Kernen

Flüchtlingscontainer im Schrebergarten

Flüchtlinge Flüchtlingsunterkunft Notunterkünfte Kernen Schrebergarten Schrebergärten_0
Christel Wölfle und das Ehepaar Kieweg auf ihren Gartengrundstücken hinterm Jugendhaus. Jetzt wurden ihre Verträge gekündigt. © Schechinger/ZVW

Kernen-Rommelshausen. Das Rommelshausener Ehepaar Kieweg und Christine Wölfle aus dem Thüringer Weg sind sprachlos. Die Gemeinde hat ihnen und zwei türkischen Pächtern ihre drei Schrebergärten hinterm Jugendhaus gekündigt. In die Gartengrundstücke sollen Container für Flüchtlinge gestellt werden. Ersatzfläche habe Kämmerer Hoppe, so Christel Wölfle, im Gespräch nicht wirklich angeboten. BM Stefan Altenberger zeigte sich gestern großzügiger. Sogar eine Ersatzzahlung steht im Raum.

Christel Wölfle steht am Feldweg Richtung Fellbach vor ihrem drei Ar großen Grundstück. An der Straße stehen Brombeerbüsche. Kartoffeln, Zwiebeln, Kürbisse und Zucchini baut sie hier an. Am hinteren Grundstücksrand stehen Träublesstauden. Wölfle gärtnert auf ihrer Parzelle nicht nur an fast jedem Sommertag, auch die Lage ist günstig. Die Rentnerin gießt ihr Gemüse mit Regenwasser, das sie zu Hause in einem 60-Liter-Fass im nahen Thüringer Weg sammelt.

Dass Kämmerer Bernd Hoppe bei ihr anrief und ihr wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel die Kündigung ihres Pachtverhältnisses verkündete, ergänzt um die Ankündigung, er werde in Kürze vorbeikommen, um ihre Unterschrift abzuholen, hat sie geärgert. „Einen Ersatz hat er nicht angeboten, er hat mir nur durch die Blume angedeutet: eventuell ...“

Pro Standort geht Kernen von 30 Personen aus

Das Ehepaar Kieweg bewirtschaftet unmittelbar daneben ein drei Ar großes, gepflegtes Gartengrundstück seit 1948. Unterm Vlies wachsen schon Frühkartoffeln. Gemüse und Himbeeren zieht das Paar auf der Parzelle seit Jahren. Auch ihnen wurde der Pachtvertrag gekündigt. In drei aneinander angrenzenden Schrebergärten – der dritte wird von zwei Türken genutzt – sollen Container für Flüchtlinge aufgestellt werden, um so die Strafgebühren, die Kernen wegen fehlender Unterkünfte an den Landkreis zahlen muss, zu minimieren. „Wie viel Container da drauf kommen sollen, kann ich nicht sagen“, beschied BM Stefan Altenberger gestern. „Ich kann auch nicht sagen, ob wir das wirklich brauchen. Das hängt von der Hangweide ab. Ich muss die Fläche jetzt für Container vorhalten bei den Zahlungen, die uns ins Haus stehen.“

Die Landratsamt von Kernen verlangt, erfolgt jeweils monatlich. Für Januar bis März werden in Kürze rund 160 000 Euro fällig. Der Gemeinderat hatte Anfang des Jahres eine Zahlung abgelehnt, so dass das Gremium jetzt, nachdem Altenberger in Rücksprache mit dem ersten Landesbeamten Michael Kretschmar in Sachen Strafgebühr eingelenkt hat, die dafür notwendigen überplanmäßigen Ausgaben genehmigen muss.

Containerlösung günstiger als Zahlung an den Kreis

Wie jüngst erläutert treibt das Rathaus, um die Fehlbelegerabgabe so niedrig wie möglich zu halten, jetzt parallel zu den laufenden Bauprojekten für Flüchtlinge die Aufstellung von Containern voran. Als Standorte vorgesehen seien der Parkplatz an der Alten Kelter in Rommelshausen oder ein Platz hinter dem Jugendhaus sowie die Frauenländerstraße neben dem Musikvereinsheim in Stetten, so stand es jüngst im Mitteilungsblatt. Betroffen sind jetzt also die drei Gartengrundstücke hinterm Jugendhaus. Rund 30 Personen könnten hier unterkommen. Die Containerlösung sei deutlich günstiger als die Zahlung an den Kreis, begründet Stefan Altenberger.

Christel Wölfle sagt, sie habe, nachdem sie die Hiobsbotschaft vernommen habe, sofort einen SPD-Gemeinderat angerufen. „Es gibt dafür keinen Gemeinderatsbeschluss“, habe der geschimpft. „Und an dieser Stelle wäre es das Allerletzte. Hier gibt's keinen Strom, kein Zuwasser. Die Leitungen müsste man erst noch verlegen.“

Altenberger macht gestern keinen Hehl aus der akuten Notlage der Gemeinde. Sollte es zur Unterschrift der Diakonie unter einen Kaufvertrag für die Hangweide bis Juli kommen, stünde das Rathaus auch dort vor der Frage: Container oder Ertüchtigung der alten Gebäude. Auch dazu gebe es im Rathaus noch keine Entscheidung. Was Ersatz für die gekündigten Schrebergärten betrifft, zeigte sich Altenberger jedoch konziliant. „Wenn die woanders etwas wollen, werden wir uns drum kümmern. Und wenn sie ein paar 100 Euro wollen, zahlen wir auch einen Schadensausgleich.“