Kernen

Kernen: Der Musikverein Rommelshausen probt wieder

MV Kernen Corona Probe
Der Musikverein Rommelshausen hat im Saal des Vereinsheims zum Glück jede Menge Platz: So kann mit viel Abstand geprobt werden. © Lynn Bareth

Der Musikverein Rommelshausen hatte es in den vergangenen drei Monaten nicht leicht: Sein großes Konzert im Mai musste ausfallen, die Vereinsgaststätte hatte lange Zeit geschlossen – Einnahmen gab’s also so gut wie keine, Ausgaben schon: „In unserem Vereinsheim sind die üblichen Fixkosten angefallen, und die beiden Dirigenten mussten wir auch nach wie vor bezahlen“, erzählt Josef Gschwandl, Erster Vorsitzender des Musikvereins Rommelshausen.

Bis zum Jahresende keine eigenen Veranstaltungen

Auch wenn bis mindestens zum Jahresende keine geldbringenden Veranstaltungen stattfinden werden und auch der gesellige Teil des Vereinslebens aus Sicherheitsgründen heruntergefahren bleibt, gehen nun am 18. Juni zumindest die Proben wieder los: Die neue Corona-Verordnung lässt gemeinsames Musizieren auch für Blasmusiker nämlich endlich wieder zu – vorausgesetzt, es ist ein privater Proberaum verfügbar und es gibt darin genügend Platz, um die Abstandsregeln zu befolgen.

„Jetzt sind wir mal wieder total froh, dass wir so ein großes Vereinsheim haben“, sagt Josef Gschwandl. Die großzügigen Räumlichkeiten weiß auch Dirigent Martin Wellmann zu schätzen: „Der MV Rommelshausen ist von meinen drei Gruppen die erste, die wieder anfängt zu proben. Ich dirigiere auch die Stadtkapellen in Fellbach und Lorch: Die dürfen sich aber noch nicht wieder treffen, weil sie in Räumen der städtischen Musikschulen proben. Und das ist noch nicht erlaubt“, erklärt der Dirigent.

Zwei Meter Abstand zwischen allen Stühlen

Auch von der Akustik des Musikerheimsaals mit seiner hohen Decke ist er angenehm überrascht: „Daran könnte ich mich gewöhnen.“ Die Musiker trudeln nacheinander ein, sie freuen sich sichtlich, sich nach so einer langen Zeit im gewohnten Rahmen wiederzusehen. Die neue Sitzordnung ist anfangs noch ein wenig ungewohnt: Am Vortag hat Gschwandl mit mehreren Helfern den Raum abgemessen, mit Klebeband sind Kreuze auf dem Boden angebracht worden. Die markieren, wo jeweils ein Stuhl samt Notenständer stehen darf. So gibt es zwischen allen Mitspielern auf jeder Seite mindestens zwei Meter Abstand – der Schlagzeuger nimmt ganz allein auf der Bühne eine besonders exponierte Position ein.

Dass die Blasmusiker aber überhaupt in einem geschlossenen Raum proben dürfen, selbst mit zwei Metern Abstand, ist laut Josef Gschwandl alles andere als selbstverständlich: Noch bis vor kurzem hätten Virologen angenommen, dass die beim Spielen der Blasinstrumente verstärkt ausgestoßenen Aerosole bis zu fünf Meter weit fliegen und so jeden machbaren Sicherheitsabstand überwinden könnten. „Ganz so weit fliegen die aber jetzt wohl doch nicht.“

Trotzdem haben die Blechbläser vorsichtshalber die in den Raum hinausragenden Trichter ihrer Trompeten, Posaunen und Tuben abgedeckt: teils mit echten Mund-und-Nasen-Masken, teils mit festgezurrten Geschirrtüchern. Martin Wellmann lässt die Musiker zum Aufwärmen Tonleitern spielen: „Einige haben sicherlich lange nicht mehr geübt. Jeder muss erst mal wieder sein Instrument kennenlernen, dann frischen wir das alte Repertoire wieder auf.“ Dafür, dass der Verein seit fast drei Monaten nicht mehr geprobt hat, klingt es doch recht ordentlich: Zwar muss sich das Ensemble anfangs erst an die weiten Abstände gewöhnen, aber schnell finden die verschiedenen Instrumente wieder zusammen.

Abgedeckte Blasinstrumente trainieren auch gleich die Lunge

Allerdings müssen nach dem ersten Stück alle noch mal nachstimmen: Durch die abgedeckten Trichter klingen die Blechinstrumente nämlich höher als gewöhnlich. Und die Spieler müssen sich durch den erhöhten Luftwiderstand ordentlich ins Zeug legen: „Ich blas’ mir hier einen ab. Das Tuch ist zu dicht“, klagt eine Trompeterin. Vom Musikmachen abhalten können die erschwerten Bedingungen den Musikverein Rommelshausen aber keineswegs. Schon nach den ersten zwanzig Minuten Probe rumst der Bergsteiger-Marsch zackig wie gewohnt, und auch ein Beach-Boys-Medley lässt an Feeling nichts vermissen.

Klar, einige Stühle sind heute leer geblieben: „Wir sind ungefähr zehn Leute weniger als normal“, sagt der Erste Vorsitzende Josef Gschwandl. Einigen abwesenden Vereinsmitgliedern wird es sicherlich darum gehen, sich selbst oder Familienmitglieder, die zur Risikogruppe gehören, vor Ansteckung zu schützen. Gschwandl hofft, dass nach Ende der Beschränkungen alle wieder kommen. Er befürchtet allerdings, dass die lange Probepause bei manchen Musikern eine Entfremdung vom Vereinsleben ausgelöst haben könnte: „Vielleicht haben die gemerkt: Ich kann meinen Donnerstagabend auch anders verbringen.“