Kernen

Diakonie Stetten sucht Gasteltern für Kinder mit Behinderung

Gast-Eltern Diakonie
Gastmutter Nanny Focke mit Gastkind Johanna Brandstetter (links) im Freizeitpark. © Privat

Die „Gast-Eltern-Initiative“ der Diakonie Stetten sucht derzeit im Landkreis Esslingen nach Gasteltern, die sich vorstellen können, ein Kind mit Behinderung tage- oder wochenweise aufzunehmen. Den Eltern der Kinder soll die Aktion einer Pressemitteilung der Diakonie zufolge Entlastung ermöglichen. „Der Alltag mit einem behinderten Kind kann bereichernd, aber auch sehr fordernd sein“, teilt die Diakonie Stetten mit. Es gibt bereits einige Gasteltern, die den Angehörigen eine Auszeit ermöglichen.

Verschnaufpause für Familien

„Ich bekomme viel mehr zurück, als ich gebe“, erzählt Nanny Focke in einer Pressemitteilung über ihren Einsatz als Gastmutter. Die gelernte Intensivpflegerin nimmt Kinder mit Behinderung bei sich auf. Durch die Tätigkeit ist ihr die Belastung der Eltern bewusstgeworden: „Und gleichzeitig weiß ich, was Eltern leisten, die ein Kind mit Behinderung haben. Ich gebe meine Zeit gerne, um den Familien eine kleine Verschnaufpause zu ermöglichen.“

Seit 2018 versucht die Initiative mehr Freiraum für Eltern zu schaffen

Die „Gast-Eltern-Initiative“ im Landkreis Esslingen wurde laut Mitteilung vom Landkreis Esslingen und der Diakonie Stetten gemeinsam entwickelt und wird derzeit in enger Abstimmung angeboten.

Seit 2018 schafft die Initiative Kindern und Jugendlichen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung kurzzeitig ein Zuhause in Gastfamilien. Auch junge Erwachsene können das Angebot, solange sie noch die Schule besuchen, in Anspruch nehmen. Familien, Paare oder Einzelpersonen können nach Überprüfung durch Jugendamt und Diakonie Stetten Gastfamilien werden.

Begonnen habe Nanny Fockes Engagement als Gastmutter eher zufällig: Sie sei das „Rot-Kreuz-Bussle“ gefahren, das Kinder mit Behinderung zu Hause abholt und nach Stetten in die Schule bringt, erinnert sie sich. „So habe ich Emilio kennengelernt.“ Als der Junge kurzfristig ein neues Zuhause brauchte, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann und den drei Kindern nicht lange überlegt und den Jungen bei sich aufgenommen.

Zunächst nur als Übergangslösung gedacht, wurde Emilio der Mitteilung zufolge schnell Teil der Familie. Bis zu seinem Tod im Jahr 2020 im Alter von sieben Jahren lebte der Junge als Familienmitglied und Dauerpflegekind im Rahmen des „Betreuten Wohnens in Familien“ der Diakonie Stetten in der Familie und wurde von Nanny Focke gepflegt.

„In dieser Zeit war ich dankbar, wenn ich einmal durchschnaufen konnte. Als ich dann, nach Emilios Tod, von einer Mitarbeiterin der Diakonie Stetten gefragt wurde, ob ich mir nicht vorstellen könnte, Gastmutter für ein Mädchen mit Behinderung zu werden, habe ich schnell Ja gesagt. So kam Johanna zu uns.“

Seit zwei Jahren ist Johanna Brandstetter nun für jeweils ein Wochenende im Monat zu Gast bei Familie Focke. Die 18-Jährige ist laut Diakonie auf umfassende Unterstützung und Pflege angewiesen. „Dass Johanna regelmäßig in einer anderen Familie zu Gast sein kann, dass sie dort neue Erfahrungen macht und feste Bezugspersonen hat, empfinde ich als große Entlastung“, sagt Johannas Mutter Michaela Brandstetter „die Aufenthalte tun ihr sichtlich gut.“

Aufenthalt in der Familie wird nach Möglichkeiten und Bedarf abgestimmt

Die Gastaufenthalte von Johanna sprechen die beiden Familien flexibel je nach Möglichkeiten und Bedarf ab. „Das Engagement als Gasteltern muss zum eigenen Leben passen“, erklärt Paul Lehmann von der „Gast-Eltern-Initiative“ der Diakonie Stetten, die Gastaufenthalte für Kinder mit Behinderung aus dem Landkreis Esslingen vermittelt. Ob eine Übernachtung am Wochenende oder eine ganze Woche in den Ferien - eine bestimmte Vorgabe, wie oft und wie lange ein Kind aufgenommen werden muss, gebe es nicht.

„Grundsätzlich kann jeder nach Überprüfung durch Jugendamt und Diakonie Stetten Gastmutter oder Gastvater werden. Die Familien sind oft dankbar für jede Unterstützung.“ Letztlich müsse die Chemie zwischen den Eltern, Gasteltern und Kindern stimmen.

Auf Gastfamilien wartet eine faire Entlohnung

Eine pädagogische oder medizinische Ausbildung ist Paul Lehmann zufolge nicht zwingend notwendig, die Diakonie Stetten begleite die Gastfamilien und bereite sie umfassend auf ihre Einsätze vor. Großer Wert werde darauf gelegt, dass die Gasteltern für ihren Einsatz fair entlohnt werden; außerdem können sie verschiedene Fortbildungsangebote der Diakonie Stetten und des Jugendamtes des Kreises Esslingen nutzen. Die Gastaufenthalte werden, je nach Pflegegrad, über die Verhinderungspflege der Pflegekassen und der Eingliederungshilfe finanziert.

Zwischen Johanna Brandstetter, ihrer Familie und Gastfamilie Focke stimmt die Chemie. „Manchmal möchte Johanna einfach auf der Schaukel im Garten sitzen“, berichtet Nanny Focke, „oft basteln wir auch gemeinsam, sie macht am liebsten Geschenke für ihre Mama. Und alle drei, vier Monate gehen wir zusammen in einen Freizeitpark, das liebt sie.“ Aber: „Gasteltern für ein Kind mit Behinderung sein, das muss man wollen.“

Wenn Johanna bei Familie Focke sei, richte sich das Familienleben nach ihr, teilt Nanny Focke in der Pressemitteilung mit. Andere Arbeiten im Haushalt blieben an diesen Wochenenden liegen. Für Nanny Focke stelle das aber kein Problem dar.

Die Diakonie informiert über die Arbeit als Gastfamilie und bei Entlastungsbedarf

Wer sich für eine Tätigkeit als Gasteltern interessiert, oder selbst Entlastungsbedarf hat, erhält weitere Informationen von Miriam Hülle, Koordination Betreutes Wohnen in Familien der Diakonie Stetten unter der Telefonnummer 0 71 51/9 40 10 76 oder per E-Mail unter: Miriam.Huelle@diakonie-stetten.de.

Die „Gast-Eltern-Initiative“ der Diakonie Stetten sucht derzeit im Landkreis Esslingen nach Gasteltern, die sich vorstellen können, ein Kind mit Behinderung tage- oder wochenweise aufzunehmen. Den Eltern der Kinder soll die Aktion einer Pressemitteilung der Diakonie zufolge Entlastung ermöglichen. „Der Alltag mit einem behinderten Kind kann bereichernd, aber auch sehr fordernd sein“, teilt die Diakonie Stetten mit. Es gibt bereits einige Gasteltern, die den Angehörigen eine Auszeit

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