Kernen

Jungwinzerin des Jahres kommt aus Stetten

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Stefanie Karpf ist mit Leib und Seele Wengerterin. © ZVW/Alexandra Palmizi

Kernen. Unkompliziert sollen ihre Weine sein. Wer sich nach Feierabend ein Viertele gönnt, soll vom ersten Schluck an den Tropfen genießen dürfen, sagt Stefanie Karpf vom Weingut Zimmer über ihre Art, die Weine auszubauen. Seit zwei Jahren verantwortet die 31-Jährige den Keller des elterlichen Weingutes in Stetten. Die Fachzeitschrift „Selection“ kürte sie zur Jungwinzerin des Jahres in Württemberg.

Stefanie Zimmer steht für einen Trend im Weinbau. Immer häufiger sind es die Töchter, die das Weingut ihrer Eltern übernehmen. In den Wengerterfamilien im Remstal haben Frauen schon immer „ihren Mann“ gestanden. Nicht nur bei der Lese, am Kochtopf im Besen oder beim Verkauf an der Probiertheke. Nach außen repräsentierte jedoch meist der Mann die Weine. Dieses Bild ändert sich. Es sind die Töchter, die die Betriebe führen. So auch Stefanie Karpf beim Stettener Weingut Zimmer. Seit Kindesbeinen an war für sie klar, dass sie das Sieben-Hektar-Weingut mit Besenwirtschaft am Ortsrand von Stetten übernehmen will.

In den Weinbauschulen sind Frauen längst keine Exotinnen mehr, sagt Stefanie Karpf und erinnert sich an ihre eigene Schulzeit vor 15 Jahren. „Wir gingen ganz normal miteinander um.“ Sie weiß aber auch, dass Vorreiterinnen wie die Stettener Wengerterin Barbara Medinger, die 1988 das Weingut ihrer Eltern übernommen hatte, in Stetten als Exotinnen galten.

Frauen legen mehr Geduld an den Tag

Die Frage, ob Frauen andere Weine machen als Männer, lässt Stefanie Karpf offen. Aber Frauen, vermutet sie, haben „eine feinere Nase“. Und Frauen legen mehr Geduld an den Tag, wenn der Wein nicht gleich so will, wie er soll. „Lass’ ihn einfach“, habe sie schon des Öfteren ihrem Vater geraten. Und mit ihrem Vertrauen recht behalten.

Als 16-Jährige hat Stefanie Karpf ihre Winzerlehre begonnen und bei den renommierten Remstäler Weingütern Gerd Aldinger und Hans Haidle sowie im Staatsweingut Weinsberg gelernt. Ihren Techniker machte sie im fränkischen Veitshöchheim. Dazwischen schaute sie sich ein halbes Jahr in Neuseeland um, was sie einerseits als einen Schritt in die Selbstständigkeit als Winzerin wertet und andererseits als Horizonterweiterung. Zurück sei sie gekommen mit dem Vorsatz: „Wir müssen alles anders machen!“ Mit der Zeit spürte sie, dass es gar nicht nötig ist, die Weinwelt im Remstal auf den Kopf zu stellen. Aber in den letzten Jahren habe sie dem Weingut durchaus ihren Stempel aufgedrückt.

Weine müssten auf Anhieb verstanden werden

So hat sie 2013 mit ihrem Vater begonnen, das Weingut auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Aus voller Überzeugung. „Du fängst wieder bei null an“, lernten sie und ihr Vater Walter Zimmer, die Pflanzen als Ganzes zu betrachten und in einer Symbiose mit der Natur zu denken. Klar. Bio ist mit mehr Aufwand und Handarbeit verbunden, was sich leider nicht in den Preisen niederschlägt, bedauert die Wengerterin. Sie wünscht sich, dass die Kunden regionaler einkaufen. Sei es Wein oder seien es Obst und Gemüse.

Vor zwei Jahren übernahm sie die Verantwortung im Keller. Als fruchtiger als früher beschreibt sie ihre Weine. Und ihr Credo lautet, unkomplizierte Weine auszubauen und die Kunden nicht zu überfordern, zum Beispiel mit einem weißen Barrique. Weine müssten auf Anhieb verstanden werden – sprich: genossen. Im Sommer hat sich Stefanie Karpf bei der Weinzeitschrift „Selection“ um die Auszeichnung „Beste Jungwinzerin des Jahres“ beworben – und gewann den Wettbewerb in Württemberg. Im Deutschland-Ranking landete sie unter 24 Bewerberinnen auf Platz fünf. Im Frühjahr hatte „Selection“ der Remshaldenerin Sylvia Häfner-Hutt den Titel „Württembergs Winzerin des Jahres“ verliehen.

Der Pulvermächer Riesling unter der Yburg ist „unser Juwel“

Die Wengert des Weinguts Zimmer sind rund um die Yburg in Stetten und in Strümpfelbach. Den Pulvermächer-Riesling von der Yburg nennt Stefanie Karpf liebevoll „unser Juwel“. Mit einem Anteil von rund 60 Prozent liegt der Schwerpunkt klar auf Weißweinen. Außer der Hauptsorte Riesling laufen die Burgunder hervorragend. Ja, man könne durchaus von einem Boom der Grauen und Weißen Burgunder sprechen, die ihr Vater vor 18 Jahren angepflanzt hat. Einer der Zimmerschen Grauburgunder sei kürzlich beim Bioweinpreis mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden, merkt sie beiläufig an. Dass Burgunder überhaupt im Remstal gedeihen, sei eine Folge des Klimawandels, erzählt sie die Anekdote von ihrer Großmutter, die sich auch in diesem Jahr wunderte, dass die Lese Ende September vorbei sei. Früher hätten sie den Trollinger oft erst im November geerntet.

Die vierte Generation im Weingut Zimmer steckt schon in den Windeln. Stefanie Karpfs Sohn Leon ist sieben Monate alt. So ein Baby stellt das ganze Leben auf den Kopf, hat sie erfahren. Ihr Mann hat ein Jahr Elternzeit genommen, sie kümmert sich mit ihrem Vater um das Weingut. Ihrem Sohn, Jahrgang 2019, widmet Stefanie Karpf nun eine Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon – namens „Leon“.


Der Natur angepasst

„Jede Rebsorte und jeder Rebstock pflegen wir individuell und passen uns der Natur an“, beschreibt das Stettener Weingut Zimmer seine Philosophie, das 2013 auf biologische Bewirtschaftung umgestellt hat. „Die Nachhaltigkeit hat in der Bewirtschaftung unserer Weinberge oberste Priorität und legt somit den Grundstein für die Zukunft unserer wertvollen Kulturlandschaft.“