Kernen

Für Drogendeal mit Minderjährigen: 27-Jähriger aus Kernen muss ins Gefängnis

Drogen dealen
Der Mann soll Marihuana und möglicherweise auch Speed verkauft haben. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Urteil des Waiblinger Schöffengerichts über den 27-Jährigen, der in einer Asylbewerberunterkunft in Kernen Drogen an zwei Minderjährige abgegeben hat, ist gefallen: ein Jahr und zehn Monate Gefängnis. Damit muss der abgelehnte, bereits hafterfahrene Asylbewerber schon nach Verbüßung der Halbstrafe mit einer Abschiebung in sein Heimatland rechnen.

Die Waiblinger Justiz mit dem Berufsrichter Steffen Kärcher sowie zwei Laienrichtern ging in diesem Fall über den Strafantrag der Stuttgarter Staatsanwaltschaft auf ein Jahr und drei Monate Gefängnis hinaus. Eine Chance auf Bewährung, wie sie der Verteidiger wollte, war nach Auffassung des Gerichts über den wegen Betäubungsmitteldelikten und Diebstählen bereits mehrfach Vorbestraften keinesfalls mehr drin.

Eines der Mädchen lebt wegen Drogenproblemen in Einrichtung

Weil der Beschuldigte die Tatvorwürfe am ersten Verhandlungstag ableugnete, musste eine 15-Jährige aus Schwaikheim in den Zeugenstand, die als glaubhaft befunden wurde. Sie war zum Tatzeitpunkt des 22. September 2021 ab 17 Uhr zusammen mit ihrer damaligen Freundin vom Angeklagten in Winnenden auf der Straße angesprochen und in die Asylbewerberunterkunft Kernen eingeladen worden.

Sie hätten von dem Mann auch ein Taxi bezahlt bekommen, berichtete die Schülerin aus Schwaikheim. Die andere Schülerin hatte der Urteilsbegründung zufolge bereits eine längere Drogenerfahrung und musste dank des Geständnisses des Angeklagten nicht unter Begleitung aus einer geschlossenen Einrichtung nach Waiblingen gebracht werden.

Der Angeklagte hat schon mehrere Haftstrafen verbüßen müssen 

Der Angeklagte, vorgeführt aus der Untersuchungshaft, wurde nach dem Prozess wieder ins Gefängnis zurückgebracht, wo er nun seine Strafhaft antreten muss. Das Gericht zeigte sich am Ende überzeugt davon, dass der Mann zumindest Marihuana und möglicherweise auch Speed, bei der Beweisaufnahme als „weißes Pulver“ geschildert, abgegeben hat. Der Mann war laut Urteilsbegründung erst wenige Wochen vor der Begegnung mit den beiden Schülerinnen aus der Haft entlassen worden und hatte selbst ein Drogenproblem. Dieser Mann, so Richter Kärcher, habe während seines Aufenthalts im Bundesgebiet „schon über längere Wegstrecken hinweg eingesperrt werden müssen“.

Die Möglichkeit, es aus der Strafhaft heraus auf eine Drogentherapie hin zu versuchen, ließ das Schöffengericht dem jetzt Verurteilten offen. Allerdings mit dem Hinweis, dass sich bei abgelehnten Asylbewerbern kaum mehr ein Kostenträger dafür finden lassen werde.

Angeklagter bittet um Verzeihung

Bis das Geständnis im Fall Drogenabgabe an Minderjährige am zweiten Verhandlungstag kam, hatte die Verteidigung alle Chancen auf Fortsetzung oder auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens offen. Der Angeklagte und sein Verteidiger Daniel Grau entschieden sich für eine Beendigung dieser Strafsache in Waiblingen.

Das letzte Wort des 27-Jährigen vor der Urteilsverkündung: „Ich bitte Sie inständig, mir das zu verzeihen. Ich werde nie wieder so etwas tun.“ Besuch im Untersuchungsgefängnis hatte der Mann nach Informationen seines Rechtsanwalts lediglich von diesem selbst und von seiner Freundin aus Washington.

Zwei Handys, welche die Polizei beim Verurteilten beschlagnahmt hat, werden nicht mehr herausgegeben. Noch nicht bezahlte Geldstrafen für vorausgegangene Straftaten wurden in das Urteil einbezogen. Darunter laut Gericht eine sexistisch verbal übergriffige Beleidigung einer Waiblinger Verkäuferin im Mai 2022.

Das Urteil des Waiblinger Schöffengerichts über den 27-Jährigen, der in einer Asylbewerberunterkunft in Kernen Drogen an zwei Minderjährige abgegeben hat, ist gefallen: ein Jahr und zehn Monate Gefängnis. Damit muss der abgelehnte, bereits hafterfahrene Asylbewerber schon nach Verbüßung der Halbstrafe mit einer Abschiebung in sein Heimatland rechnen.

Die Waiblinger Justiz mit dem Berufsrichter Steffen Kärcher sowie zwei Laienrichtern ging in diesem Fall über den Strafantrag der

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