Kernen

Generationswechsel im Blumenladen Maile

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Irmgard Maile (69) gibt ihr Blumengeschäft nach 35 Jahren weiter an die Weinstädterin Maike Ehlert (26). Der Name „Maile“ bleibt. © ZVW/Gaby Schneider

Kernen-Rommelshausen.
Nach 35 Jahren ist Schluss. Der Blumenladen in der „Römer“ Ortsmitte bekommt ein neues Gesicht. Mit einem Kafka-Zitat hat Irmgard Maile (69) in Facebook bereits Abschied von ihren Kunden genommen: „Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“

Dreieinhalb Jahrzehnte lang hat Irmgard Maile den Blumenladen geführt, der vor sechs Jahren von der Hegnacher in die Waiblinger Straße umgezogen ist. Das Schöne an ihrer Arbeit, um bei Kafka zu bleiben, ist für Maile bis heute der Kontakt zu ihren Kunden – die werden ihr fehlen. „Jeder Kunde ist verschieden, man kennt sich über viele Jahre, weiß, wer krank war, ob jemand gestorben ist, geheiratet oder ein Kind bekommen hat.“ Dieses Wissen bringen die Anlässe mit sich, zu denen Menschen Blumen kaufen.

Name bleibt, Geschäft wird sich wandeln

Nur als verlängerten Arm ihres Mannes, Gärtner Ernst Maile, der für die Unabhängigen Freien Wähler im Gemeinderat sitzt, hat sich Irmgard Maile nie verstanden. „Ich sag’ immer: Wenn ihr was von meinem Mann wollt, meldet euch bei ihm. Ich höre hier nichts und sehe hier nichts“, sagt die Blumenverkäuferin und lacht.

Mailes Nachfolgerin wird für die Kunden keine Unbekannte sein: Maike Ehlert (27) übernimmt das Geschäft zum 1. Januar. Sie arbeitet bereits seit fünf Jahren im Laden mit. Der Name „Maile“ bleibt, doch das Geschäft selbst wird sich wandeln. Ehlert wird es Anfang des Jahres neu ein- und ausrichten, ehe es am 17. Januar wieder öffnet.

Erst schneiderte Irmgard Maile Anzüge, dann schnitt sie Blumen

Ihre Noch-Chefin Irmgard Maile hatte ursprünglich mit Blumen gar nichts am Hut. Als junge Frau machte die Rommelshausenerin eine Ausbildung zur Damen- und Herrenschneiderin, fertigte in Stuttgart Kleider und Anzüge. Das änderte sich, als sie mit Anfang 30 Ernst Maile heiratete – und fortan in der Gärtnerei ihres Mannes mitschaffte, die mittlerweile in dritter Generation betrieben wird.

Vor 35 Jahren begann Irmgard Mailes Zeit als Verkäuferin im Hofverkauf in der Waiblinger Straße. Das Handwerk lernte sie von Kolleginnen und bei Kursen. Als die Gärtnerei das Geschäft einstellte, merkte Maile, wie sehr ihr der Kontakt zu den Kunden fehlte. Kurzerhand wurde in der Hegnacher Straße ein Gewächshaus leergeräumt und zum Ladengeschäft umfunktioniert. Der Umzug von der Hegnacher in die Waiblinger Straße zur Miete vor sechs Jahren war dann der richtige Schritt. „Die Lage ist natürlich gigantisch“, sagt Maile. Aus Rommelshausen weg wollte sie eh nie, auch wenn das zwischenzeitlich zur Debatte gestanden habe. Doch warum hört sie eigentlich auf?

Mit 69 dürfe man ja wohl kürzertreten, findet Irmgard Maile. Schließlich fahre sie noch immer viermal die Woche in aller Herrgottsfrüh, um 3.30 Uhr, auf den Großmarkt nach Stuttgart. Das sei übrigens ein Erfolgsrezept des Ladens: „Ich habe frische Ware, die ich schon um 8 Uhr nicht mehr bekomme.“ Ganz einstellen wird Maile ihre Arbeit mit den Blumen nicht: Auch in Zukunft wird sie sich auf dem Friedhof um die Grabpflege kümmern und im Mai beim Balkonverkauf in der Gärtnerei helfen.

Geschäftsführerin mit 27 Jahren: „Ich weiß, wie der Hase läuft“

Im Laden aber hat mit dem Jahreswechsel die 42 Jahre jüngere Beutelsbacherin Maike Ehlert das Sagen, eine gelernte Floristin, die schon immer den Wunsch nach Selbstständigkeit hegte. Ehlert ist in Weinstadt zur Schule gegangen, hat dann in Fellbach gelernt, ein Jahr lang in der Stuttgarter Markthalle gearbeitet und seither bei Maile gearbeitet. Im Laden, für den sie den Pachtvertrag übernimmt, stehen zunächst einige Renovierungsarbeiten an, dann wird er neu eingerichtet.

Jünger, moderner soll er werden, stärker aktuelle Trends berücksichtigen, Wohn-Accessoires und kleine Geschenkartikel anbieten. Und natürlich weiter mit Handwerk und Frische punkten: „Mit Schnittblumensträußen“, sagt Ehlert, „kann man sich von den Supermärkten abheben.“ Furcht vor dem Schritt in die Selbstständigkeit hat die junge Frau nicht: „Ich bin hier schon so lange dabei, ich weiß, wie der Hase läuft.“

Irmgard Maile, die scheidende Chefin, ist froh, dass der Laden weiter besteht. Maike Ehlert ist für sie „ein Glücksfall“.

Kernen-Rommelshausen.
Nach 35 Jahren ist Schluss. Der Blumenladen in der „Römer“ Ortsmitte bekommt ein neues Gesicht. Mit einem Kafka-Zitat hat Irmgard Maile (69) in Facebook bereits Abschied von ihren Kunden genommen: „Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“

Dreieinhalb Jahrzehnte lang hat Irmgard Maile den Blumenladen geführt, der vor sechs Jahren von der Hegnacher in die Waiblinger Straße umgezogen

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