Kernen

Kernen: Hat ein 27-jähriger Mann Drogen an zwei 15-jährige Mädchen gegeben?

Kiffen
Symbolfoto. © ALEXANDRA PALMIZI

Vor dem Waiblinger Schöffengericht ist ein Prozess gegen einen 27-jährigen Bewohner einer Asylbewerberunterkunft in Kernen auf Abgabe von Drogen an zwei Minderjährige angelaufen. Der Beschuldigte, vorgeführt aus der Untersuchungshaft, führte an, in der Gemeinschaftsküche gekocht zu haben, während die beiden Mädchen, eins davon aus Schwaikheim, in seinem Zimmer gekifft hätten.

Polizei findet neben Marihuana auch Amphetamin und Ecstasy-Tabletten

Der Stuttgarter Staatsanwaltschaft zufolge sollen am 22. September 2021 zwischen 17 und 22.50 Uhr im Zimmer des Angeschuldigten gemeinsam Drogen von mehreren Leuten konsumiert worden sein. In diesem Zimmer habe die Polizei nicht nur Marihuana, sondern auch Amphetamin und Ecstasy-Tabletten gefunden. Der Beschuldigte jedoch verneint, Drogen an andere, insbesondere die beiden damals 15-jährigen Mädchen abgegeben zu haben.

Das Mädchen aus Schwaikheim war bereits im Zeugenstand und erkannte den Angeklagten auch wieder. Der Mann, sagte die Jugendliche aus, habe sie einen Tag vor dem Treffen in dem Asylbewerberheim Kernen in Winnenden angesprochen und sie hätten Telefonnummern ausgetauscht. Weder sie noch ihre noch nicht als Zeugin gehörte Freundin hätten davor jemals Drogen genommen und auch gar kein Interesse daran gehabt.

Auf dem Anklagestuhl des Waiblinger Amtsgerichts sitzt ein Mann, der seinen eigenen Angaben nach in seiner Heimat nicht die Schule besucht hat und dort als Fahrer tätig war. Seine Angehörigen seien bereits verstorben und es lebe nur noch eine jüngere Schwester. 2014 nach Deutschland gekommen, lebe er in Kernen immer noch nur mit einer Duldung und habe keine aktuellen Informationen über seinen Asylantrag, teilte der Beschuldigte dem Gericht mit.

Angeklagter verneint, Drogenprobleme zu haben

Ein Drogenproblem zu haben, verneinte der Angeklagte und das schwöre er bei seinem Leben und bei Gott. Er könne sich nicht daran erinnern, in Deutschland jemals Marihuana konsumiert zu haben, und befinde sich auf Januar 2023 in den Hochzeitsvorbereitungen mit seiner Freundin aus Washington.

Das Mädchen aus Schwaikheim und ein weiteres Mädchen seien in seinem Zimmer gewesen, gab der Angeklagte zu. Aber die Mädchen hätten ihn kontaktiert auf „Abhängen und Chillen“ in seinem Zimmer, nicht andersrum. „Wenn ich gewusst hätte, dass die minderjährig sind, hätte ich die niemals bei mir empfangen“, beteuerte der 27-Jährige. Am Ende des Besuchs sei die Polizei mit Hunden gekommen und habe bei ihm im Zimmer Marihuana gefunden. Vermutlich hätten sich die Mädchen einen Joint angesteckt, der noch im Aschenbecher gelegen habe.

Die Schülerin aus Schwaikheim wurde im Zeugenstand darüber belehrt, dass sie nichts sagen muss, womit sie sich selbst wegen Drogenkonsums strafbar machen könnte. „Er hat uns 18 Euro für ein Taxi nach Kernen bezahlt“, erzählte die Schülerin. Im Zimmer des Angeklagten hätten mehrere Leute Musik gehört und Joints geraucht, wobei sie mitbekommen habe, dass der Angeklagte auch Kokain im Besitz hätte. Jedenfalls „weißes Pulver“.

Joints habe sie probiert und Kokain auch, doch weder das eine noch das andere hätte Wirkung gezeigt, fuhr die Schülerin mit ihrer Zeugenaussage fort. „Koks“ hätten sie und ihre Freundin durch die Nase gezogen, doch auch die Freundin, bereits erfahren damit, habe nichts gespürt.

„Hat der Angeklagte Geld verlangt“, fragte der Richter. „Nein, hat er nicht“, antwortete die Zeugin. Auch Belästigung sei keine im Spiel gewesen. Der Beschuldigte habe nur einmal den Arm um sie gelegt.

Polizei bekommt Hinweis, dass sich zwei 15-Jährige im Zimmer aufhalten

Wer das Zimmer letztendlich aufgeräumt hat, war eine 25-jährige Polizeibeamtin, die einen Hinweis bekommen hatte, dass sich zwei 15-jährige Mädchen aus dem Rems-Murr-Kreis im Asylbewerberwohnheim in Kernen aufhalten. Die Polizistin klopfte an die Zimmertür, sah Drogen auf einem Beistelltisch liegen, ließ die beiden inzwischen vermisst gemeldeten Mädchen nach Hause fahren und holte sich einen Durchsuchungsbeschluss für das Zimmer in der Unterkunft.

Die andere 15-jährige Zeugin muss zur Fortsetzung des Prozesses anreisen

Ein weiterer Polizeibeamter durchforstete das Handy der Schülerin, die sich mit dem Angeklagten auf das Treffen in der Unterkunft verabredet hatte. Die Mädchen kamen aber nur bis zum Bahnhof, von wo ab der Angeklagte ihnen ein Taxi bezahlte. Die zweite 15-Jährige stand als Zeugin noch nicht zur Verfügung, muss aber zur Fortsetzung des Prozesses im Januar 2023 aus einem Mädchenheim außerhalb Baden-Württembergs anreisen.

Vor dem Waiblinger Schöffengericht ist ein Prozess gegen einen 27-jährigen Bewohner einer Asylbewerberunterkunft in Kernen auf Abgabe von Drogen an zwei Minderjährige angelaufen. Der Beschuldigte, vorgeführt aus der Untersuchungshaft, führte an, in der Gemeinschaftsküche gekocht zu haben, während die beiden Mädchen, eins davon aus Schwaikheim, in seinem Zimmer gekifft hätten.

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Polizei findet neben Marihuana auch Amphetamin und Ecstasy-Tabletten

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