Kernen

Geschlossenes Vereinszentrum: Wie die Mitglieder die Sportvereinigung Rommelshausen durch die Coronakrise retten

Sportpunkt
Nichts los im Sportpunkt der Sportvereinigung Rommelshausen. Studioleiter Patrick Entreß hofft weiter auf die Solidarität der Mitglieder. © Gabriel Habermann

In Vereinen sind Menschen vereint, das sagt schon der Name. Das Konzept funktioniert in Zeiten von coronabedingter Kontaktbeschränkung nicht wirklich. Doch wie geht es den Vereinen in Kernen eigentlich? Das wollte die Gemeinde jetzt bei einer Videokonferenz herausfinden. Mit dabei war auch die Sportvereinigung Rommelshausen, die erst im vergangenen Jahr ein vier Millionen Euro teures Sportzentrum eröffnet hat und jetzt auf die Solidarität ihrer Mitglieder angewiesen ist.

Die Römer Sportler zählen mit rund 2300 Mitgliedern zu den größten Clubs in Kernen. Die Verantwortlichen haben sich schon lange vor der Krise intensiv mit ihrer Zukunft auseinandergesetzt – und einen großen Schritt gewagt. Für fast vier Millionen ist der Sportpunkt entstanden, ein modernes Fitnesscenter am Ortsrand von Rommelshausen. Bislang lief alles nach Plan, die Mitgliederzahl im Sportpunkt kratzt an der Tausendergrenze. Doch nach etwas mehr als einem Jahr Betrieb darf seit Anfang April keiner mehr hier trainieren. „Mit der Situation war nicht zu rechnen“, sagt René Marek (43), Vorstandsmitglied in der Sportvereinigung. Und wie es weitergeht, ist ungewiss.

Die große Ungewissheit ist eines der Probleme, die alle Vereine haben

Diese Ungewissheit ist eines der großen Probleme aller Vereine in der momentanen Lage. Das zeigte sich auch beim digitalen Treffen des Kernener Bürgermeisters Benedikt Paulowitsch und des Hauptamtsleiters Stefan Reichmann mit Vertretern von rund 35 Vereinen am vergangenen Montag. In dem eineinhalbstündigen Austausch per Videokonferenz sei es unter anderem um Fragen zur Rechtslage, zu Veranstaltungsplanungen, zu den finanziellen Auswirkungen, aber auch um eine Modernisierung der Vereinsarbeit durch eine eigene Plattform gegangen, heißt es aus dem Rathaus.

Für die Sportvereinigung Rommelshausen war René Marek zugeschaltet. Er berichtet: „Es klang durch, was zu erwarten war: Auch die Gemeinde hat wenige Infos, wie es weitergeht. Wir alle sind derzeit Getriebene der Informationen, die von Land und Bund kommen.“

Hauptamtsleiter Stefan Reichmann bestätigt das: „Viele Vereine möchten gerne wissen, wann sie Trainingsbetrieb oder Proben wieder aufnehmen können. Wir können hier derzeit leider nur auf die geltende Landesverordnung verweisen, die dies nach wie vor untersagt.“ Die Lage sei nach wie vor dynamisch und wöchentlich würden sich Änderungen ergeben. Benedikt Paulowitsch wird im Bericht aus dem Rathaus aus der Konferenz mit den Vereinen zitiert: „Wir müssen auf längere Zeit mit Ungewissheiten leben. Sehr wohl aber dürfen wir erwarten, dass die Politik auf Bundes- und Landesebene in Form von Szenarien mehr Planbarkeit ermöglicht.“

René Marek von der Sportvereinigung hegt die Hoffnung, dass der vereinseigene „Sportpunkt“ bald wenigstens wieder Kurse im Freien anbieten darf. Momentan produzieren die Verantwortlichen täglich Videos für den Youtubekanal des Sportpunkts. Das Angebot reicht von Yoga über Bauch-Beine-Po bis Pilates. Auch auf die Wünsche der Mitglieder werde eingegangen, sagt Marek. Dass aber die aufwendig und teuer hergerichteten Trainingsräume sich in naher Zukunft wieder mit Sportlern füllen, sieht der 43-jährige Kriminalbeamte noch nicht. Könnte das den Verein in finanzielle Schieflage bringen?

