Kernen

DRK-Hundestaffel Kernen: Wenn Hunde helfen, Leben zu retten

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Husky Rocco (4) hat die Person in der Übung erfolgreich gefunden: Danach pendelt er zu seiner Hundeführerin. © Ralph Steinemann Pressefoto

Sams Schlappohren zucken beim leisesten Geräusch, seine Rute hält er dicht am Körper – der ganze Hund scheint gespannt zu sein wie eine Sprungfeder. Ein Ausdruck höchster Konzentration liegt auf dem ernsten Hundegesicht des zwölfjährigen Border Collies. Schon als er mit seiner Hundeführerin Andrea Patrzek um die Ecke gebogen ist, hat er die Person, die einige Meter vor ihm im Gras liegt, sofort wahrgenommen. Jetzt wartet er nur noch auf das Kommando.

20 Hunde trainieren in Kernen

Sam ist einer von insgesamt 20 Rettungshunden, die zur Hundestaffel der Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Kernen gehören. Fünf davon sind gerade für den Einsatz geprüft und dürfen im Ernstfall ausrücken: Durchschnittlich einmal im Monat wird die Kernener Hundestaffel von der Polizei zu Rettungsaktionen dazugeholt, berichtet Gruppenleiterin Jasmin Holub.

Meistens finden diese Einsätze nachts statt, nicht selten in unwegsamem Terrain. Die restlichen 15 Hunde und „ihre“ Menschen befinden sich gerade in der Ausbildungsphase. Bei Rettungshunden gilt nämlich: Nach der Prüfung ist vor der Prüfung. Alle 24 Monate müssen Hundeführer und Hund eine umfassende Prüfung mit theoretischem und praktischem Teil bestehen. Nur dann dürfen sie am Einsatz teilnehmen. Die Hundeführer haben alle mindestens eine Ausbildung zum Sanitäter. Auch diese muss einmal im Monat aufgefrischt werden.

Hund zeigt an, dass er die Person gefunden hat

Border Collie Sam ist ein richtiger Profi: Mit seinen zwölf Jahren ist er mehrfach geprüft – und einer der schnellsten Hunde der Staffel, wissen die Hundeführer. Nach dieser letzten „Amtszeit“ soll Sam in Rente gehen. Davon möchte er jetzt aber noch nichts wissen: Als seine Hundeführerin „Anzeige: Zeig’ sie mir“ ruft, schnellt er los, ist sofort neben der Person und zeigt laut bellend an, dass er sie gefunden hat.

Andrea Patrzek folgt ihrem Hund, lässt ihn einige Meter von ihrer Hundestaffel-Kollegin entfernt, die hier in der Übung gerade die vermisste Person spielt, abliegen. Erst nachdem die Hundeführerin den gesundheitlichen Zustand der am Boden Liegenden gecheckt hat, ruft sie Sam wieder zu sich. Jetzt gibt es die Belohnung: etwas ganz Leckeres zu essen.

Auch die Hunde tragen Uniform

Zweimal die Woche trainieren die Ehrenamtlichen der Hundestaffel mit den 20 Hunden für mehrere Stunden verschiedene Situationen – meistens im Wald. Dort tragen die Hunde wie im Einsatz auch eine sogenannte Kenndecke: ein Geschirr mit gut sichtbarem Roten Kreuz darauf, einer Klingel, die auch das Wild verscheuchen soll, und einem montierten Licht.

Doch auch leerstehende Gebäude sind guter Trainingsgrund, erklärt Ausbildungsleiterin Andrea Patrzek. Hin und wieder trainiert die Staffel auch in einem ehemaligen Gewächshaus, in dem ein Parcours mit Geräten aufgebaut ist.

Die Ausbildung ist aufwendig

Bis ein Rettungshund so weit ausgebildet ist, dass er zum ersten Mal zur Prüfung antreten kann, dauere es im Schnitt um die zwei Jahre, erklärt die Ausbilderin. Jeder Hund muss eine ganz bestimmte Abfolge von Arbeitsschritten erlernen – und sie weitestgehend eigenständig und zuverlässig ausführen. Denn schon in der Prüfungssituation ist das Suchgebiet rund 30 000 Quadratmeter groß – im echten Einsatz oft noch viel größer, wissen die DRK-Hundeführerinnen. In 20 Minuten muss der Hund dort zwei Personen finden, um zu bestehen.

Hunde beherrschen unterschiedliche Methoden

Es gibt übrigens verschiedene Anzeige-Typen, auf die ein Rettungshund trainiert werden kann: Die von Sam vorgeführte Technik nennt sich Verbellen: Er zeigt seinen Fund durch Bellen an und bleibt beim Vermissten. Susanne Barreuthers neunjähriger Münsterländer Donn ist ein „Bringsler“: Wenn er die gesuchte Person gefunden hat, nimmt er eigenständig eine Stoffwurst, die ihm am Halsband hängt, ins Maul, kehrt damit zu seiner Hundeführerin zurück und zeigt ihr so ohne Bellen an, dass er die Person gefunden hat. Dann führt er sie zum Fundort.

Jasmin Holubs vierjähriger Husky Rocco pendelt mit Anzeige: Wenn er jemanden gefunden hat, nimmt er kurz Kontakt zu der Person auf. Dann rennt er zurück zu Jasmin Holub und zeigt ihr, indem er sie anspringt, dass er die Person gefunden hat. Anschließend pendelt er so lange zwischen Hundeführerin und der vermissten Person hin und her, bis er „seinen“ Menschen zum Fundort geführt hat.

Sams Schlappohren zucken beim leisesten Geräusch, seine Rute hält er dicht am Körper – der ganze Hund scheint gespannt zu sein wie eine Sprungfeder. Ein Ausdruck höchster Konzentration liegt auf dem ernsten Hundegesicht des zwölfjährigen Border Collies. Schon als er mit seiner Hundeführerin Andrea Patrzek um die Ecke gebogen ist, hat er die Person, die einige Meter vor ihm im Gras liegt, sofort wahrgenommen. Jetzt wartet er nur noch auf das Kommando.

20 Hunde trainieren in

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