Kernen

Der Tag des Rosenkohls

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Im Bürgerhaus wurde das Gemüse verkauft. © Schneider / ZVW
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Der Rosenkohl wurde gewitzt als Dekoration verwendet. © Gaby Schneider
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Kohlköpfchen, so weit das Auge reicht, gab es beim Römer Rosenkohlfest. © Gaby Schneider

Kernen-Rommelshausen. Das Hohelied des Rosenkohls ist am Sonntag in Rommelshausen angestimmt worden. Aus gutem Grund, gehört Rommelshausen doch zu den zwei größten baden-württembergischen und fünf größten deutschen Anbaugebieten. Fünf Betriebe bauen auf 15 Hektar das Wintergemüse an. Zwei von ihnen – Haap und Fischer – stellten sich bei der Rosenkohlhocketse im Bürgerhaus vor.

Seit Generationen schon sei man in Rommelshausen auf den Rosenkohl spezialisiert, erklärte Markus Fischer. Nachdem die Betriebe einmal entdeckt hatten, dass die nicht einfach zu kultivierende Pflanze sich auf den Rommelshausener Böden sehr wohl fühlt, sammelten sie reichlich Erfahrung und Know-how.

Die nahe Landeshauptstadt garantierte zudem stets einen sicheren Absatzmarkt. Und der Rosenkohl von heute habe längst nicht mehr so viele Bitterstoffe wie der einstige Kinderschreck. Deshalb müssten frühe Sorten auch nicht mehr dem Frost ausgesetzt werden, bevor sie geerntet werden könnten. Die Erntesaison sei länger, die Pflanzen bekömmlicher und feiner im Geschmack.

Dass dies nicht nur so dahergeredet war, bewies das Team des Cafés Merlin. Es begeisterte mit einem Rosenkohleintopf, einer Quiche und einem Auflauf, jeweils mit Fleisch oder als vegetarische Variante.

Ulrich Kern empfahl dazu einen trockenen Chardonnay, Stephanie Zimmer einen Weißburgunder oder – klassisch – einen Stettener Pulvermächer Riesling. Beide waren sich einig, dass es sich beim Rosenkohl um ein würziges, geschmacksintensives Gericht handle, gegen das sich ein charakterstarker Wein behaupten müsse. Für das Dessert hatte die Bäckerei und Konditorei Emil Reimann gesorgt: Sie stellte ihren RoKo-Schocko vor, ein Trüffelpraliné mit weißer Schokolade und Rosenkohlpüree.

Für diejenigen, die sich von dem verführerischen Duft nicht beeindrucken ließen, hielten die Kreislandfrauen um Kreisvorsitzende Argula Bollinger eine Neuauflage des Kochbuchs „Kochen mit Kindern“ bereit. Der Verband, erklärte Bollinger, werbe gerade für einen Relaunch der Rommelshausener Landfrauen und bemühe sich, verstärkt jüngere Frauen für sich und die Vereinsarbeit zu begeistern.

Dass gerade Mütter sich für solche Rezepte interessieren könnten, bestätigt eine Anekdote vom Landtagsabgeordneten Jochen Haußmann: Mit Grauen denke er an den Rosenkohl seiner Kindheit zurück, gestand er. Nur mit Widerwillen habe er damals die grünen Knospen gegessen. Doch mittlerweile sei er ein wahrer Fan des Wintergemüses. Das liege wohl daran, dass die Pflanzen und die Rezepte heute nur noch wenig mit denen aus „Omas Zeiten“ gemeinsam hätten.

Sommerliche Trockenheit hat der Ernte geschadet

Dass Rosenkohl allerdings nicht nur Freude, sondern auch Mühe und Sorgen bereitet, war von Roland Haap zu erfahren. Nicht einmal die Hälfte der Menge des vergangenen Jahres betrage heuer die Ernte. Schuld seien die anhaltende Trockenheit seit April und die große Hitze. Dagegen helfe alles Gießen nicht. Die einem derartigen Stress ausgesetzte und geschwächte Pflanzen würden dann verstärkt Opfer von Schädlingen und Krankheiten. Und nicht nur der Rosenkohl habe gelitten, sondern alle Gartengemüse.

Als besonderen Blickfang präsentierte Haap Roten Rosenkohl und die Gemüseneuheit Kohlröschen, eine von den Britischen Inseln stammende Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl.


Rosenkohlanbau

Beim Rosenkohl handelt es sich um eine Varietät des Gemüsekohls aus der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler.

Hauptanbaugebiete sind Großbritannien mit 9500 Hektar, die Niederlande und Polen mit je 5000 Hektar und Belgien mit 3000 Hektar.

In Deutschland wird Rosenkohl auf 460 Hektar angebaut, davon 45 in Baden-Württemberg.