Kernen

Freizeitparadies für 200 000 Euro

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Junge Kletterer des DAV gehen an glatten Felswänden hoch. Die Boulderwand bietet die Herausforderung am künstlichen Fels. © Archiv Climbing Team

Kernen-Stetten. Die drei Meter hohe Boulderwand wird für Jugendliche zur Attraktion im Stettener Haldenbachtal werden. Da ist sich DAV-Bezirksgruppenchef Helmut Reinhard Kernen felsensicher. Nach seiner Idee realisiert Kernen auf dem heruntergekommenen Spielplatz im Täle die naturnah gestaltete Felswand als Teil einer völligen Neukonzeption. Bouldern, das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken und Felswänden, ist heute Trendsport.

Kernen macht beim Bowl-Skaten und Bouldern den Vorreiter. Im Unterschied zum Klettern ist Bouldern eine Insider-Sportart. Wenn die im Kernener Gemeinderat beschlossene Boulderwand gebaut sein wird, stehen mit dem DAV-Klettergarten im alten Steinbruch und der Boulderanlage unter freiem Himmel in Stetten zwei attraktive Sportstätten zur Verfügung. Was genau ist Bouldern? Das englische Wort „boulder“ bedeutet Felsblock. Bouldern bezeichnet Klettern ohne Seil. In der vor allem von jungen Athleten bevorzugten Disziplin steigt man an Felsblöcken hoch, von denen man noch abspringen kann. Manche kommen bei drei Metern an ihre Grenzen, andere bei fünf Metern. In Stuttgart steht eine der weltweit größten Kletter- und Boulderanlagen. Dort bouldert man indoor auf 4,50 Meter Höhe, draußen auf vier Meter.

Bouldern erfordert mehr Kraft als Klettern

Klettern und Bouldern unterscheiden sich vor allem darin, dass ein Boulder, sprich ein Kletterblock, im Vergleich zu einer Kletterroute kompakter und komprimierter ist. Das Bouldern erfordert mehr Kraft, das Klettern mehr Ausdauer. Und die Technik spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. So startet man bei bestimmten Felsblöcken im Sitzen. Die Hände umklammern die Griffe, bevor der Athlet dann den Hintern langsam vom Boden hebt. Das kostet ziemlich viel Kraft.

Die im Stettener Haldenbachtal geplante Boulderwand hat eine maximale Höhe von drei Metern. Sie verläuft zickzackförmig, besteht aus einem Betonkern mit Fuß, wobei die Wände mit Spritzbeton naturnah gestaltet werden sollen. Vorgesehen hat das Stuttgarter Büro Plankontor S 1 in der Zickzacklinie zwei Wandelemente und eine Brücke. Möbliert wird diese Kletteranlage für ältere junge Leute auf dem Familienspielplatz mit Rechteckbänken.

Der DAV soll 15 000 Euro zuschießen

Die Anlage soll im nördlichen Teil des komplett erneuerten Spiel- und Grillplatzes stehen. Angeregt hatte sie der Chef der DAV-Bezirksgruppe Remstal Helmut Reinhard. Als das Projekt als Haushaltsantrag auf die kommunalpolitische Agenda geriet, war noch von geringeren Kosten die Rede als die jetzt kalkulierten rund 77 500 Euro. Der DAV stellte damals einen Zuschuss in Höhe von 10 000 Euro in Aussicht, der Lionsclub Remstal weitere 15 000 Euro. Dass das Gesamtprojekt der Spielplatzumgestaltung in der teureren Variante des Vorentwurfs mit vier Modulen (von Nord nach Süd Boulderwand, Kletterlandschaft, Wasserspielbereich, Grillplatz) nun 260 000 Euro kosten sollte, ließ den Gemeinderat ziemlich ratlos. Ingrid Möhrle (SPD) war das „Modell de Luxe“ mit seinem Kostensprung von 90 000 auf 260 000 Euro nicht zu vermitteln. Auch die preisgünstigere Variante, bei der auf eine Hangrutsche mit Sandbereich verzichtet werden soll, mochten die Ratsmitglieder bei dem Bruttopreis von 199 000 Euro nicht akzeptieren. UFW-Fraktionschef Hans Dietzel: „Ich erwarte, dass da der Alpenverein noch drauflegt und dass wir einen Deckel einziehen.“

So beschloss das Gremium die abgespeckte Gesamtvariante unter der Bedingung, dass die Kommune nur maximal 170 000 Euro zahlt. Voraussetzung wäre, dass der DAV als Mitnutzer seinen Anteil von 10 000 auf 15 000 Euro aufstockt.

„Das Bouldern ist die Zukunft“

Tatsächlich erhält der Grill- und Spielplatz mit dem kleinen Wasserbereich nun Angebote für alle Altersgruppen: Bouldern für die Älteren, Klettern, Hangeln und Balancieren für Kinder zwischen fünf und 12 Jahren, einen Wasserspielplatz mit Pumpe, Wasserrinne und Matschbereich für die Kleinkinder. Die Eltern können sich auf dem Grillplatz am Südende, der aus zwei Tisch- und Bankkombinationen besteht, dazu gemütlich niederlassen.

„Das Bouldern ist die Zukunft“, warb Beigeordneter Horst Schaal für die Anlage. Sie biete eine Vielfalt an Aktivitäten, einen künstlichen Kletterfels, zu dem die jungen Leute mit dem Auto pilgern. Der Spritzbeton schafft eine profane Betonwand inmitten der Natur im Haldenbachtal.

Der Spiel- und Grillplatz an der Tälesstraße wird aus Modulen bestehen. (Grafik: ZVW/Rathaus Kernen)