Kernen

Kernen ist wieder Corona-Hotspot: So erklärt sich Bürgermeister Paulowitsch die steigenden Infektionszahlen

Benedikt Paulowitsch
Benedikt Paulowitsch (Archivfoto). © ZVW/Benjamin Büttner

Während sich Mitte Februar die Zahl der offiziellen Corona-Fälle in der Gemeinde Kernen der Null näherte, nehmen nun die bestätigten Corona-Infektionen wieder zu. Mit Stand von Dienstag (30.03.) gibt es in der Gemeinde Kernen 51 aktive Corona-Fälle. Eine, im Verhältnis zur Einwohnerzahl, hohe Anzahl an Infizierten. Bereits im November fiel die 15.800-Einwohner-Gemeinde mit mehreren Corona-Fällen auf. Wie erklärt sich Bürgermeister Benedikt Paulowitsch den starken Zuwachs?

Paulowitsch: kein klares Muster zu erkennen

Während der Anstieg im Herbst 2020 größtenteils mit den positiven Fällen in der Diakonie Stetten zusammenhing, gebe es derzeit keine Anhaltspunkte. „Wir haben keine Schwerpunktcluster“, sagt der Bürgermeister. Dieses Mal seien die Fälle in Kernen wild verteilt. „Es ist kein ganz klares Muster zu erkennen.“

Auffällig: steigende Corona-Fälle in Kitas und Schulen

Auffällig sei allerdings, dass nun auch Kinder häufiger positiv auf das Coronavirus getestet werden. „Das war im letzten Jahr eher selten der Fall.“ Da bezieht sich der Bürgermeister auf die These, dass die Corona-Mutationen bei Kindern ansteckender sind. „Das ist inzwischen die gefühlte Realität bei uns. Da nehmen die Zahlen stark zu.“

Derzeit befinden sich eine Kita-Gruppe des Kindergartens „Lummerland“, eine Gruppe der Kita „Alte Schule“ und eine Schulklasse der Karl-Mauch-Schule in Quarantäne. Deshalb appelliert er nach wie vor an die Eltern, ihre Kinder nicht in die Kita oder Schule zu schicken, wenn die Elternteile oder das Kind selbst krank sind.

Bürgermeister Paulowitsch tut sich schwer damit, wenn Kernen als Corona-Hotspot bezeichnet wird

Darüber hinaus macht der Kernener Bürgermeister darauf aufmerksam, dass die Zahlen bundesweit und im Landkreis steigen. „Wir hatten vor kurzem noch eine Inzidenz von 70 und die ging schnell schlagartig über 100.“ Deshalb passe es aus seiner Sicht ins Gesamtbild. „Es wäre ja außergewöhnlich, wenn die Inzidenz bei uns nicht steigen würde“, findet Benedikt Paulowitsch. Er tut sich schwer damit, wenn Kernen als Corona-Hotspot bezeichnet wird.

Mögliche Ansteckungsorte: Private Treffen oder Großraumbüros

Nach wie vor spiele die Lage von Kernen bei den Infektionen eine bedeutende Rolle. „Wir sind unmittelbar an den Großen Kreisstädten und unmittelbar am Ballungsgebiet Stuttgart – im engsten Speckgürtel.“ Zu den Orten, an denen man sich häufiger ansteckt, zählen bundesweit Arbeitsstätten und Großraumbüros, sagt er. Ein anderer Faktor wäre aber auch, das Nichteinhalten von Corona-Auflagen. „Es gibt mit Sicherheit immer noch zu viele private Zusammenkünfte.“

Deshalb appelliert der Bürgermeister auch an dieser Stelle an die Bürger: „Private Zusammenkünfte, so gut es geht, nach wie vor vermeiden.“ Oder aber, wenn jemand beispielsweise seine Eltern oder Großeltern besuchen will, solle dieser zumindest vorher die Testangebote, die es sowohl in Kernen als auch im Landkreis gibt, in Anspruch nehmen.

Ein Grund für hohe Infektionszahlen könne auch mit der infizierten Gruppe zusammenhängen. Wenn das Virus in einer fünfköpfigen Familie ausbricht und die sich untereinander ansteckt, werde ein starker Zuwachs der Zahlen verursacht. „Es können auch Einzelpersonen betroffen sein“, sagt er. Aber bei den aktuellen Fällen geht er von unter 20 Haushalten aus, die betroffen sind.

Steigen die Zahlen durch Tests?

Führen mehr Tests dazu, dass die Zahl der Corona-Infizierten steigt? „Das stimmt in Teilen sicherlich, aber alleine das kann nicht erklären, dass der Anstieg derart hoch ist“, findet der Bürgermeister. „Unser kommunales Testzentrum hat so gut wie keine positiven Testergebnisse.“ Es könnte damit zusammenhängen, dass sich dort hauptsächlich Menschen vorsorglich testen lassen, die ohnehin stark die erforderlichen Auflagen befolgen. „Ausgerechnet die Menschen, die sich vielleicht häufiger testen lassen sollten, weil sie eben eher mal geballt zusammenstehen oder weil sie auf private Zusammenkünfte leider nicht verzichten. Gerade die testen sich leider zu wenig.“

Doch nichts bleibt im Verborgenen. „Und trotzdem kommen da die positiven Fälle raus, weil wir da die Erkrankungen haben.“

Bürgermeister will Teststrategien weiter ausbauen

Weiterhin setzt der Bürgermeister, um mögliche Infektionsketten zu unterbrechen, auf das Testen. „Wir haben eines der wenigen kommunal betriebenen Testzentren, das werden wir sicherlich auch nach Ostern weiterhin erweitern und ausbauen.“ Derzeit arbeite die Gemeinde auch an neuen Teststrategien für Kitas und Schulen.

Macht sich Unmut in der Bevölkerung breit? „Das allergrößte Problem, weshalb Unmut wächst, ist, dass der Eindruck entsteht, dass kein Plan da ist. Dass man nur im Hauruck und hin und her geht.“ Jeder mache Fehler, sagt er, auch er selber. „Aber man kann jetzt schon, insbesondere von der Spitzenpolitik eben verlangen, dass das Hin und Her beendet wird und dass eine gewisse Souveränität wieder an den Tag gelegt wird.“ Fest steht für ihn: „Die letzten zwei Wochen waren keine guten Wochen für unser Land.“

Während sich Mitte Februar die Zahl der offiziellen Corona-Fälle in der Gemeinde Kernen der Null näherte, nehmen nun die bestätigten Corona-Infektionen wieder zu. Mit Stand von Dienstag (30.03.) gibt es in der Gemeinde Kernen 51 aktive Corona-Fälle. Eine, im Verhältnis zur Einwohnerzahl, hohe Anzahl an Infizierten. Bereits im November fiel die 15.800-Einwohner-Gemeinde mit mehreren Corona-Fällen auf. Wie erklärt sich Bürgermeister Benedikt Paulowitsch den starken

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