Kernen

Fahrdienst für behinderte Schüler fiel aus - jetzt tut sich doch eine Lösung auf

Theodor-Dierlamm-Schule
Der Fahrdienst für Schüler der Theodor-Dierlamm-Schule in Stetten wurde während der Notfallbetreuung nicht angeboten. © Alexandra Palmizi

„Uns trifft es besonders hart“, sagt Birgit Salewski. Uns: Das sind Eltern, deren Kinder eine Behinderung haben und auch in der aktuellen Lage in die Notbetreuung müssen. Birgit Salewski ist Elternbeiratsvorsitzende an der Theodor-Dierlamm-Schule in Stetten. Das sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum ist in freier Trägerschaft am Heim der Diakonie Stetten und wird von 140 Schülern besucht. 70 davon wohnen in der Wohneinrichtung der Diakonie Stetten. 18 Schüler nehmen laut Diakonie-Pressesprecher Steffen Wilhelm an der Notbetreuung teil. Vier Schüler würden gerne, können es aber nicht, weil der Fahrdienst nicht angeboten wird und die Kinder anderweitig nicht zur Schule kommen.

Info kam einen Tag vor der Notbetreuung

In der Regel werden die Schüler vom Fahrdienst, in diesem Fall das Deutsche Rote Kreuz, von zu Hause abgeholt, zur Schule gefahren und nach Unterrichtsschluss abgeholt. Doch seitdem die Familien am Dienstag, einen Tag vor der Notbetreuung, von der Schule Bescheid bekommen haben, ist es anders.

Eltern fahren ihre Kinder eigenständig zur Betreuung

Just das ist das Problem, das sowohl Birgit Salewski, aber auch anderen Eltern Sorgen bereitet. Während der Notbetreuung wird der Fahrdienst nicht angeboten. Eltern, die die Möglichkeit haben, fahren ihre Kinder eigenständig zur Betreuung.

So auch Birgit Salewski, sie fährt ihren 16-jährigen Sohn Silas, der eine Trisomie 21 hat, von Winterbach nach Stetten. Die 54-Jährige ist berufstätig und muss sich das Bringen und Abholen ihres Sohnes einrichten, damit er in der Zeit zwischen 8.15 und 12.15 Uhr an der Notbetreuung teilnehmen kann.

Alleinerziehend, berufstätig und keine andere Möglichkeit

Von diesen Sorgen ist auch die 51-jährige Alexandra Gnann betroffen. Die zweifache Mutter und Kauffrau ist alleinerziehend. Gnann fährt ihre 17-jährige Tochter, die geistig behindert ist, von Bad Cannstatt nach Stetten zur Theodor-Dierlamm-Schule. Eine andere Lösung hat Alexandra Gnann nicht. „Ich bin jetzt anderthalb Stunden auf der Straße, dafür, dass meine Tochter vier Stunden Betreuung hat“, sagt die zweifache Mutter. Erst gegen neun Uhr komme sie in ihrem Büro an und müsse sich wieder um halb zwölf auf den Weg machen, damit sie ihre Tochter rechtzeitig von der Schule abholen und ihrer Arbeit nachgehen kann.

Wenn möglich, versuche sie, ihre Arbeit von zu Hause aus zu erledigen, aber das funktioniere nicht immer. Und da sie ihre Tochter ohne Beaufsichtigung zu Hause nicht alleine lassen kann, muss sie an manchen Tagen mit: „Ich schleife sie dann in die Firma“, sagt Gnann. Zufrieden ist sie mit dieser Lösung nicht. Aber: „Ich habe keine andere Möglichkeit.“

„Ich bin sehr enttäuscht, ich stehe unter Strom“

Bisher war sie äußerst begeistert gewesen, wie die Schule seit Corona alles geregelt und organisiert habe. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagt sie, „ich stehe total unter Strom.“ Enttäuscht – nicht von der Schule, sondern vom Landkreis, der die Kosten der Beförderung während der Notfallbetreuung nicht übernehmen möchte. „Weshalb ist es im Rems-Murr-Kreis anders?“, fragt sie sich. Schließlich würden in allen anderen Landkreisen die Schüler auch gefahren.

Weshalb es so ist, auf diese Frage hat auch die Diakonie Stetten keine Antwort. „Wir können es im Moment leider nicht anbieten, weil keine Kostenzusage vorliegt“, sagt Steffen Wilhelm, Pressesprecher der Diakonie Stetten. Als Schulträger organisieren sie die Fahrdienste und das Landratsamt übernimmt im Nachgang die Kosten.

Landratsamt übernimmt die Kosten doch

Doch die Kostenzusage kommt doch noch – am Freitag kurz nach 14 Uhr teilt die Pressestelle des Landratsamts mit: „Heute Mittag hat das ÖPNV-Amt des Landratsamts entschieden, auch die Kosten für die Schülerbeförderung zur Notbetreuung für die Zeit vom 16. Dezember bis zu den Weihnachtsferien zu übernehmen.“ Auch die Kosten, die diese Woche bereits angefallen sind, sollen übernommen werden.

„Uns trifft es besonders hart“, sagt Birgit Salewski. Uns: Das sind Eltern, deren Kinder eine Behinderung haben und auch in der aktuellen Lage in die Notbetreuung müssen. Birgit Salewski ist Elternbeiratsvorsitzende an der Theodor-Dierlamm-Schule in Stetten. Das sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum ist in freier Trägerschaft am Heim der Diakonie Stetten und wird von 140 Schülern besucht. 70 davon wohnen in der Wohneinrichtung der Diakonie Stetten. 18 Schüler nehmen laut

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