Kernen

Jeden Tag verstopfte Straßen

1/2
Kernen Karlstraße Verkehr Stau_0
Jeden Morgen staut sich der Verkehr in Rommelshausen. Hier in der Karlstraße könnte sich Beigeordneter Peter Mauch Tempo 30 vorstellen. © Habermann/ZVW
2/2
mauch
Beigeordneter Peter Mauch hat sich mit unserer Zeitung über die hohe Verkehrsbelastung in Kernen unterhalten – er gehört selbst zu den rund 5200 Pendlern, die täglich nach Kernen fahren. © Benjamin Büttner

Kernen. Zäh fließt der Verkehr frühmorgens und nach Feierabend durch Rommelshausen, auch auf den Landesstraßen durch Stetten reiht sich Auto an Auto. Wie soll sich das ändern? Bauamtschef Peter Mauch sieht die Kommunen in der Pflicht, will „an vielen Stellschrauben drehen“. Eine Pförtnerampel am Ortseingang sieht er skeptisch, knüpft eine enge Verbindung zur Wohnungsnot und könnte sich Tempo 30 auf der Karlstraße vorstellen.

Der Kernener Bauamtschef selbst fährt jeden Morgen von Ludwigsburg zu seinem Arbeitsplatz in Rommelshausen. Peter Mauch gehört damit zu den rund 5200 Pendlern, die zum Arbeiten nach Kernen kommen. Diese Gruppe besetzt 78 Prozent der mehr als 6600 Arbeitsplätze in der Gemeinde. Rund 5200 Kernener hingegen, das sind 33 Prozent der Einwohner, verlassen Kernen am Morgen und machen sich auf den Weg in eine andere Stadt – die meisten von ihnen arbeiten in Stuttgart. Kein Wunder also, dass zu den Hauptverkehrszeiten großer Betrieb auf den Straßen der Gemeinde herrscht. Zumal zum Quell- und Zielverkehr zahlreiche Pendler hinzukommen, die Stetten oder Rommelshausen durchfahren, um an ihr Ziel zu gelangen – oder einem Stau auf der Bundesstraße auszuweichen.

Tempo 30 in der Karlstraße? „Darüber könnte man nachdenken“

Regelmäßig ist etwa die Karlstraße, die durch Rommelshausen führt, in den Morgen- und Abendstunden überlastet. Und auch auf der Landesstraße zwischen Stetten und Weinstadt staut sich der Verkehr bis tief in den Ort hinein. „Die Situation verschärft sich Jahr für Jahr“, sagt Peter Mauch, „das ist aber kein spezielles Problem des Remstals, sondern der gesamten Region.“ Wenn im neuen Jahr alte Diesel-Autos nicht mehr nach Stuttgart fahren dürfen – die Verbotszone beginnt hinter dem Kappelbergtunnel –, wird der Verkehr auf den Ausweichrouten noch zunehmen. Ein Beispiel: Wer bislang mit seinem Diesel-Auto aus dem Remstal über Stuttgart zum Flughafen gefahren ist, gelangt nun über den Schurwald und Esslingen zur Autobahn – eine Route führt durch Stetten.

An „vielen verschiedene Stellschrauben“ gilt es zu drehen, um des Verkehrschaos Herr zu werden, sagt Peter Mauch. Wobei er Maßnahmen wie der Pförtnerampel, die im Rahmen der millionenschweren Mobilitätsplattform am Rommelshausener Ortseingang von Weinstädter Seite her installiert werden soll, skeptisch gegenübersteht. Die intelligente Ampel soll reagieren, wenn die Bundesstraße dicht ist – und so den Kollaps des innerörtlichen Straßennetzes verhindern. „Ich habe meine Zweifel, ob das insgesamt zu einer Verbesserung führt“, sagt Mauch. Ein anderer regulierender Eingriff in den Straßenverkehr gefällt ihm schon besser: die Tempo-30-Grenze in der Stettener Ortsdurchfahrt. „Darüber könnte man auch auf der Karlstraße nachdenken, damit der Verkehr ortsverträglich abgewickelt wird“ – leiser, schadstoffärmer.

Wichtiger als verkehrstechnische Lösungen sind dem Beigeordneten strukturelle Lösungsansätze. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zum Beispiel muss sich deutlich verbessern. Er denkt dabei an den recht teuren Verkehrsverbund, den ausbaufähigen Takt und die gefährlichen Bahnsteige der Haltestellen Stetten-Beinstein und Rommelshausen. Wobei diese Verbesserungen „auch wirtschaftlich darstellbar“ sein müssten, betont Mauch. Utopische Forderungen möchte er nicht formulieren. Mit den neuen VVS-Zonen und der Busverbindung von Kernen nach Weinstadt träten ja erste Verbesserungen in Kraft.

Neues Wohngebiet Hangweide – nimmt der Verkehr weiter zu?

Eine Menge zu tun gibt es auch beim Radwegenetz, das noch viel zu wünschen übriglässt, wie Mauch zugibt. Hier fordert insbesondere die Offene Grüne Liste Verbesserungen, die bereits vor dem Eingang entsprechender Fördergelder für ganz große Maßnahmen umgesetzt werden können – Stichworte: mangelhafte Beschilderung, unklare Wegführung.

Eng verknüpft mit der Verkehrsbelastung sieht Mauch die Wohnungsnot: „Da sind alle Kommunen gefordert, Jobs und Wohnungen zusammenzubringen. Je weniger bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist, desto weiter werden die Wege der Pendler. Das geht nur, wenn die Kommunen das Thema ernst nehmen und Flächen bereitstellen.“

Doch wird der Verkehr in Kernen nicht zunehmen, wenn irgendwann tatsächlich 800 bis 1200 zusätzliche Einwohner auf die Hangweide am Ortsrand von Rommelshausen ziehen? Peter Mauch beschwichtigt: „Das sind circa acht Prozent Bevölkerungszuwachs. Das führt im innerörtlichen Verkehr nicht zur Überlastung, ganz sicher.“ Klar sei aber: „Es ist zwingend erforderlich, dass wir die Hangweide optimal an den ÖPNV und über Fuß- und Radwege auch an Rommelshausen anbinden.“


Jeder ist gefragt

Es gibt immer mehr Autos. In Kernen kommen 600 Autos auf 1000 Einwohner, fast 100 mehr als noch vor 25 Jahren. „80 Prozent der Fahrten sind hausgemacht, Binnenverkehr“, sagt Peter Mauch. Der Trend gehe zum Zweit- und Drittwagen. Mauch findet: Jeder Einzelne ist gefragt, sein Verhalten zu hinterfragen: „Muss ich wirklich jeden Meter mit dem Auto fahren?“