Kernen

Junger Firmenchef aus Kernen für Betrug verurteilt

Amtsgericht Waiblingen Symbolfoto
Symbolfoto. © Joachim Mogck

Mit einer harten Bauchlandung vor dem Richtertisch endete der Höhenflug eines heute 27 Jahre alten Mannes, der vor über drei Jahren ein Unternehmen gekauft hatte, das elektrisch betriebene Marmorheizkörper herstellte und andere haustechnische Geräte verkaufte. Der Mann wurde damals alleiniger Inhaber und Geschäftsführer. Wegen Betrugs wurde er nun zu sechs Monaten Freiheitsentzug und 10.000 Euro Werteinzug verurteilt. Wobei die Haftstrafe auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde,.

Bedingung ist, dass sich der Verurteilte in dieser Zeit nichts zuschulden kommen lässt und er in den kommenden sechs Monaten entweder 500 Euro an die Straffälligenhilfe Baden-Württemberg e.V. bezahlt oder 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableistet. Außerdem muss er die Verfahrenskosten tragen.

Seiner Firma stand "das Wasser bis zum Hals"

Richter Johannes Weigel sah es als erwiesen an, dass der junge Mann versucht hatte, sich einen Kredit von 10.000 Euro zu beschaffen, „als ihm Ende 2018 das Wasser bis zum Hals stand“, so der Richter. Der angeklagte studierte Betriebswirt war zunächst als Unternehmensberater tätig, ehe er im April 2018 als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer das Unternehmen erwarb. Bereits beim Kauf sei er „hereingelegt“ worden, berichtete er dem Richter.

Zu dem Betrieb hätte eigentlich ein intaktes Vertriebsnetz gehört, auf das er hätte zurückgreifen können. Doch das nutzte der Vorbesitzer weiter für sich, so dass er nun ohne Vertriebsnetz und dadurch bedingt so gut wie ohne Umsatz dastand.

Heute ist er Unternehmensberater

Mittlerweile habe er sich von dem Betrieb wieder getrennt und bemühe sich, als selbstständiger Unternehmensberater einen Kundenstamm für sich aufzubauen, aber es seien noch Gerichtsverfahren am Laufen. Da er aber von dem von ihm vertriebenen Produkt, den mit elektrischem Strom betriebenen Marmorheizplatten, überzeugt war, habe er sich dazu entschlossen, seine eigene, mit Gas beheizte Wohnung damit auszustatten.

Er nahm also als Privatperson im Oktober 2018 einen Kredit über 10.000 Euro auf und erwarb dafür von seiner Firma die Marmorheizplatten. Es handle sich bei diesen um Infrarotheizungen, deren Betrieb günstiger sei als der von gasbetriebenen Heizungen. Mittlerweile würden die Platten in seinem Keller zwischengelagert, ein Teil sei beim Auszug aus Kernen zerbrochen. Den Hinweis des Richters, dass es sich bei 10.000 Euro um keine kleine Summe handle, beantwortete er, die finanzielle Situation seiner Firma sei zwar angespannt gewesen, seine private aber okay.

Weiteres Darlehen nicht angegeben

Der Betrag sei nach Abschluss des Kreditvertrags auch problemlos auf das Konto seiner Firma überwiesen worden. Er habe lediglich versichern müssen, dass die Platten auch tatsächlich geliefert würden. Einen bereits bestehenden Darlehensvertrag über 21.580 Euro habe er bei Vertragsabschluss nicht angegeben, da es sich bei diesem um einen Leasingvertrag für seinen Firmenwagen, einen Audi A5, handelte, und bei diesem nur noch 9000 Euro für die Übernahme des Fahrzeugs offen gewesen wären.

Als der Richter ihm vorhielt, dass er ab August 2018 keine Unternehmensgewinne mehr auf sein Privatkonto überweisen konnte und alle Auszahlungsaufträge durch die Bank verweigert wurden, weil er bereits den Kreditrahmen in Höhe von 2000 Euro gesprengt hatte, erklärte der Angeklagte dies damit, dass es ihm nicht gelungen sei, Kunden zu gewinnen. Als er den Kreditvertrag abschloss, versicherte er, habe er auch die Absicht gehabt, die sechzig Monatsraten über 175 Euro zu bezahlen.

Von den ab November fälligen Tilgungsraten wurde dann allerdings keine einzige bedient. „Über Monate hinweg wurden von Ihrer Bank die Zahlungsanweisungen zurückgewiesen, trotzdem nahmen Sie das Darlehen auf“, so Richter Weigel in seiner Urteilsbegründung zu dem Angeklagten. „Obwohl Sie wussten, dass Sie das Geld für die Tilgung nicht hatten. Sie konnten und wollten den Kredit nicht zurückzahlen.“

Richter: "Sie wollten, dass das Geld bei Ihnen bleibt"

Die 10.000 Euro seien direkt an das Unternehmen gegangen, dessen alleiniger Gesellschafter er war. „Sie wollten, dass das Geld bei Ihnen bleibt. Es ist allein Ihnen zugutegekommen.“ Ein derartiges Verhalten sei strafbar als Betrug.

Für den Angeklagten spreche, dass er bisher noch nicht straffällig geworden sei und er in festen Familienverhältnissen lebe. Dies habe es erlaubt, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, so der Richter.

Mit einer harten Bauchlandung vor dem Richtertisch endete der Höhenflug eines heute 27 Jahre alten Mannes, der vor über drei Jahren ein Unternehmen gekauft hatte, das elektrisch betriebene Marmorheizkörper herstellte und andere haustechnische Geräte verkaufte. Der Mann wurde damals alleiniger Inhaber und Geschäftsführer. Wegen Betrugs wurde er nun zu sechs Monaten Freiheitsentzug und 10.000 Euro Werteinzug verurteilt. Wobei die Haftstrafe auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt

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