Kernen

Inklusives Naturbad in Kernen-Stetten nicht barrierefrei: Baumaßnahmen notwendig

Sin-Bad
Der Steg soll umgebaut und rollstuhlgerecht gemacht werden. © Alexandra Palmizi

Jahrelang war das Naturbad in der Frauenländerstraße nur den Bewohnern mit Behinderung und den Mitarbeitern der Diakonie Stetten mit ihren Familien vorbehalten. Das änderte sich mit dem Betreiberwechsel. Im Sommer 2019 gab die Diakonie Stetten bekannt, aufgrund des neuen Bundesteilhabegesetzes das Naturbad mit einer Gesamtwasserfläche von rund 460 Quadratmetern und 1800 Quadratmeter großer Liegefläche nicht mehr betreiben zu können.

Um das Bad mit barrierefreiem Zugang, chemiefreier Wasserreinigung und Biotop-Flächen am Leben zu erhalten, gründeten Ehrenamtliche den gemeinnützigen Verein „Sin-Bad“ im September 2020 und suchten Mitglieder sowie Unterstützer.

Verein hat inzwischen 250 Mitglieder

Inzwischen hat der Verein 250 Mitglieder. Dass es so viele werden, hätten die Ehrenamtlichen nach der Gründung nicht gedacht. "Wir hatten anfangs etwas Bauchweh", gesteht Gabi Kepp. „Wir sind unter schweren Corona-Bedingungen gestartet“, sagt die Vereinsvorsitzende. Einen Bezug zum Naturfreibad hatte Gabi Kepp schon immer, weil ihr Sohn, Bewohner der Diakonie Stetten, das Naturbad immer gerne genutzt hat.

Gabi Kepp sitzt dem Verein vor, sie wird von Ivonne Diederichs-Richter vertreten. Die Aufgabe des Kassenwarts übernimmt Gabi Rose.

Das Ziel des Vereins war zum einen, das Bad am Leben zu erhalten, und zum anderen, für Menschen mit und ohne Behinderung eine inklusive Begegnungsstätte zu schaffen. Jedoch konnten die Ehrenamtlichen aufgrund der Corona-Pandemie in dieser Hinsicht nicht viel unternehmen.

In Zeiten von Corona konnten nur bestimmte Events für Mitglieder, etwa ein Lichterfest im Oktober, stattfinden. „Das war total süß“, erinnert sich Gabi Kepp. Das Naturbad wurde mit Kürbissen, die die teilnehmenden Kinder aushöhlen durften, dekoriert. Weitere Aktionen, unter anderem die inklusive Veranstaltungsreihe „Café Spezial“ der Diakonie Stetten oder ein Adventsfest, mussten zunächst auf Eis gelegt werden.

Doch geschlossen hatte das Freibad nie: Mitglieder, die einen Schlüssel besitzen, können jederzeit und bei jedem Wetter baden. „Wir haben auch zwei Winterbader“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Das Schilf muss geschnitten werden

Mit der Hoffnung, dass in diesem Jahr möglichst viele Veranstaltungen umgesetzt werden können und nicht erneut der Pandemie zum Opfer fallen, stehen noch einige Arbeiten auf dem Gelände an. Noch in diesem Monat soll das Schilf „eine Hand breit über dem Wasser“ geschnitten werden, damit sich der „Bio-Filter“ erholen kann. Denn das Wasser wird durch den Pflanzenbereich gereinigt – ganz ohne Chemie. „Das Wasser strömt durch den Quellstein wieder aus“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Dort, wo sich der große Stein auf dem kiesbedeckten Beckenboden befindet, gibt es eine flache, rollstuhlgeeignete Rampe, um ins Wasser zu gelangen. Darüber hinaus gibt es eine Leiter. Wer möchte, kann auch ins Wasser springen. „Die tiefste Stelle beträgt 1,40 Meter“, sagt Gabi Kepp.

„Wir haben sehr rührige Mitglieder, die sich um alles kümmern“

Damit das Naturbad stets gepflegt und sauber ist, gibt es vier Gruppen von Ehrenamtlichen. Das Team „Technik“ ist für die Wartung zuständig, kontrolliert die Wasserqualität und reinigt den Beckenboden. Die Mitglieder des Teams „Garten“ mähen den Rasen, rechen das Laub und kümmern sich um das ganze Grün auf dem Gelände. Für Events auf dem „Sin-Bad“-Areal ist das Team „Veranstaltung“ verantwortlich. Das Team „Spenden und Fördergelder“ hingegen freut sich über finanzielle Mittel und nimmt sie entgegen. Kurzum: „Wir haben sehr rührige Mitglieder“, sagt Gabi Kepp, „die sich um alles kümmern.“

Nicht alles ist rollstuhlgerecht

In dem idyllischen Naturfreibad gibt es allerdings ein Problem: Nicht alles ist rollstuhlgerecht. Zwar können Rollstuhlfahrer über eine Rampe ins Becken gelangen, aber Sanitäranlagen wie Duschen und Toiletten sind nicht barrierefrei. Auch der Steg ist nicht breit genug, dass alle Besucher darauf können. Hierbei könne sich der gemeinnützige Verein auf Fördermittel etwa von der Aktion Mensch bewerben. Doch dort ist der nächste Haken: „Das riesengroße Problem ist, dass wir keine Firma für einen Kostenvoranschlag finden“, sagt Gabi Kepp. Aufgrund der Pandemie blieb die Suche bislang erfolglos. Und ohne eine Berechnung könne sich der Verein nicht bei geeigneten Stellen bewerben. Diese Baumaßnahmen sind notwendig, damit das Bad künftig von allen Besuchern problemlos und ohne Einschränkungen genutzt werden kann.

Weitere Informationen zum Verein gibt es auf der Internetseite unter https://sinbad-stetten.de/.

Jahrelang war das Naturbad in der Frauenländerstraße nur den Bewohnern mit Behinderung und den Mitarbeitern der Diakonie Stetten mit ihren Familien vorbehalten. Das änderte sich mit dem Betreiberwechsel. Im Sommer 2019 gab die Diakonie Stetten bekannt, aufgrund des neuen Bundesteilhabegesetzes das Naturbad mit einer Gesamtwasserfläche von rund 460 Quadratmetern und 1800 Quadratmeter großer Liegefläche nicht mehr betreiben zu können.

Um das Bad mit barrierefreiem Zugang, chemiefreier

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