Kernen

Erneut Stromausfall in Kernen

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Die Sicherung eines Privathaushalts in Stetten hat laut Remstalwerk nicht funktioniert, deshalb fiel der Schalter der nächsthöheren Sicherung im Stromverteilerkasten. Das löste in Teilen von Stetten einen Stromausfall aus. © Pixabay.com / CC0 Creative Commo

Kernen.
Zum Jahresabschluss ist in Kernen einmal mehr großflächig der Strom ausgefallen. 22 Trafo-Stationen seien ohne Strom gewesen, sagt Tobias Wiegand, der technische Leiter des Remstalwerks, unserer Zeitung. Das heißt: Mehr als 20 Straßenzüge in Stetten und Rommelshausen waren um kurz nach neun Uhr ohne Strom. Neben unbrauchbar gewordenen Toastern, Kaffeemaschinen und Wasserkochern kühlten bei Minusgraden auch viele Heizungen ab – entsprechend groß war der Ärger bei den betroffenen Bürgern.

Anders als bei manchen Stromausfällen in der Vergangenheit gingen die Lichter allerdings recht schnell wieder an: „Um 10.09 Uhr konnte die Stromversorgung für unsere Kunden wiederhergestellt werden“, schreibt das Remstalwerk. Doch woran hat’s dieses Mal gelegen?

Das Remstalwerk weist die Schuld von sich – und schimpft seinerseits auf den Verursacher. „Es war dieses Mal kein Kabelfehler“, sagt Tobias Wiegand. Eine Firma im Industriegebiet im Nordosten von Stetten habe eine eigene Trafo-Station warten lassen, ohne das Remstalwerk zu informieren.

Rund ein Drittel der circa 300 Trafostationen des Remstalwerks seien in privater Hand, so Wiegand. Für die Wartung seien die Besitzer selbst zuständig. Der jüngste Stromausfall in Kernen sei durch „menschliches Versagen“ ausgelöst worden. „Da wurde im Betrieb durch einen externen Dienstleister eine Fehlschaltung fabriziert“, schimpft Wiegand, die Folge sei ein Kurzschluss im Stettener Mittelspannungsnetz gewesen, der auch Teile Rommelshausens stillgelegt habe. Die Wartung der Station hätte das Remstalwerk, hätte es von den Arbeiten gewusst, „in dieser Form gar nicht zugelassen“, sagt Wiegand.

Kritik am Zustand des Netzes

Der Ärger beim Remstalwerk ist groß: „Es pfuscht jemand in unserem Netz herum und wir müssen den Kopf hinhalten.“ Tatsächlich steht der kommunale Stromversorger schwer in der Kritik – das dürfte sich nach dem jüngsten Ausfall, ob nun fremdverschuldet oder nicht, kaum ändern. Seit das Remstalwerk 2017 die Stromversorgung für Kernen, Remshalden, Winterbach und Urbach übernommen hat, ist es allein in Kernen zu fünf größeren Stromausfällen gekommen. Zuletzt waren Teile von Rommelshausen im Mai stundenlang ohne Strom. Auch im Bürgermeisterwahlkampf kam das Thema zur Sprache. Wahlsieger Benedikt Paulowitsch hatte bei einer Podiumsdiskussion des Zeitungsverlags im September angekündigt, er werde als Bürgermeister eine „Grundsatzdiskussion über Versorgungssicherheit“ beginnen.

Ein Gutachten der Universität Stuttgart sei schon im Gründungsjahr des Remstalwerks 2012 zum Schluss gekommen, dass es ein Fehler wäre, das kleine aus dem großen Netz herauszuschneiden. Vonseiten des Remstalwerks, dessen Aufsichtsratsvorsitzender der Kernener Ex-Bürgermeister Stefan Altenberger war, wurde immer wieder Kritik am Zustand des Netzes laut, wie es von der EnBW ans Remstalwerk übergeben worden sei. Die EnBW bestreitet diese Vorwürfe, zwischenzeitlich ruderte auch das Remstalwerk zurück. Remstalwerk-Geschäftsführerin Gabriele Laxander sagte nach einem stundenlangen Ausfall in der Nacht auf 1. Juli 2019 in Remshalden, man habe 2017 und 2018 jedes Jahr drei Millionen Euro ins Netz gesteckt. Auch in diesem Jahr seien es über eine Million Euro.. Und auch in diesem Jahr würden mehr als eine Million Euro investiert.


Die Kernener Blackout-Chronik

Zum Jahresbeginn 2017 hat das Remstalwerk die Stromversorgung für Kernen, Remshalden, Winterbach und Urbach übernommen. Seither ist es in Kernen zu mehreren Stromausfällen gekommen.

Am 23. Mai 2017 waren große Teile von Stetten und kleinere Gebiete in Rommelshausen zur Mittagszeit für drei Stunden ohne Saft. Der Rewe-Markt musste damals vorübergehend schließen. Ursache: Zwei Fehler im Mittelspannungsnetz.

Kein ganzes Jahr später, am 28. April 2018, folgte der nächste größere Blackout. Betroffen war ganz Stetten. Bis zu vier Stunden lang lagen einige Straßen nach Sonnenuntergang im Dunkeln, die Handballer mussten ein Spiel abbrechen. Ursache: ein fehlerhaftes Kabel im Mittelspannungsnetz.

Sieben Stunden ohne Strom waren manche Kernener dann am Abend des 12. November 2018. Ein „Erdschluss im Mittelspannungsnetz“ sorgte dafür, dass sowohl in Rommelshausen als auch in Stetten ganze Straßen im Dunkeln lagen, aber zum Beispiel auch die Agip-Tankstelle am Römer Ortseingang ohne Strom war. Ganz in der Nähe der Tankstelle wurde der Fehler dann gefunden: ein beschädigtes Kabel. Kein zwei Wochen später folgte ein kleinerer Blackout, nachdem im Niederspannungsbereich ein Schalter gefallen war.

Am Freitag, 24. Mai 2019, streikten am Morgen in Rommelshausen Toaster, Föhns und andere Elektrogeräte. Rund zwei Stunden dauerte es, bis die Versorgung wieder hergestellt war. Offizielle Ursache laut Remstalwerk: ein Fehler auf der Verbindungsleitung zwischen Kernen und Weinstadt. In der Kläranlage am Beibach war der Betrieb bis kurz vor 13 Uhr nur schwer eingeschränkt möglich.