Kernen

Flüchtlinge in Kernen ziehen in die Neubauten am Weihergraben und in der Robert-Bosch-Straße um

Kernen Flüchtlingsunterkunft
Die beiden Neubauten in der Robert-Bosch-Straße in Rommelshausen: 18 Wohnungen für Geflüchtete. © ALEXANDRA PALMIZI

In Kernen leben zurzeit 212 Geflüchtete in den sogenannten Anschlussunterbringungen: viele von ihnen bereits in den neu gebauten Sozialwohnungen am Weihergraben und in der Robert-Bosch-Straße. Außerdem gibt es aber noch zahlreiche andere Wohnungen, die die Gemeinde für diesen Zweck gemietet hat, auch auf der Hangweide leben immer noch 36 Personen. Andere Wohnungen fallen bald weg, weil der Mietvertrag ausläuft. Gibt es trotzdem genügend Plätze?

Aufnahmesoll wurde 2020 erfüllt

Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Kernen ihr Aufnahmesoll erfüllt: 45 Geflüchtete sind nach Stetten und Rommelshausen umgezogen, zugeteilt vom Landratsamt.

Dass Kernen in dieser Hinsicht seine Pflicht erfülle, sei sehr wichtig, so Bürgermeister Benedikt Paulowitsch in der letzten Gemeinderatssitzung, für die die Verwaltung einen Lagebericht zur Unterbringungssituation vorbereitet hatte.

Denn wenn Kernen nicht so viele Geflüchtete aufnimmt wie festgelegt, muss eine andere Gemeinde in die Bresche springen – das sei wenig solidarisch. „Wir sind seit 2015 nicht gerade der Musterschüler im Rems-Murr-Kreis“, kritisiert er. „Das haftet uns im Interkommunalen an.“ Andere Kommunen hätten seitdem verstärkt ein Auge darauf, ob Kernen in dieser Hinsicht auch wirklich sein Soll erfüllt.

50 Geflüchtete sind in den Neubau "am Weihergraben" gezogen 

Dass Kernen dieses Jahr besser dasteht als sonst, hängt vor allem damit zusammen, dass es zwei neue Wohnkomplexe gibt. Ende des vergangenen Jahres hat die Kreisbaugesellschaft das Bauprojekt „Am Weihergraben“ fertiggestellt: Beim Friedhof Rommelshausen sind auf Gemeindefläche insgesamt 36 Wohnungen in Holzmodul-Bauweise errichtet worden. 24 davon sind für einkommensschwache Bürger reserviert, zwölf dienen der Anschlussunterbringung von Flüchtlingen.

Mittlerweile sind dort schon 50 Personen eingezogen, berichtet Marianne Rapp, Leiterin des Ordnungsamtes. Dabei habe die Gemeinde ganz genau darauf geachtet, wer wo hinzieht: „Wir haben die Geflüchteten miteinbezogen, geschaut, wer arbeitet, wer macht eine Ausbildung, wer hat Kinder, wer hat mit wem früher schon gut zusammengewohnt“, erklärt sie. „Es war ein Kraftakt, aber im Großen und Ganzen hat alles funktioniert.“

Wohnungen für Flüchtlingsfamilien in der Robert-Bosch-Straße

Auch aktuell ziehen Geflüchtete aus Altbauten, in denen die Gemeinde Wohnungen angemietet hat, in neue Unterkünfte um. Außer der Unterkunft am Weihergraben ist auch in der Robert-Bosch-Straße ein Neubau errichtet worden: Hier stehen insgesamt 18 Wohnungen für die Anschlussunterbringung zur Verfügung, seit Anfang März ist hier alles so weit fertig, dass die Menschen jetzt einziehen können.

Während im Quartier am Friedhof der Schwerpunkt auf kleineren Wohnungen mit einem oder zwei Schlafzimmern liegt, wodurch es besonders für Einzelpersonen oder Ehepaare geeignet ist, gibt es in der Robert-Bosch-Straße gleich zwölf Wohnungen mit drei Schlafzimmern: Hier sollen Familien mit mehreren Kindern einziehen. Die restlichen sechs Wohnungen sind für Einzelpersonen gedacht.

Die neuen Plätze sind schon wieder weg

Obwohl die Gemeinde dank der beiden Neubauten im Moment ganz gut dastehe, müsse man sich trotzdem Gedanken für die Zukunft machen, erklärt Marianne Rapp. Im Laufe des Jahres fallen nämlich fünf Wohnungen weg: Die Gemeinde hatte diese angemietet, jetzt laufen die befristeten Mietverträge aus. Davon seien etwa 20 Personen betroffen. Bis Ende 2021 muss die Gemeinde außerdem 25 weitere Personen aufnehmen. Und dann sind da noch die 36 Geflüchteten, die in einem Gebäude auf der Hangweide wohnen. Wie lange diese dort noch bleiben können, ist im Moment noch unklar.

Auch die 26 Einzimmer-Container in Stetten seien keine Lösung für die Ewigkeit, so die Ordnungsamt-Leiterin Marianne Rapp. „Es ist eine ziemlich angespannte Situation“, fasst Bürgermeister Benedikt Paulowitsch zusammen.

Um mehr Plätze zu schaffen, will die Verwaltung deswegen auch in Zukunft versuchen, weitere Wohnungen anzumieten oder zu kaufen. Zusätzlich könnten an der Hauptstraße, in der Klosterstraße und auf der Hangweide zusätzliche Unterbringungen entstehen.

In Kernen leben zurzeit 212 Geflüchtete in den sogenannten Anschlussunterbringungen: viele von ihnen bereits in den neu gebauten Sozialwohnungen am Weihergraben und in der Robert-Bosch-Straße. Außerdem gibt es aber noch zahlreiche andere Wohnungen, die die Gemeinde für diesen Zweck gemietet hat, auch auf der Hangweide leben immer noch 36 Personen. Andere Wohnungen fallen bald weg, weil der Mietvertrag ausläuft. Gibt es trotzdem genügend Plätze?

Aufnahmesoll wurde 2020

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