Kernen

Falsche Verdächtigung oder Falschaussage?

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Waiblingen/Kernen. Ein junger Rommelshausener ist vom Vorwurf der Sachbeschädigung freigesprochen worden. Der Hauptzeugin hingegen droht nun ein Ermittlungsverfahren. Dem 22-Jährigen wurde vorgeworfen, im vergangenen Juli im Außenbereich des Café Merlin in der Stettener Straße 2500 Euro Schaden verursacht zu haben.

Ein Samstagabend im Juli: Eine Gruppe junger Leute, 19, 20 Jahre alt, trifft sich am Bürgerhaus. Sie haben etwas zu trinken dabei, etwas zu knabbern. Wodka gab’s, werden sich einige der jungen Leute später erinnern. Sie machen es sich auf Sitzgelegenheiten in der Nähe gemütlich: Blechstühlen, Strandkörben eines Cafés. Laut und lustig geht’s zu; zwischendurch schaut eine Polizeistreife nach dem Rechten und nimmt von Einzelnen die Personalien auf. Nach Mitternacht löst sich die Runde auf.

In etwa so soll es sich in der Nacht vom 22. auf 23. Juli abgespielt haben, sagen sechs der Fellbacher und Kernener nun, ein halbes Jahr später, aus. Dass in derselben Nacht Polster und Streben aus zwei Strandkörben, die Körbe aus ihrer Verankerung gerissen wurden, außerdem ein Sonnenschirm abgeknickt wurde: Davon wollen sie nichts mitbekommen haben.

Nur einer – noch der auskunftsfreudigste der Zeugen – meinte sich zu erinnern, dass ein Sonnenschirm umgekippt sei. Aber wer das gewesen sei, wisse er nicht.

19-Jähriger bestreitet die Tat

Vor Gericht steht ein 22-Jähriger, der bereits für Vergehen von Fahren ohne Fahrerlaubnis bis zu Körperverletzung polizeibekannt ist. Eine 19-Jährige gab bei der Polizei an, sie habe gesehen, wie er einen der Strandkörbe kaputtgemacht hat. Nun wird ihm gemeinschaftliche Sachbeschädigung vorgeworfen. Doch auch er beharrt darauf, dass nichts passiert sei. „Es war eigentlich recht lässig“, sagt er. An diesem Platz habe sich die Gruppe häufig getroffen. Nie habe jemand „randaliert oder so was“.

Die 19-Jährige jedoch hat ihn bei der Polizei eindeutig identifiziert, mit Vornamen und einem Bild auf ihrem Smartphone. Darauf war der junge Mann zu erkennen, wie er in einem Strandkorb sitzt. Der Polizist erkannte ihn auf dem Foto wieder. Im Korb sitzen, mag sein. Aber Sachbeschädigung? „Es geht ums Prinzip, dass man mir irgendwas anhängt“, ereifert sich der Kernener. Warum die junge Frau ausgerechnet ihm etwas anhängen solle? Das wisse er auch nicht, „das war eine Bekannte“.

Hauptzeugin bestreitet, den 22-Jährigen angeschwärzt zu haben

Die junge Frau indes macht sich bei der Verhandlung rar. Trotz Ladung erscheint sie erst, nachdem Richter Dustin Dautel schon eine Polizeistreife damit beauftragt hat, sie von der Arbeit abzuholen. Vor Gericht dann die Überraschung: Die Zeugin bestreitet, den jungen Mann als Täter angegeben zu haben. Sie habe doch gesehen, wie dieser am Strandkorb „rumgerissen“ und ihn kaputtgemacht habe, zitiert Dautel aus dem Vernehmungsprotokoll. „Das habe ich nicht gesagt“, widerspricht die 19-Jährige. Aber das Protokoll habe sie doch eigenhändig unterschrieben, hakt die spürbar verärgerte Staatsanwältin nach. „Unterschreiben Sie alles, was man Ihnen hinlegt, ungelesen?“ Doch die junge Frau bestreitet weiter ihre Aussage. Richter Dautel spricht den 22-Jährigen schließlich frei. „Ein Kind von Traurigkeit sind Sie nicht, aber dafür scheinen Sie nicht verantwortlich zu sein.“


Nachspiel für die Zeugin

Bereits in der Sitzung ist die Zeugin mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro, ersatzweise drei Tage Ordnungshaft, belegt worden. Der Grund ist, dass sie nicht zur Verhandlung erschienen ist: Zeugen sind grundsätzlich verpflichtet, ihrer Ladung zu folgen.

Darüber hinaus droht ihr ein Ermittlungsverfahren. Sowohl für eine falsche Verdächtigung bei der Polizeibefragung als auch für eine Falschaussage vor Gericht kann sie belangt werden.

Wer jemanden wider besseres Wissen bei der Polizei oder anderen Behörden anschwärzt – also falsch verdächtigt –, kann nach dem Strafgesetzbuch mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe belegt werden.

Als Zeuge oder Sachverständiger vor Gericht falsch auszusagen wird ebenfalls streng geahndet: Für Falschaussagen sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor.