Kernen

Kernen: Bürgermeister Paulowitsch will härter gegen Beleidigungen vorgehen

BenediktPaulowitsch
Bürgermeister Benedikt Paulowitsch hat die Mitarbeitenden im Rathaus angewiesen, Beleidigungen anzuzeigen. © ZVW/Gaby Schneider

Die Ausschreitungen in Großstädten in der Silvesternacht haben vielerorts eine Diskussion über ein Böllerverbot angeregt. Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch äußerte sich dazu nun auf Facebook. Seine Botschaft: Nicht die Böller sind schuld, die Gewaltbereitschaft habe generell zugenommen. 

Beleidigungen und Bedrohungen nehmen auch in Kernen zu

„In Kernen erleben wir Bilder dieser Dimension nicht“, stellt der Rathaus-Chef bezüglich der Silvester-Krawalle fest. Und dennoch: Auch im Rathaus wird eine zunehmende Aggressionsbereitschaft durch Anrufer verzeichnet. Ob es um Rettungskräfte, Feuerwehrleute, Mitarbeitende in der Verwaltung oder des Bauhofs geht: Alle würden vermehrt in Form von Beleidigungen, sogar Bedrohungen angegangen.

Stressfaktor Glatteis: Viele Beschwerden, darunter einige Beleidigungen

„Wir hatten beim Blitzeis-Phänomen etwa 15 Beleidigungen gegenüber dem Ordnungsamt“, teilt die Gemeinde mit. Gemeint ist der rasante Kälteeinbruch in der Woche vor Weihnachten, mit dem wohl die wenigsten gerechnet hatten. Laut wurden die Stimmen, die der Meinung waren, die Straßen seien nicht schnell genug geräumt worden. „Ich zahle Steuern, also räumt meine Einfahrt“, sei die Aussage eines Anrufers gewesen, sagt der Bürgermeister. Das gehe so nicht, betont er.

Er hat den Mitarbeitenden im Rathaus vorgegeben, beleidigendes Verhalten zur Anzeige zu bringen. Passiert sei bisher jedoch wenig, heißt es aus dem Rathaus. Auf Nachfrage des Bürgermeisters, warum niemand ein solches Verhalten meldet, habe es geheißen: „Ich glaube, die Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst haben sich in den vergangenen Jahren an ein solches Verhalten gewöhnt.“

Das bestätigt auch Feuerwehrsprecher Andreas Wersch: „Meistens ärgert man sich, dann macht man weiter.“ Er beobachtet, dass die Ungeduld vieler Bürger seit der Corona-Pandemie größer geworden ist. Das reiche von „einen Vogel zeigen“, wenn das Martinshorn ertönt, bis hin zu Autofahrern, die keinen Platz machen. Einmal habe sich ein Anwohner während eines Einsatzes über ein Fahrzeug beschwert, dessen Motor nicht abgeschaltet wurde – um Einsatzgeräte am Laufen zu halten. Er sei sich nicht sicher, ob einige Beschwerden in Unwissenheit gründen oder wirklich nur Ungeduld dahinterstecke. Generell findet er: „Im Vergleich zu Berlin ist die Welt in Kernen in Ordnung.“

Zunehmende Gewaltbereitschaft

Auch im Rathaus wird die Zuspitzung der Gesamtsituation seit der Corona-Pandemie beobachtet: „Insbesondere seit der Corona-Zeit ist die Zündschnur bei vielen spürbar kürzer geworden mit der Folge, dass die Kommunikation von Bürgerseite aggressiver und fordernder geworden ist“, so Paulowitsch. Und das zeigt sich nicht nur bei der Verwaltung – auch andere Bereiche des öffentlichen Dienstes sind von zunehmender Gewaltbereitschaft betroffen.

Uwe Heinrich, Leiter des Betriebshofes, bestätigt die Zunahme aggressiver Kommunikation seit der Corona-Pandemie. Er schildert Fälle, in denen Mitarbeitende der Grünpflege als „Amateure und Nichtskönner“ beschimpft wurden. Aus seiner Sicht sei das aber harmlos, als verbale Gewalt sehe er diese Übergriffe „eher nicht“.

Auch er erinnert sich an die Woche vor Weihnachten, in der in Kernen viel Schnee lag. Bei der Räumung habe er selbst miterlebt, dass Anwohner hinter dem Räumungsfahrzeug erbost hinterherschimpften.

Wer zuvor seinen Schnee auf die Straße geschippt hatte, was Uwe Heinrich zufolge gar nicht erlaubt sei, fand ihn auf dem Gehweg wieder, sobald der Räumungsdienst die Straße vom Schnee befreit hatte. Generell findet er: „Die Atmosphäre ist aggressiver geworden.“ Mit dieser Wahrnehmung ist er nicht alleine. „In der letzten Woche vor Weihnachten gab es einen aggressiven Vorfall in der Kämmerei mit der Folge eines Hausverweises“, heißt es aus dem Rathaus.

Um in solchen Fällen schnell reagieren zu können, ist vor Ort bereits ein Notknopf installiert worden – nun folgt eine weitere Schutzmaßnahme in Form von einer Sicherheitsverglasung. In einer Kernener Kita beschimpften Eltern vor der Kindergruppe die Einrichtungsleitung, Mitarbeitende des Gemeindevollzugsdienstes wurden bei einer Großveranstaltung Opfer „von erheblichen Beleidigungen mit Gewaltandrohungen“.

All das sind Vorfälle, die den Bürgermeister Benedikt Paulowitsch besorgt stimmen. Eine Statistik gebe es nicht, viele Mitarbeitende kommunizierten die Vorfälle seiner Erfahrung nach gar nicht erst. Die Gemeinde möchte deshalb ein Bewusstsein dafür schaffen, „sich nicht zu scheuen, bei solchen Fällen zukünftig Anzeige zu erstatten“.

Die Ausschreitungen in Großstädten in der Silvesternacht haben vielerorts eine Diskussion über ein Böllerverbot angeregt. Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch äußerte sich dazu nun auf Facebook. Seine Botschaft: Nicht die Böller sind schuld, die Gewaltbereitschaft habe generell zugenommen. 

Beleidigungen und Bedrohungen nehmen auch in Kernen zu

„In Kernen erleben wir Bilder dieser Dimension nicht“, stellt der Rathaus-Chef bezüglich der Silvester-Krawalle fest. Und

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