Appell an die Mitglieder: „In schlechten Zeiten zusammenhalten“

Ja, bestätigt Marek, die Gefahr besteht durchaus. Bislang aber seien die finanziellen Auswirkungen der Krise für die „Römer“ nicht zu spüren. Das liege vor allem an der „überragenden Solidarität“ der Mitglieder. „Wir haben an alle Mitglieder appelliert, ihre monatlichen Beiträge trotzdem zu zahlen“, sagt Marek, „in der Hoffnung, dass sie auch in schlechten Zeiten zu uns halten.“ Die allermeisten seien der Bitte nachgekommen, sowohl was die Mitgliedsbeiträge als auch die Beiträge der Sportpunktnutzer angeht: „Wir waren echt begeistert über den Zusammenhalt.“ Den im Sportpunkt angemeldeten Mitgliedern hat der Verein jetzt ein Angebot gemacht: Sie dürfen die Monate, in denen geschlossen war und in denen sie trotzdem ihren Beitrag gezahlt haben, im kommenden Jahr abfeiern – also zum Beispiel beitragsfrei in den Urlaub fahren.

Vor finanzielle und emotionale Herausforderungen werden aber auch viele Vereine gestellt, die kein Fitnessstudio betreiben – zum Beispiel durch den Ausfall von Konzerten, Festen und anderen Veranstaltungen. Im Rathaus wurde angesichts der geltenden Verordnungen bereits der Tag der Begegnung, das Stettener Straßenfest, das Sommerfest in Rommelshausen sowie der Kultursommer im Schlosspark gestrichen. Bei der Konferenz am Montag bat Paulowitsch die Vereine, Feste und Events bis Ende August ebenfalls abzusagen. Für die Zeit danach will die Verwaltung weitere Entwicklungen abwarten: „Wir alle müssen verinnerlichen, dass es gut möglich ist, dass in diesem Jahr keine Veranstaltungen mehr möglich sein könnten“, so Paulowitsch.

Eine zentrale Plattform für alle Vereine?

Mit den Vereinen will er weiter in Kontakt bleiben. „Wir werden in den kommenden Tagen einen Fragebogen an alle Vereine versenden und verschiedene Informationen erheben. Hierzu gehören auch Angaben zu finanziellen Ausfällen aufgrund der Coronalage. Auf Grundlage dieser Daten können wir gemeinsam über weitere Schritte und Instrumente beraten, um unseren Vereinen zu helfen.“ Ein weiteres Projekt für dieses Jahr könnten erste Grundlagen für eine Vereinsplattform in Kernen sein, heißt es aus dem Rathaus, das sich hierzu mit der Bürgerstiftung austauscht. „Das Ehrenamt gerät auch ohne Corona unter Druck. Wir müssen gemeinsam überlegen, wo wir unter anderem durch eine Zentralisierung von Aufgaben für die Vereine Zeit und Geld sparen können. Ein gutes Beispiel hierfür sind die jährlichen Steuererklärungen. Aber auch die Themen Kooperation bei Veranstaltungen, Marketing und Räumlichkeiten eignen sich für eine bessere Verzahnung“, so Paulowitsch. Einen besseren Zeitpunkt für ein solches Projekt gebe es wohl nicht.

In Vereinen sind Menschen vereint, das sagt schon der Name. Das Konzept funktioniert in Zeiten von coronabedingter Kontaktbeschränkung nicht wirklich. Doch wie geht es den Vereinen in Kernen eigentlich? Das wollte die Gemeinde jetzt bei einer Videokonferenz herausfinden. Mit dabei war auch die Sportvereinigung Rommelshausen, die erst im vergangenen Jahr ein vier Millionen Euro teures Sportzentrum eröffnet hat und jetzt auf die Solidarität ihrer Mitglieder angewiesen ist.

Die Römer

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