Nutzer interessanter zu machen. Zum einen wird die Zusammenlegung der Tarifzonen 31 und 32 den Fahrpreis ab April 2019 von 2,90 Euro auf 2,50 Euro verringern. Das bedeutet eine Ersparnis um 40 Cent bzw. 14 Prozent.

Ferner will die Region gegenüber dem alten Plan den Takt für den X 20 erneut verschieben, so dass die Fahrpläne der eigenwirtschaftlich betriebenen Schlienz-Linie 211 (Waiblingen/Stetten) optimal auf den Expressbus abgestimmt sind. Eine zweite Verbesserung, die aus der Fahrgasterhebung 2017 folgert, betrifft die Taktung. „Wir möchten den Halbtagestakt ausdehnen auf den Nachmittag“, sagte Jürgen Wurmthaler gestern.

Nicht nur zur Rush Hour gefragt

Die drei Relexbus-Linien sind zwar besonders stark in den Hauptverkehrszeiten gefragt, wenn teilweise alle Sitzplätze belegt sind. Am Nachmittag verteilt sich die Nutzung dann aber stärker in die Breite im Gegensatz zu den Spitzen am Morgen, wobei ab der Mittagszeit die Fahrgastzahlen in Richtung Feierabendverkehr wieder ansteigen. Gegen 16 Uhr schießt zum Beispiel die Nutzerkurve beim X 20 in die Höhe. Auch die Nachfrage in den frühen Abendstunden zwischen 17 und 19 Uhr sei unterschätzt worden.

Offenbar enden für Pendler, den Hauptnutzern des Relex, die halbstündlichen Zwischentakte zum Ende der Hauptverkehrszeit zu früh. Auch grundsätzlich sei der Stundentakt gegenüber einer im Viertelstundentakt verkehrenden S-Bahn unattraktiv. Mit dem kürzeren Intervall nachmittags würden Relexbusse weiteren Zielgruppen zugänglich, wirbt die Region.


Halbstündlicher Takt

Der Verkehrsausschuss der Region Stuttgart hat der vom Geschäftsbereich Wirtschaft und Infrastruktur beantragten Erweiterung des halbstündlichen Fahrtakts für die Expressbuslinien zugestimmt. Damit gilt auch für den X 20: Er fährt künftig auch zwischen 14.20 und 18.30 Uhr im Halbstundentakt. Bisher ist er morgens zwischen 6.30 und 8 Uhr in kurzen Intervallen unterwegs. Für den Haushalt 2019 wird ein Gesamtaufwand in Höhe von 2,38 Millionen Euro veranschlagt.