Kernen

Ein Film über Stettener Ortsgeschichte

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Mit ebenso neugierigem wie liebevollem Blick hat Rheinhold Reichle das Archivmaterial für seinen neuen Dokumentarfilm „Damals in Stetten“ ausgewählt. „Ich will den Stettenern sagen: Mensch, bei euch isch’s doch au schee“, so der 71-Jährige. © Habermann / ZVW
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Der freundliche Blättlesbote im Anzug: Albert Enz (um 1950). © Ernst Dietelbach
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Nicht alle Geräte hatten Stettener selbst. So kam 1978 noch der „Holzsäger“ vorbei. © Rheinhold Reichle
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Hoher Besuch: Herzog Michael von Württemberg mit Weinbergteam unter der Y-Burg. © Rheinhold Reichle

Kernen-Stetten. Von Straße zu Straße, von 1958 in die Jetztzeit und zurück: Einen Spaziergang durch Stetten unternimmt Rheinhold Reichle mit seinem neuen Dokumentarfilm „Damals in Stetten“. Dabei wirft er einen Blick auf die schönen, lustigen, kuriosen Seiten der Ortsgeschichte – und hat doch zugleich mehr als einen Nostalgiestreifen produziert.

„Pferde- und Kuhgespann werden beladen, alte Traktoren rattern durch die Gassen, prunkvolle Weinfässer lagern in dunklen Kellern“, schreibt Rheinhold Reichle über Stetten, als er sein neues Filmprojekt ankündigt. Idyllisch klingt das; auf eine durch und durch anheimelnde Weise dörflich. Nach einem nostalgischen Bild der guten alten Zeit. Doch wer nun glaubt, Reichle wolle mit seinem neuen Dokumentarfilm „Damals in Stetten“ das Hier und Jetzt beklagen, das Vergangene beweinen, der liegt weit daneben. Denn mit seinem kameragelenkten Rundgang durch den Ort will er vor allem zeigen: Aus diesem alten Stetten hat sich ein anderes, neueres, aber ebenso schönes Stetten entwickelt. Reichles Botschaft: „Mensch, bei euch isch’s doch auch schee.“

Drei Filme gedreht

Es ist nicht der erste Kernen-Film, den der 71-Jährige produziert hat. Geboren in Stetten, aufgewachsen in Rommelshausen, hat er drei Filme gedreht: einen über Rommelshausen, zwei über beide Flecken. Das war zwischen 1980 und 2003. Nun, fast fünfzehn Jahre später, hat er einen Film ganz seinem Geburtsort gewidmet.

In Gassen und Geschäften gefilmt

Die nötige Erfahrung und ausreichend Archivmaterial hat Reichle ja. Kameras sind seit seiner Jugend sein Hobby, eine eigene Werbeagentur war sein Berufsfeld. Über die Jahre hat er immer wieder in Stetten Gassen und Geschäften gefilmt. Er trug von den 1970er-Jahren an nach und nach Material zusammen, erst allein, ab 2003 mit Hilfe seiner Assistentin Monika Haas.

Etwa 2000 Arbeitsstunden hat Reichle in den Film investiert

2015 begann er sein aktuelles Projekt. Er sichtete, schnitt, synchronisierte seine archivierten Aufnahmen. Nicht alle Filmsequenzen hatten Tonspuren; bis zur Mitte der 70er-Jahre konnten Filmkameras Geräusche oder Stimmen nicht synchron mit aufnehmen, da brauchte es zusätzliche Geräte – oder die Bereitschaft zum Verzicht. So gab’s dann Traktorszenen ohne das typische Scheppern und Dröhnen, Sprecher ohne Stimme. Rund 2000 Stunden hat Rheinhold Reichle damit zugebracht, das Material zu bearbeiten, alte Aufnahmen ansehnlich zu machen, Texte einzusprechen. Nicht alles ist perfekt – die alten Kameras haben einfach nicht die Qualität geliefert, die Fernsehzuschauer heute gewohnt sind.

"Ich stelle Stetten in der Schokoladenseite dar"

Doch auf den Inhalt kommt es an: auf 60 Minuten kondensierter Ortsgeschichte. Die alte Seemühle, an der sich abends die Bauern nach getaner Arbeit auf ein Bier getroffen haben, taucht ebenso im Film auf wie giftige Spritzmittel, die Wengerter schnell von der Haut bekommen mussten; die ehemalige Bäckerei Hoss (heute Wohlgemuth), deren Scheibe ein Bäcker eines schlechten Backtages versehentlich mit zu hartem Brot eingeworfen hatte ebenso wie die Anekdote eines Stetteners, der eingebuchtet wurde, weil er während einer Hitler-Übertragung das Rundfunkkabel gekappt hatte.

Die Bilder des Guten und Anklänge des Schlechten halten sich die Waage. „Ich stelle Stetten in der Schokoladenseite dar“, sagt Reichle – doch nicht als purer Nostalgietrip. Kriegsfolgen, Kargheit: „Wir erleben heute eine so tolle Zeit. Da müssten wir eigentlich auf die Knie fallen.“


Filmpremiere

Zum allerersten Mal zeigt Rheinhold Reichle den Film am Samstag, 28. Oktober, von 19 Uhr an in der Stettener Glockenkelter. Veranstalter sind der Kernener Verein für Heimat und Kultur sowie die Stettener Landfrauen. Diese bieten auch einen kleinen Imbiss an. Der Eintritt ist frei.

Wer an diesem Abend keine Zeit hat, hat am Donnerstag, 30. November, von 19 Uhr an Gelegenheit den Film zu sehen. Der Stettener Musikverein führt ihn im Vereinsheim vor. Der Eintritt kostet dort fünf Euro.

Wer den Film daheim anschauen oder verschenken möchte, kann ihn vor Ort für 30 Euro als DVD kaufen.

Rheinhold Reichle gibt bei beiden Terminen eine kleine Einführung in den Film und steht für Fragen zur Verfügung.